Nach Fehlstart und Partner-Abgängen HSBC-Manager soll Libra doch noch den Weg bahnen

Der neue Libra-Chef Stuart Levey

Der neue Libra-Chef Stuart Levey

Foto: Chip Somodevilla/Getty Images

Es war kein guter Start im vergangenen Jahr für Libra, die von Facebook initiierte Digitalwährung: Nach massivem Gegenwind von Politik und Regulierern liefen dem Projekt reihenweise die Partner weg. Finanzdienstleister wie Mastercard, Visa, Stripe und auch die Internet-Handelsplattform Ebay kehrten dem Projekt den Rücken zu. Doch am Ende ist das Projekt damit nicht. Neue Partner sind hinzugekommen, die Libra-Macher haben ihre Pläne adaptiert und sich mit dem Chef-Justiziar der Schweizer-Großbank HSBC  nun einen neuen CEO gesucht, der bestens in der Politik und bei Regulierern vernetzt ist.

Stuart Levey, der als ehemaliger Finanzstaatssekretär im US-Finanzministerium sowohl unter Obama als auch George W. Bush gearbeitet hat, soll seinen neuen Job im Sommer antreten, wie die Libra-Association am Mittwoch mitteilte. 

Der Jurist, der in den vergangenen Jahrzehnten sowohl für das US-Justiz- als auch das Finanzministerium tätig war und als Geldwäsche-Experte gilt, verfügt über hohes Ansehen in Washington . Er solle als "strategischer Leiter" des Projektes Innovation mit einer robusten Compliance und einem regulatorischen Rahmen verbinden, hieß in Genf, wo die Libra-Association beheimatet ist.

Leveys Verpflichtung wird von Beobachtern als Zeichen gewertet, dass die Libra-Macher bereit sind, für das Überleben ihres Projektes auf Bedenken von Regulierern einzugehen und ihre Pläne anzupassen.

Nach der massiven Abwehrreaktion von Regulieren und dem Ausscheiden zahlreicher Partner hatten die Libra-Macher bereits umfangreiche Änderungen an ihrem Projekt vorgenommen. So soll es statt eines einzigen Korbes stabiler Währungen und Staatsanleihen zur Absicherung der Digitalwährung nun eine ganze Reihe weiterer Stablecoins geben, die an einzelne Währungen wie das Pfund, den Euro oder den US-Dollar gekoppelt sind. Zudem sollen laut David Marcus, der das Projekt vonseiten Facebooks betreut, umfassende Kontrollmechanismen und Vorkehrungen eingerichtet werden, um Verbraucher zu schützen und Geldwäsche und Terrorfinanzierung zu erschweren.

Ob und wann die ursprünglich für 2020 avisierte Digitalwährung tatsächlich Realität wird, ist nach wie vor unklar. Seit dem 16. April bemüht sich die Libra-Association offiziell um eine Zulassung der Schweizer Behörden, die sich ihrerseits mit Regulierern aus 20 Staaten dazu austauschen, wie das "Wall Street Journal"  berichtet.

Zu den Partnern, die Libra unterstützen, gehören aktuell Unternehmen wie Uber, Lyft, Spotify, der E-Commerce-Dienstleister Shopify und der Wagniskapitalgeber Union Square Ventures. Weitere Partner, die das Projekt verlassen hatten, hatten ihre mögliche Rückkehr in Aussicht gestellt.