Böses Netzwerk Darum sollten Sie Facebook noch heute verlassen

Facebook-Gründer Zuckerberg: Profitmaximierung auf Kosten von Nutzern, Mitarbeitern und Gesellschaft

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Gleich aus zwei Gründen rückt heute einmal mehr Facebook in den Fokus. Erstens: Das Unternehmen hat Maßnahmen bekanntgegeben, mit denen es künftig angeblich gegen sogenannte Fakenews auf seinen Seiten vorgehen will. Und zweitens: Mit dem Magazin der "Süddeutschen Zeitung" berichtet erstmals ein Medium ausführlich darüber, unter welch dramatischen Bedingungen Menschen für das Unternehmen fragwürdige Inhalte daraufhin beurteilen, ob sie auf Facebook bleiben dürfen oder nicht.

Ein guter Zeitpunkt also, um einmal gründlich über Facebook nachzudenken. Und ein guter Zeitpunkt, dem Netzwerk sofort den Rücken zu kehren.

Warum das? Facebook geriert sich selbst gerne als Segen für die Menschheit. Das Unternehmen verbindet Menschen, sorgt für Kommunikation, Information und Unterhaltung, und das im Idealfall über Grenzen hinweg rund um den Globus.

Genau so wird Facebook offenbar auch von den meisten Menschen wahrgenommen, anders ist die Zahl der vielen Millionen Nutzer weltweit kaum zu erklären. Für viele Leute vor allem in der westlichen Welt gehört Facebook inzwischen so selbstverständlich zum täglichen Leben wie die Luft zum Atmen. Und genau so wenig, wie sie sich Sorgen über den nächsten Atemzug machen, denken die Nutzer offensichtlich auch über den wahren Charakter des Unternehmens Facebook nach.

In Wahrheit ist Facebook kein soziales Netzwerk, das eingerichtet wurde, um das Leben von Millionen und Milliarden Menschen zu verbessern. Es ist ein kommerzielles Wirtschaftsunternehmen, das darauf aus ist, seinen Umsatz und Profit zu maximieren und damit seine Aktionäre sowie einige wenige Leute an der Spitze immer reicher zu machen.

Ja, das ist eine banale Erkenntnis, die insbesondere in einem Wirtschaftsmagazin ein wenig deplatziert wirkt. Im Falle Facebooks scheint es aber dringend erforderlich, diese Selbstverständlichkeit einmal explizit in Erinnerung zu rufen.

Und ja, an alle Facebook-Nutzer, die immerhin bis hierher gelesen haben, um jetzt rasch eine Schmähung zu posten: Selbstverständlich ist der Autor dieses Kommentars (genau wie Sie) tierisch neidisch auf die vielen Milliarden Dollar, auf denen Facebook-Gründer Mark Zuckerberg inzwischen sitzt. Und selbstverständlich ist ausschließlich dieser Neid der Grund für die bisherigen und die folgenden Zeilen. Das, und die notorische Neigung von Journalisten, alles besser zu wissen und schlecht zu reden natürlich.

Aber davon abgesehen: Warum ist es also so wichtig, auf das wahre Wesen Facebooks als kommerzielles Unternehmen hinzuweisen? Ganz einfach: In diesem Wesen liegt die Erklärung für so ziemlich alle Missstände bei Facebook, von den Problemen mit "Fakenews" und "Hatespeech", die die Firma angeblich nicht in den Griff bekommt, über die gigantische Steuervermeidung bis hin zum nebulösen Umgang mit Millionen Nutzerdaten und vielem anderen.

Bei Facebook sind viele überaus intelligente und talentierte Leute versammelt. Wollte das Unternehmen seine Probleme tatsächlich im Sinne der gesamten Gesellschaft lösen, so wäre das in den meisten Fällen wohl relativ schnell erledigt. Dass es dennoch nicht geschieht, hat nur einen Grund: Das Unternehmen würde damit entgegen den eigenen wirtschaftlichen Zielen handeln, als da wären: Clicks und Reichweite steigern, Umsatz erhöhen, Gewinn maximieren.

Wohl gemerkt: Niemand - insbesondere nicht beim manager magazin - spricht Facebook oder irgendeinem anderen Unternehmen das Recht auf Gewinnmaximierung ab. Im Gegenteil: Das Streben nach Profit ist in unserem Wirtschaftssystem eine der Grundlagen für den Wohlstand (und zwar auch für den Wohlstand derjenigen, die selbst nur eine geringe oder gar keine Leistung dazu beitragen oder beitragen können).

Bei Facebook geht es aber um etwas anderes: Die Umsatz- und Gewinnmaximierung erfolgt unter dem Mantel der Wohltätigkeit, während damit in Wirklichkeit massive Schäden verursacht werden, und zwar sowohl bei einzelnen Nutzern und Mitarbeitern als auch am gesellschaftlichen Zusammenleben insgesamt.

Hier die Belege:

Facebook verdient Geld mit Desinformation ...

