Mittwoch, 27. Mai 2020

Weiterleitungsfunktion in Corona-Krise noch stärker eingeschränkt Facebook will Fake News über Whatsapp eindämmen

Fehlinformationen in der Corona-Krise verbreiteten sich durch die Weiterleitungsfunktion bei Whatsapp mitunter in höchsten Tempo. Jetzt schränkt die Facebook-Tochter diese Funktion noch stärker ein.
picture alliance / dpa
Fehlinformationen in der Corona-Krise verbreiteten sich durch die Weiterleitungsfunktion bei Whatsapp mitunter in höchsten Tempo. Jetzt schränkt die Facebook-Tochter diese Funktion noch stärker ein.

Je schneller sich das Coronavirus auch hierzulande ausbreitete, desto mehr wuchs die Angst vor der Pandemie, desto öfter und schneller teilten die Menschen in sozialen Netzwerken Beiträge, Audiofiles, Filmchen - oft unkommentiert und schon gar nicht geprüft. So verbreiteten sich Meldungen mit wahrscheinlich nicht geringer Wirkung in Windeseile und verunsicherten die Menschen im Ergebnis zusätzlich.

Die auf Whatsapp kursierende Meldung, dass das Schmerz- und Fiebermittel Ibuprofen laut einer angeblichen Studie der Uni Wien das Risiko, an Covid-19 zu erkranken, womöglich erhöhe, ist nur ein Beispiel dafür (auch der Autor erhielt die Audiodatei mit der authentisch klingenden Frauenstimme und war verunsichert, ob er jetzt noch Ibuprofen gegen Kopf- und Halsschmerzen nehmen solle) .

Nun beschränkt der Chatdienst das Weiterleiten von oft geteilten Nachrichten. Sie können statt wie bisher an fünf Chats gleichzeitig jetzt nur noch einzeln an einen Chatpartner weitergeleitet werden. Wird die Nachricht mehr als fünfmal von einem Nutzer geteilt, erhält sie zudem ein Doppelpfeil-Symbol, sodass der Empfänger sich hier gewarnt fühlen sollte.

Ziel ist es laut der Facebook-Tochter Whatsapp, die Weiterverbreitung von Fehlinformationen zumindest zu erschweren, wie das Unternehmen in einer Stellungnahme mitteilt. Dort heißt es unter anderem: "... Leider gab es jedoch auch eine deutliche Zunahme bei weitergeleiteten Nachrichten, von denen sich Benutzer überwältigt fühlen und die zur Verbreitung von Fehlinformationen beitragen können. Unserer Meinung nach ist es wichtig, die Ausbreitung solcher Nachrichten zu verlangsamen, damit Whatsapp weiterhin ein Ort für persönliche Gespräche bleibt."

Der Hintergrund ist: Die Nachrichten bei Whatapp haben eine sogenannte Ende-zu-Ende-Verschlüsselung - ihr Inhalt ist nur für die Nutzer im Klartext sichtbar, aber nicht für den Dienst selbst. Damit kann Whatsapp nicht direkt gegen Falschinformationen oder auch Hetzkampagnen vorgehen, versucht nun aber, auf diese Weise den Missbrauch zumindest einzudämmen.

Taucht das erwähnte Doppelpfeil-Symbol indes nicht auf, heißt dies nicht zwingend, dass der Empfänger tatsächlich zu den ersten der Nachricht zählt. So ließen sich, schreibt Spiegel-Online, zum Beispiel Kettenbriefe auch einfach kopieren und dann minimal neu umformuliert weiterverbreiten. Für Whatsapp, das den Inhalt der Nachricht ja wegen der Verschlüsselung nicht kennt, wäre ein solcher Neuaufguss dann wieder eine neue Botschaft, bis er erneut auf die mehr als fünf Weiterleitungen kommt.

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