Dienstag, 26. Mai 2020

Libra-Gesellschaft startet Investoren gehen - Facebook treibt Libra trotzdem voran

Facebook arbeitet emsig an seiner geplanten Kryptowährung Libra

Der Internetkonzern Facebook setzt den Ausbau seiner Krytowährung Libra trotz des Ausstiegs großer Investoren fort. So ist die Libra-Assoziation, die die von Facebook entwickelte Digitalwährung verwalten soll, mit 21 Mitgliedern an den Start gegangen.

Kurz vor der offiziellen Gründung stieg noch die Online-Reisefirma Booking Holdings aus dem Kreis der Partner aus. Bereits davor hatten sich globale Finanzdienstleister Mastercard , Visa und Paypal sowie die Handelsplattform Ebay verabschiedet. Weiterhin an Bord sind aber noch bekannte Unternehmen wie der Musikstreaming-Marktführer Spotify und die Fahrdienst-Vermittler Uber und Lyft sowie der Telekommunikationsriese Vodafone.

Facebook-Manager David Marcus, der das Libra-Projekt bisher leitete, betonte, dass Facebook nur noch eines von 21 Mitgliedern der Organisation sei. Marcus wurde in den Verwaltungsrat der Assoziation mit Hauptsitz in Genf berufen. Weitere Mitglieder sind Katie Haun vom Risikokapitalgeber Andreessen Horowitz, Patrick Ellis vom Bezahl-Dienstleister PayU, Wences Casares von der Bitcoin-Brieftasche Xapo sowie Matthew Davie vom Spezialisten für Kleinkredite Kiva.


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Facebook will Libra laut bisherigen Ankündigungen im kommenden Jahr für Verbraucher verfügbar machen, die Idee stößt aber bei Politikern und Zentralbanken zum Teil auf heftigen Widerstand. Libra soll eins zu eins mit einem Korb stabiler Währungen und Staatsanleihen abgesichert werden, weshalb Libra auch als sogenannter "Stable Coin" gilt, der im Wert kaum schwankt im Gegensatz zu Bitcoin oder anderen Digitalwährungen.

Gleichwohl bereitet eben diese geplante Bindung des Libra an einen Währungskorb Aufsehern und Währungshütern Bauchschmerzen. So warnte der Finanzstabilitätsrat (FSB) bereits, globale "Stable Coins" könnten die "Stabilität des Finanzsystems" gefährden.

Facebook weist Bedenken zurück, wonach die Digitalwährung in die Hoheit von Notenbanken eingreifen könnte. Auch betont der Internetkonzern, dass bei Libra kein neues Geld ausgegeben werde - dies bleibe Staaten vorbehalten. Ohnehin wolle Facebook Zahlungen mit Libra erst dann ermöglichen, wenn die Bedenken der Notenbanken und U-Regulierungsbehörden ausgeräumt seien.

Bei Facebook sind etwa 2,4 Milliarden Menschen registriert - mit diesem riesigen Pool an potenziellen Nutzern könnte die geplante Digitalwährung im internationalen Geldsystem langfristig eine wichtige Rolle spielen.

rei/dpa/Reuters

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