Umbau von Plattform zu Reiseberater Expedia greift mit neuem Konzept booking.com an

Karibikinsel: Urlaub kann sehr schön sein.

Karibikinsel: Urlaub kann sehr schön sein.

Foto: Vladi Private Islands

Der US-Reisegigant Expedia baut sich zum Marktplatz um. Das intern noch unter dem Projektnamen "trip and touch" laufende Vorhaben soll Ende Oktober zunächst in Amerika starten und noch vor Jahresende auch in Deutschland zum Einsatz kommen.

Die Plattform solle künftig die Buchung von Gabelflügen, Mietwagen, Hotels und Zugtickets auf einer Seite ermöglichen, Preise von Wettbewerbern abbilden und Rabatte für treue Kunden offerieren, sagte Andreas Nau, Geschäftsführer Zentraleuropa, im Gespräch mit manager-magazin.de. Das ist eine deutliche Abkehr vom bisherigen Konzept: Derzeit müssen Besucher von Expedia über die Seite oft weitere Veranstalterseiten öffnen und in Suchmaschinen graben.

"Wir wollen ein digitaler Reiseberater werden und uns so in der Preisschlacht auf dem Markt abheben", sagt Nau. Seine Hoffnung bezieht Nau auch aus den Marktprognosen: Die Erlöse der Online-Reisebranche sollen sich allein in Deutschland bis 2020 auf 28,9 Milliarden Dollar nahezu verdreifachen.

Die Service-Offensive kommt zum 20. Firmenjubiläum der einstigen Microsoft-Tochter - und ist dringend notwendig. Das Vertrauen in den Dschungel der Internetanbieter leidet unter der spektakulären Pleite des Leipziger Enfant terrible Unister (Flüge.de, ab-in-den-urlaub.de).

Ob Expedia, dem neben Holiday-Check (Burda), Weg.de (ProSieben-Sat.1) und rund 15 weiteren Unternehmen Interesse an Teilen der insolventen Gruppe nachgesagt wird, mit Insolvenzverwalter Lucas Flöther verhandelt, wollte Nau nicht sagen. Kaum verhehlen kann er dagegen seine Freude über das Aus des umstrittenen Konkurrenten: "Viele Veranstalter waren nie glücklich über die Art, wie Unister sein Geschäft machte und fürchteten, dass dies Kunden von einer Online-Buchung abschreckt."

Auch global müssen die Amerikaner aufholen. Hauptkonkurrent Priceline (Umsatz:

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Booking.com/Priceline: Reisebüro auf dem Weg zum Allmachtskonzern

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9,2 Mrd. Dollar, Ergebnis nach Steuern: 2,55 Mrd. Dollar; Marken: Booking.com, Agoda, Kayak) hat Pionier Expedia (Umsatz: 6,7 Mrd. Dollar, Ergebnis nach Steuern: 764,5 Mio. Dollar; Marken: Expedia., Hotels.com, Trivago) deutlich hinter sich gelassen. Ein Problem haben allerdings beide gemeinsam: Der wahre Boom verlagert sich nach Asien. Und da tun sich selbst die US-Schwergewichte nicht gerade leicht. In China musste Expedia vor einem Jahr die Kooperation mit dem heimischen Anbieter Elong beenden und versucht sich nun auf eigene Faust im Kampf mit übermächtigen Gegnern wie Alibaba.

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