"Fakenews": In den USA gibt es die These, bewusst lancierte Falsch-Nachrichten auf Facebook hätten den Ausgang der US-Wahl beeinflusst. Bekanntestes Beispiel ist die Behauptung, der Papst unterstütze Donald Trump, die sich, obwohl inhaltlich nicht korrekt, im Wahlkampf auf dem Netzwerk verbreitete. Auch hierzulande wird bereits diskutiert, ob mit Blick auf die kommende Bundestagswahl 2017 eine Gefahr von solchen Falschmeldungen ausgehen könnte.

Facebook-Chef Zuckerberg hält die These angeblich für eine "verrückte Idee", tatsächlich weiß er es aber vielleicht besser. Am heutigen Freitag jedenfalls ließ Zuckerberg Maßnahmen veröffentlichen, mit denen sein Haus künftig angeblich gegen solche "Fakenews" vorgehen will. Das Prinzip in Kürze: Verdächtige Posts werden von externen "Faktencheckern" überprüft und, falls zwei Checker den Daumen senken, als "fragwürdig" oder "strittig" (englisch: "disputed") gekennzeichnet sowie im Flow der Timelines angeblich ausgebremst.

Im Klartext heißt das: Wenn im kommenden Jahr, woher auch immer, die "Nachricht" auftauchen wird, Bundeskanzlerin Merkel verbringe ihre Freizeit gerne im Keller ihres Hauses in der Uckermark, wo sie mit Vorliebe süße kleine Katzenbabys mit glühenden Stricknadeln bearbeitet, dann wird sich diese Nachricht auf Facebook rasant verbreiten. Zahlreiche Nutzer werden darüber diskutieren, sprich: Merkel beschimpfen oder belobigen, eigene Erfahrungen zum Umgang mit Katzenbabys und/oder Stricknadeln schildern, vielleicht das eine oder andere Video dazustellen. Business as usual also auf Facebook.

Was aber künftig auch passieren wird, ist Folgendes: Facebooks Faktenchecker werden die Merkel-Nachricht als das identifizieren, was sie ist, nämlich völliger Unfug. Daraufhin wird Facebook die Meldung nicht etwa löschen oder das zumindest versuchen. Nein, das Unternehmen kennzeichnet die Meldung von Merkels Hobby mit den Katzenbabys und den glühenden Stricknadeln lediglich als "fragwürdig" oder "strittig" - woraufhin die Nutzer ein Thema mehr haben, über das sie diskutieren können: Ist das nun wirklich eine Falschmeldung oder vielleicht doch nicht?

So trägt Facebook massiv zur Desinformation der Gesellschaft bei. Hauptsache der Traffic steigt, ebenso wie der Umsatz und der Gewinn.

... Hass ...

"Hatespeech": Über die Neigung von Facebook-Nutzern, im Schutze des Netzes und oft auch der Anonymität jede Form von Anstand und zwischenmenschlichen Umgangsformen zu missachten, wurde bereits vielfach berichtet. Facebook, so scheint es, ist so etwas wie die moderne Verkehrsampel, an der Autofahrer sich merkwürdigerweise regelmäßig unbeobachtet fühlen und anfangen, in der Nase zu bohren.

Auf Facebook werden nicht nur viele anstößige oder verletzende Inhalte verbreitet, sondern nicht selten auch kriminelle, also etwa Äußerungen, die den Tatbestand der Volksverhetzung erfüllen.

Tut Facebook etwas dagegen? Kaum. Während es dem Unternehmen gelingt, jede entblößte Brustwarze auf seinen vielen Millionen Seiten binnen kürzester Zeit ausfindig zu machen und zu eliminieren, gibt es sich bei Beleidigungen, Hass und Hetze deutlich schwerfälliger. Über die wahren Gründe dafür kann auch der Hinweis auf die Meinungsfreiheit, die es zu bewahren gelte, nicht hinwegtäuschen.

Tatsache ist vielmehr: Das Interesse des Unternehmens an einem zivilisierten Umgang der Nutzer miteinander besteht nur vordergründig. Besser ist es für Facebook schließlich, wenn es in den Online-Diskussionen so emotional und kontrovers wie möglich zur Sache geht. Dann gibt ein Wort das andere - und ein Click den anderen. Wir erinnern uns: Mehr Traffic, mehr Umsatz, mehr Gewinn.

... Gesundheitsgefährdung ...

Inhaltekontrolle: Im Magazin der "Süddeutschen Zeitung" ist am heutigen Freitag erstmals zu lesen, unter welchen Bedingungen Menschen versuchen, unangemessene und verbotene Inhalte von Facebooks Seiten fernzuhalten. Bei der Lektüre des Stückes tun sich Abgründe auf.

Der Bericht handelt von Menschen, die zu offenbar ziemlich niedrigen Löhnen tagtäglich von morgens bis abends die schockierendsten Inhalte konsumieren müssen. Quasi im Akkord beurteilen diese Menschen Texte, Bilder und Videos mit Kinderpornographie, Folter, Tierquälerei, Hetze, Beleidigungen und vielem mehr. Man möchte sich nicht ausmalen, welche Folgen diese Arbeit für die Gesundheit und die Psyche jedes Einzelnen der Betroffenen haben kann.

