Sorge von Investoren verfliegt Facebook-Nutzung schrumpft, doch die Gewinne steigen

Facebook-Nutzer bekommen seit geraumer Zeit weniger Informationen oder Videos zu sehen. Die geänderten Regeln haben die Verweildauer um insgesamt 5 Prozent verkürzt. Für das Werbegeschäft ist das nicht unerheblich. Die Sorge der Investoren scheint aber vorerst unbegründet: Umsatz und Gewinn kletterten im ersten Quartal prozentual noch zweistellig.
Die neue 50 Millionen weniger Stunden bei Facebook

Die neue 50 Millionen weniger Stunden bei Facebook

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Facebooks neuer Kurs, den Mitgliedern mehr Beiträge von Freunden und Familie statt von Unternehmen, Medien und politischen Gruppierung zu zeigen, hat umgehend zu kürzeren Nutzungszeiten geführt. Im vergangenen Quartal hätten die Nutzer deswegen täglich 50 Millionen Stunden weniger bei Facebook verbracht, sagte Gründer und Chef Mark Zuckerberg am Mittwochabend nach Börsenschluss in den USA. "Das zeigt, wie ernst wir es damit meinen."

Bei der Größe von Facebook sind das rund zwei Minuten pro Nutzer am Tag oder insgesamt 5 Prozent weniger Verweildauer. Aber kürzere Nutzungszeiten können auch auf die Geschäftszahlen durchschlagen, wenn weniger Werbung angeklickt wird. Zuckerberg betonte, das sei etwas, was Facebook in Kauf nehme, um die beim Online-Netzwerk verbrachte Zeit wertvoller zu machen.

Er hatte einen tiefgreifenden Strategiewechsel angekündigt und erklärt, dass die Nutzer weniger Nachrichten und Inhalte von Facebook-Seiten zu sehen bekommen und stattdessen mehr Beiträge von Freunden und Verwandten. "Den Menschen dabei zu helfen, sich zu vernetzen, ist wichtiger, als die Nutzungszeit zu verlängern", erklärte Zuckerberg jetzt. Das werde auf lange Sicht auch Facebooks Zukunft sichern.

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Zuckerberg reagiert damit auch auf Diskussionen um Facebooks Verantwortung für Fake News oder um das Suchtpotential sozialer Medien.

Im vergangenen Quartal trieb ein boomendes Geschäft mit Online-Werbung den Umsatz des weltweit größten sozialen Netzwerks auf 12,97 Milliarden Dollar. Das war ein Plus von 47 Prozent im Jahresvergleich. Der Gewinn stieg um ein Fünftel auf 4,27 Milliarden Dollar, wie Facebook nach US-Börsenschluss am Mittwoch mitteilte. Grund für den "moderateren" Anstieg war die Rückstellung von mehr als zwei Milliarden Dollar zusätzlich für Auslandsgewinne nach der US-Steuerreform.

Zahl der Nutzer wächst so langsam wie seit 2015 nicht mehr

Facebook hat nun 2,13 Milliarden monatlich aktive Nutzer. Täglich kamen 1,4 Milliarden von ihnen auf die Plattform. Das waren 32 Millionen mehr als drei Monate zuvor - das langsamste Wachstum seit 2015.

Analysten hatten mit einem schnelleren Anstieg der Nutzerzahlen gerechnet. Im lukrativsten Markt USA und Kanada sank die Zahl täglich aktiver Nutzer sogar erstmals, von 185 auf 184 Millionen. Marktforschern zufolge war die Facebook-Nutzung in Nordamerika bereits vor dem angekündigten Umbau rückläufig.

In Nordamerika machte Facebook im vergangenen Quartal fast 27 Dollar Umsatz pro Nutzer, während es im weltweiten Durchschnitt nur gut sechs Dollar waren. In Europa lagen die Erlöse pro Mitglied näher zum globalen Schnitt bei knapp neun Dollar.

Umsatzwachstum soll an Fahrt verlieren und die Kosten steigen

Für dieses Jahr rechnet Facebook mit einem langsameren Wachstum des Geschäfts als 2017. Zugleich sollen die Kosten um 45 bis 60 Prozent steigen und das Online-Netzwerk will allein bis zu 15 Milliarden Dollar in Infrastruktur wie Rechenzentren investieren.


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Ebenfalls für einige Kosten dürfte die Transparenzoffensive in Europa sorgen. Kürzlich kündigte Facebook zum Start einer neuen EU-Gesetzgebung an, seine Datenschutzregeln offener darzulegen. Der Konzern veröffentlichte die Bestimmungen erstmals und legte gleichzeitig eine Informationskampagne auf. Zudem ist es künftig möglich, die gesamten Einstellungen zur Privatsphäre zentral zu bearbeiten. Der österreichische Datenschutz-Aktivist Max Schrems klagt vor einem Wiener Gericht gegen Facebook, weil er seine Rechte auf Privatsphäre und Datenschutz verletzt sieht. (

Die Anleger scheinen Zuckerberg jedoch zu vertrauen: Die Aktie, die nach den Quartalszahlen zunächst im nachbörslichen Handel rund 5 Prozent verlor, drehte nach seinen Äußerungen vor Analysten ins Plus und gewann mehr als ein Prozent hinzu.

Rei/dpa-afx
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