Streit um Zuckerberg und Fake-News Facebook-Mitarbeiter gründen geheime Task-Force

Der Umgang mit gefälschten Nachrichten während der US-Wahl hat Facebook scharfe Kritik eingebracht. Jetzt begehren eigene Mitarbeiter auf. Ein geheimer Zirkel von Facebook-Beschäftigten will die Rolle des sozialen Netzwerks nicht nur während der Wahl prüfen.
Es gärt bei Facebook: Mitarbeiter (hier die Europazentrale in Dublin) haben eine Task Force gegründet

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Die These, Facebook  habe durch sein Nichtstun die Wahl von Donald Trump begünstigt, kommentierte Konzernchef Mark Zuckerberg am Wochenende noch als "ziemlich verrückte Idee". Seine eigenen Mitarbeiter sehen das offenbar anders. Nach einem Bericht des US-Magazins "Buzzfeed"  haben sie jetzt heimlich eine Task-Force eingerichtet, die das Verhalten der eigenen Firma in diesem Zusammenhang untersuchen soll.

Einer der fünf Task-Force-Angehörigen, mit denen Buzzfeed sprach, sagte: "Die Idee ist überhaupt nicht verrückt. Verrückt ist, einfach so zu tun, als ob uns das nicht anginge. Dabei wissen wir Mitarbeiter sehr genau, dass sich Fake-Nachrichten während des gesamten Wahlkampfs wild über unsere Plattform verbreiteten." Das Magazin sprach mit den Mitarbeitern anonym, weil sie nach eigenen Aussagen von Vorgesetzten eingeschüchtert worden seien und um ihren Job fürchteten.

Der Task Force sollen mehrere Dutzend Kollegen angehören. Hunderte würden die Gruppe unterstützen und hätten sich in internen Online-Chats kritisch zum Umgang des Facebook-Managements mit Fake-Nachrichten gezeigt. Der Zirkel treffe sich geheim, damit sich die Kollegen frei und ohne Furcht vor Vorgesetzten äußern könnten. Die Gruppe wolle unter anderem prüfen, ob Facebook ausreichend Ressourcen für die Beantwortung von Benutzerbeschwerden über gefälschte Nachrichten bereitgestellt habe.

"Die Verbreitung von Bullshit wird erleichtert"

Auch gelte es zu klären, ob Facebook Funktionen verwende, die die Plattform automatisch auf bestimmte Arten von anstößigen Inhalten durchsuchen - eine Frage, die sich Kritiker angesichts von Hassaufrufen  in dem sozialen Netzwerk schon lange stellen. Schließlich wolle die Gruppe am Ende eine Liste von Empfehlungen an ihre Vorgesetzten überreichen.

Welchen Einfluss Falschmeldungen und durch Algorithmen besonders verbreitete, weil besonders oft gelikte Meldungen haben können, zeigt eine Erhebung des Pew Research Center. Der Untersuchung zufolge, schreibt Buzzfeed, würde sich mehr als die Hälfte der erwachsenen US-Amerikaner und Facebook-Nutzer auf die Informationen des sozialen Netzwerks verlassen.

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Facebook habe durch sein Design, seinen Algorithmus und seine Politik eine Plattform geschaffen, die Falschinformationen verstärke, sagt Zeynep Tufekci, Professor an der University of North Carolina. Und für den ehemaligen Facebook-Designer Bobby Goodlatte steht nach der US-Wahl fest: "Es ist nun ganz klar, dass die Demokratie leidet, wenn unsere Nachrichtenumgebung die Verbreitung von Bullshit erleichtert".

Man darf gespannt sein, ob die geheime Task-Force überlebt und tatsächlich zu Ergebnissen kommt. Das Management selbst wollte laut "Buzzfeed" Fragen des Magazins nicht beantworten und verwies vielmehr auf eine frühere Stellungnahme, der zufolge das soziale Netzwerk eben nur eine von vielen Informationsquellen im Wahlkampf gewesen sei.

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