... Steuervermeidung ...

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Steuervermeidung: Wie zahlreiche weltweit agierende Großkonzerne ist auch Facebook äußerst geschickt darin, etwaige Steuerzahlungen so gering wie möglich zu halten. Die Umsätze beispielsweise, die Facebook in Europa macht, fließen zum großen Teil über eine Firmentochter in Irland. Das Land lockte auch schon den iPhone-Hersteller Apple mit seinen überaus günstigen Steuerkonditionen.

Während sein Unternehmen die Kasse für den Staat und damit die Allgemeinheit nur ungern öffnet, gibt allerdings Firmengründer Mark Zuckerberg persönlich gerne den Wohltäter. Milliarden hat er schon gespendet, beispielsweise für die medizinische Forschung.

Das heißt im Klartext: Zuckerberg ist zwar kein demokratisch gewählter Volksvertreter. Welche gesellschaftlichen Aufgaben Geld benötigen und welche nicht, entscheidet er dennoch lieber selbst. Auch diese Weltsicht unterstützt, wer einen Account auf Facebook unterhält.

... Nutzerdaten ...

Datenschutz: Den meisten Nutzern dürfte kaum bewusst sein, wie akribisch Facebook jede Information, die sie auf den Seiten hinterlassen, sammelt, auswertet und wohl auch weiterreicht. Seien es die berühmten "likes", seien es eigene Einträge, Bilder oder Videos, oder sei es das Teilen anderer Posts - all dies sagt etwas über die Persönlichkeit des Nutzers aus, über seine Ansichten, seine Interessen, seinen Charakter.

Für Facebook sind diese Infos bares Geld wert. Zum einen lenkt das Unternehmen danach die Informationsströme auf seinen Seiten, um wiederum Traffic, Umsatz und Gewinn zu steigern. Zum anderen interessieren sich auch Dritte für solche Daten, seien es Werbetreibende oder - wie zuletzt im Zusammenhang mit der US-Wahl bekannt wurde - politische Parteien. Das wiederum führt direkt zum nächsten Punkt:

... Konsumenten- und Wählermanipulation ...

Manipulation: Die Analyse der beschriebenen Nutzerdaten ermöglicht es Spezialisten heutzutage bereits, erschreckend präzise Charakterstudien von einzelnen Nutzern zu erstellen, inklusive beispielsweise Lieblingsessen, politischen Interessen oder sexuellen Vorlieben. Dies wird unter anderem genutzt, um gezielt Werbeanzeigen auf jenen Facebook-Seiten zu zeigen, deren Inhaber dafür empfänglich erscheinen.

Zudem können aber auch unauffällige, neutral erscheinende Inhalte auf Grundlage solcher Analysen bestimmten Nutzern "zugespielt" werden. Für Diskussionen sorgte in dem Zusammenhang jüngst ein Bericht, nach dem solche gezielten Posts dem künftigen US-Präsidenten Donald Trump zur Wahl verholfen haben sollen.

Ob das stimmt, sei dahingestellt. Fest steht aber wohl: Es ist möglich, über Facebook Menschen in großer Zahl und dennoch sehr individuell massiv zu manipulieren, ohne dass diese auch nur eine Ahnung davon bekommen, was mit ihnen geschieht. Was das im Zusammenhang mit demokratischen Wahlen bedeuten kann, kann sich jeder selbst ausmalen.

... Sinnlosigkeit ...

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Zeitverschwendung: Man kann über Facebook auch auf einer philosophischen Ebene diskutieren. Die Frage lautet dann: Ist es eigentlich erforderlich, dass der Mensch in jeder Sekunde seines Lebens etwas tut?

Viele scheinen dieser Ansicht zu sein. Sie fürchten offenbar die Leere, die bei Untätigkeit entstehen kann - und zücken in jeder freien Sekunde beinahe reflexhaft das Smartphone. Ein Ort, der dann gerne angesteuert wird, ist Facebook. Denn dort gibt es immer etwas zu tun: Witze lesen, Bilder betrachten, eine Meinung äußern und anderes mehr.

Warum nicht einfach mal nichts tun? Vor allem in Fernost ist die Erkenntnis bereits weit verbreitet, dass Zufriedenheit weniger mit Aktivität, Umtriebigkeit, Hast und Eile zu tun hat, und dafür mehr mit Ruhe, Gelassenheit und Verzicht.

... und uncoolen Leuten

Und schließlich - der Faktor Coolness: Berichte über junge Leute, die Facebook angeblich mehr und mehr fernbleiben, gibt es schon lange. Ob das empirisch zu belegen ist, ist zwar unklar. Wer Kinder im Alter unter 20 Jahren hat, dürfte allerdings ebenfalls wissen, dass Facebook in der Generation nicht wirklich angesagt zu sein scheint.

Vielmehr ist Facebook unter den sozialen Medien inzwischen wohl eher so etwas wie ARD und ZDF im Fernsehen. Für die älteren eben. Irgendwie von gestern. Und vor allem: übelst uncool.

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