Telefonanbieter Ex-Siemens-Sparte Unify steht vor neuen massiven Einschnitten

Die Sanierung des Firmentelefonanbieters im Besitz von Gores und Siemens kommt nicht voran. Anfang 2014 warf Unify-Chef Akhavan hin, nun stehen weitere Personalkürzungen bevor.
Von Angela Maier und Astrid Maier
Führungswechsel: Dean Douglas (im Bild) folgte Anfang 2014 als Unify-Chef auf Hamid Akhavan.

Führungswechsel: Dean Douglas (im Bild) folgte Anfang 2014 als Unify-Chef auf Hamid Akhavan.

Foto: Unify

Hamburg - Zu Zeiten des Telekom-Chefs René Obermann reüssierte Hamid Akhavan (52) als Telekom-Vorstand. Doch Anfang 2010 wechselte er als Nummer eins zu Siemens Enterprise Communications, die inzwischen Unify heißt. Bei dem Anbieter von Firmentelefonanlagen im Besitz des US-Investors Gores und Siemens zog sich Akhavan Anfang dieses Jahres in den Aufsichtsrat zurück - und langsam wird immer deutlicher, warum: Die Lage der Firma, deren Börsengang Akhavan noch 2012 vollmundig angekündigt hatte, ist desaströs.

Die letzte, vor gut einem Jahr gestartete Restrukturierung - allein in Deutschland soll die Belegschaft bis September von 3500 auf 2600 schrumpfen - ist noch nicht mal vollzogen. Dennoch sollen in einer Aufsichtratssitzung Anfang nächster Woche bereits neue harte Einschnitte beim Personal beschlossen werden, wie manager magazin online aus Unify-Kreisen erfuhr.

Die Geschäftszahlen lägen in diesem Jahr abermals massiv unter Plan, so ein Insider. Eine Unify-Sprecherin kommentierte die Informationen nicht.

Seit Jahren hat Unify nichts als Verluste produziert. Dass die klassischen Telefonanlagen immer mehr softwarebasierten Kommunikationslösungen weichen, macht Unify wie vielen Rivalen schwer zu schaffen.

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Im Jahr 2012, in dem Akhavan Unify eigentlich an die Börse bringen wollte, fiel gemäß dem im Bundesanzeiger veröffentlichten Konzernabschluss bei 2,1 Milliarden Euro Umsatz abermals ein Fehlbetrag von 143 Millionen Euro an, nach einem Minus von 79 Millionen Euro im Vorjahr. 2013 sank der Umsatz Firmenkreisen zufolge gar unter die Marke von zwei Milliarden Euro, bei abermaligen Verlusten.

Als der Siemens-Konzern 2008 51 Prozent an der damaligen Siemens Enterprise Communications (SEN), der letzten verbliebene Sparte aus dem Telekommunikationsgeschäft, an Gores verkaufte, hatten sich der damalige Finanzchef und heutige Siemens-Chef Joe Kaeser noch sehr optimistisch gezeigt: Der US-Investor sei in Technologie und Telekommunikation erfahren und werde SEN stärken, sagte Kaeser damals. "Wir sind zuversichtlich, dass sich dies langfristig positiv für unsere Mitarbeiter und Kunden auswirken wird."

Project Ansible: Kommt Unifys neues Produkt zu spät?

Damals lag der Umsatz noch bei 3,2 Milliarden Euro. Kurz vor dem Verkauf hatte Siemens damit begonnen, 6800 der damals 17500 Stellen weltweit abzubauen. Inzwischen arbeiten weltweit etwa noch 7500 Menschen für Unify.

2008 brachte Gores unter anderem die eigene IT-Firma Enterasys in die Ehe ein. Enterasys wurde im Herbst 2013 für 180 Millionen Dollar weiterveräußert. Denn Unify braucht das Geld. Unter anderem dafür, um die neue Kommunikationsplattform "Project Ansible" voranzutreiben. Diese wurde im Frühjahr auf der Cebit vorgestellt und soll die verschiedenen Wege, wie heute kommuniziert und zusammengearbeitet wird, auf einer Plattform und geräteübergreifend vereinen. Brancheninsider befürchten allerdings, dass das neue Produkt zu spät kommt.

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Schon seit Jahren würden Siemens  wie Gores gerne bei Unify wieder aussteigen - bloß wie? Immer mal wieder wurden Branchenkreisen zufolge Gespräche über ein Zusammengehen mit dem US-Rivalen Avaya geführt, der seit 2007 im Besitz der US-Finanzinvestoren TPG und Silver Lake ist. Doch man konnte sich nie einigen, zuletzt wurden die Verhandlungen Anfang dieses Jahres mal wieder abgebrochen. Da war Unify zudem im Gespräch, die Firmentelefonie von Alcatel-Lucent  zu übernehmen - diese ging letztlich an Chinesen.

Gores und Siemens hatten Akhavan mit der Aussicht gelockt, reich zu werden. Hätte er den Sanierungsfall gedreht und an die Börse gebracht, wären mindestens 20 Millionen Euro sein gewesen. Im vergangenen Herbst forderte Akhavan die Unify-Eigner auf, seine Optionen neu zu bewerten, vulgo ihm die 20 Millionen so zuzuschlagen.

Nach der Ablehnung trennte man sich. Er selbst begründete seinen Wechsel in den Unify-Aufsichtsrat gegenüber manager magazin online damit, seine Aufgabe sei "erfolgreich erfüllt".

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