Facebook-Manager David Marcus "Wenn es sich wie Werbung anfühlt, ist es schlecht"

David Marcus, ehemaliger Paypal-Chef und inzwischen Facebooks oberster Messaging-Manager, verrät manager magazin online, wie er künftig mit Kurznachrichten Geld verdienen will.
Von Astrid Maier
David Marcus bei der Internet-Konferenz DLD in München: Einen Angriff auf seine Ex-Firma Paypal plant er eher nicht

David Marcus bei der Internet-Konferenz DLD in München: Einen Angriff auf seine Ex-Firma Paypal plant er eher nicht

Foto: DPA

mm: Als Sie Paypal in Richtung Facebook verlassen haben, haben Sie allen mitgeteilt, sie würden sich darauf freuen, sich wieder die Hände schmutzig zu machen. Wie schmutzig sind sie in den vergangen Monaten geworden?

David Marcus: Sie sind auf ganz delikate Art und Weise richtig dreckig geworden. CEO eines börsennotierten Unternehmens zu sein, wird mächtig überschätzt, es sei denn, man hat die Firma selbst gegründet und die Unternehmenskultur mit aufgebaut. Falls nicht, kann es sich anfühlen wie das Verhältnis zum sechszehnjährigen Stiefsohn aus einer anderen Ehe. Ich war bereit für etwas Neues und habe den Wechsel keinen einzigen Tag bereut.

mm: Wer hat Sie zu Facebook gelotst?

Marcus: Mark Zuckerberg. Seine Vorstellung davon, in welchem Maße sich Messaging zu einem immer wichtigeren Teil unseres Lebens entwickeln wird, hat mich überzeugt. Die Chance, ein Produkt mit zu entwickeln, dass von einer Milliarde Menschen genutzt wird, kommt nicht so oft im Leben. Ich konnte gar nicht Nein sagen.

mm: Mark Zuckerberg hat neulich gesagt, ein Geschäftsmodell wird erst dann interessant, wenn es eine Milliarde Nutzer erreicht. Stimmen Sie ihm zu?

Marcus: Was Mark wahrscheinlich meinte, sind Dienste, die auf dem Weg dazu sind, eine Milliarde Nutzer zu erreichen. Sowohl Facebook Messenger als auch WhatsApp, unsere andere Kurznachrichten-Plattform, befinden sich auf dem Pfad dahin.

mm: Auch Google-Chef Larry Page forderte neulich Entwickler dazu auf, beim Ersinnen neuer Dienste immer eine Milliarde Nutzer im Hinterkopf zu behalten. Ist das die neue Bench-Mark im Silicon Valley?

Marcus: Eine Milliarde Nutzer sind wirklich sehr, sehr viele Nutzer. Es ist eine unglaubliche Zahl. Den Geist, der hinter einem solchen Anspruch steht, würde ich so beschreiben, dass wir im Valley ganz einfach Dienste für die ganze Welt entwickeln wollen.

mm: Worauf fokussieren Sie sich derzeit, um dieses Ziel zu erreichen?

Marcus: Wir arbeiten daran, den Facebook Messenger zur schnellsten und verlässlichsten Nachrichten-Plattform der Welt aufzubauen. Und wir wollen dem Dienst immer mehr Funktionen hinzufügen. Im Moment testen wir etwa die Möglichkeit aus, Sprachnachrichten zu transkribieren. Wir werden noch jede Menge solcher neuer Funktionalitäten auf den Markt bringen.

mm: Was kommt als nächstes?

Marcus: Das kann ich nicht verraten, aber wir werden sicher schon bald etwas Neues ankündigen.

"Wir müssen nicht selbst zum Payment-Dienst werden"

mm: Sind Sie nicht zuvorderst zu Facebook gekommen, um ein Geschäftsmodell für den Messenger-Dienst zu finden? Als ehemaligem PayPal-Chef dürfte Ihnen doch sicher zum Thema Bezahldienste einiges eingefallen sein bei Facebook.

Marcus: Wir sind im Werbe-Business tätig. Da ist es wichtig, dem Nutzer zunehmend zu ermöglichen, Produkte, die er online, vor allem mobil, beworben sieht, auch kaufen zu können. Wir experimentieren bereits mit einer Kauf-Funktion im Facebook-Newsfeed. Solche Dienste werden in Zukunft für uns zunehmend interessant werden. Wir stehen nicht unter Druck, mit Kurznachrichten Geld zu verdienen, aber es gibt noch eine Menge Möglichkeiten, die Kommunikation wischen dem Nutzer und unseren Werbekunden zu verbessern.

mm: Was konkret meinen Sie damit?

Marcus: Schauen Sie sich andere bereits existierende Dienste etwa in Asien an. Manche von ihnen verdienen Geld damit, dass sie Premium-Inhalte innerhalb der Nachrichten verkaufen, etwa Sticker. Andere wiederum haben ganze Dienstleistungs-Pakete integriert, auch E-Commerce. Uns steht also vieles offen.

mm: WhatsApp-Chef Jan Koum hat für seinen Dienst Werbung ausgeschlossen. Gilt das auch für ihr Geschäft?

Marcus: Ja, unser Ziel ist es nicht, Kurznachrichten mit Werbung vollzustopfen. Sie sind eine sehr private Angelegenheit, und niemand will darin mit Werbung bombardiert werden. Wir werden andere Wege finden, Geld zu verdienen. Wenn es sich wie Werbung anfühlt, ist es schlecht.

mm: Warum legt Facebook WhatsApp und den Facebook Messenger nicht einfach zusammen?

Marcus: WhatsApp ist in manchen Regionen wie etwa Deutschland unglaublich erfolgreich, der Facebook-Messenger wiederum gewinnt in anderen Märkten hinzu. Und die beiden Plattformen funktionieren unterschiedlich. WhatsApp ist die neue Form der SMS, der Messenger eher eine Plattform, auf der Medien ausgetaucht werden. Wir wollen beide Märkte bedienen.

mm: Sieht sich Facebook nach neuen Übernahme-Zielen um? Kurznachrichten-Trends sind schließlich schnelllebig.

Marcus: Im Moment befinden wir uns in einer komfortablen Position. Der Facebook-Messenger hat mehr als eine halbe Milliarde aktiver Nutzer im Monat, WhatsApp 700 Millionen.

mm: Sie sind der ehemalige Paypal-Chef. Geben Sie zu: Facebook wird bald zum Paypal-Angriff übergehen, oder?

Marcus: Ich glaube nicht, dass es für Facebook sinnvoll wäre, ein echtes Bezahl-Geschäft aufzubauen. Wir wollen eher, wie ich bereits erklärte, es unseren Werbekunden erleichtern, die Nutzer für ihre Produkte bezahlen zu lassen. Aber wir müssen nicht selbst zum Payment-Dienst werden. Wir sehen uns eher als Partner.

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