Montag, 22. Juli 2019

Kontrolle über den Konzern in der Krise Warum Zuckerberg den Verkauf seiner Facebook-Aktien gestoppt hat

Facebook-CEO Mark Zuckerberg mit seiner Frau Priscilla Chan

Mark Zuckerberg (34) hat den Verkauf seiner Facebook-Aktien gestoppt. Der Chef des weltgrößten sozialen Netzwerks veräußerte im vierten Quartal 2018 keinen einzigen Anteilsschein, wie die US-amerikanische Nachrichtenagentur "Bloomberg" berichtet. Skandale hatten dafür gesorgt, dass Facebook Börsen-Chart zeigen in dem Zeitraum 20 Prozent seines Marktwerts verlor. Laut "Bloomberg" ist es das erste Quartal in zwei Jahren, in denen Zuckerberg keine Aktien verkauft hat.

Ursprünglich hatte Zuckerberg im September 2017 verkündet, er wolle 35 bis 75 Millionen Facebook-Aktien in den kommenden 18 Monaten veräußern. Das sollte einer Organisation zugutekommen, die der CEO mit seiner Frau Priscilla Chan (33) aufgesetzt hatte. Die "Chan Zuckerberg Initiative" (CZI) soll unter anderem Heilverfahren für Krankheiten finden.

Seither habe Zuckerberg rund 30,4 Millionen Anteile im Wert von etwa 5,6 Milliarden US-Dollar abgegeben, heißt es bei "Bloomberg". Gegenüber der Agentur wollte Facebook das Thema nicht kommentieren. Von Zuckerberg gab es bisher keine öffentliche Reaktion.

Der Börsenwert von Facebook hat seit dem Allzeithoch im Juli 2018 nahezu 40 Prozent verloren. Zuckerbergs Vermögen hat das laut "Bloomberg" um 32,7 Milliarden US-Dollar geschmälert. Grund sind verschiedene Datenskandale, die auf den Konzern bis heute einprasseln. Russische Wahlmanipulation über das Netzwerk, Missbrauch der Daten von 87 Millionen Facebook-Nutzern durch die Analysefirma Cambridge Analytica oder auch ein Bericht der Zeitung "New York Times", die aufdeckte, dass Netflix und Spotify Zugriff auf private Nachrichten der Nutzer hatten, sind nur ein Ausschnitt der Probleme des Konzerns.

Der Wertverlust an der Börse dürfte ausschlaggebend für Zuckerberg gewesen sein, den Abverkauf zu stoppen. Sind die Aktien weniger wert, muss der Facebook-Chef mehr davon abgeben, um die gleiche Summe für seine philanthropische Initiative einzusammeln. Das könnte aber dazu führen, dass er die Macht über den Konzern früher verlieren würde als gewollt. Wie langfristig Zuckerberg da denkt, zeigte schon seine Ankündigung im September 2017: "In den letzten anderthalb Jahren hat sich das Geschäft von Facebook gut entwickelt und der Wert unserer Aktien ist so weit gestiegen, dass ich unsere Philanthropie vollständig finanzieren und die Kontrolle über Facebook für 20 Jahre oder länger behalten kann."

So hat sich Zuckerberg die Kontrolle gesichert

Zuckerberg hat sein Unternehmen sorgsam so aufgebaut, dass er es selbst 15 Jahre nach der Gründung und knapp sieben Jahre nach dem Börsengang noch immer kontrolliert. Selbst jetzt in der skandalträchtigen Zeit, in der die Rufe nach Zuckerbergs Rücktritt lauter geworden sind.

Bei Facebook gibt es wie auch bei anderen Konzernen Aktien zweier verschiedener Klassen. Papiere der Klasse A können von Investoren am Markt gekauft werden und haben je eine Stimme. Anteilsscheine der Klasse B haben je zehn Stimmen - und sie gehören vor allem Zuckerberg und einem Kreis enger Vertrauter. So verfügt Zuckerberg, dem noch etwa 15 Prozent an Facebook gehören, über rund 60 Prozent der Stimmrechte. Da er CEO und Executive Chairman des Aufsichtsgremiums gleichzeitig ist, hat er nach Einschätzung verschiedener Experten die Geschicke seines Konzerns völlig in der Hand.

Deutlich wird nun auch, dass der Erfolg von Zuckerbergs wohlmeinender Initiative maßgeblich von Facebooks wirtschaftlicher Performance abhängt. Hält Zuckerberg seine Papiere weiter, fließt weniger Kapital in CZI. Die Initiative ist nicht als Stiftung, sondern als LLC organisiert, ähnlich einer GmbH. So können Chan und Zuckerberg spenden, aber auch investieren. Gewinne, so sagen sie, sollten in ihrem Sinne re-investiert werden. Als selbst erklärtes Ziel will das Ehepaar zahlreiche Krankheiten noch zu Lebzeiten seiner Kinder ausrotten und Bildung voranbringen. Dafür beschäftigt CZI auch eigene Programmierer, die Technologien entwickeln sollen, und steckt Geld in Forschung. Eine signifikante Summe ist bereits an die Initiative geflossen. Doch unklar ist, ob sie zum Kollateralschaden Facebooks werden könnte.

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