Mittwoch, 13. November 2019

Bill McDermott geht zu Service Now Wo der Ex-SAP-Chef künftig sein Geld verdient

ServiceNow:Der Software-as-a-Service-Anbieter ist in den vergangenen Jahren zu einem Star der Branche aufgestiegen

Eine herzliche Begrüßung sieht anders aus: Kaum war der Wechsel von Ex-SAP-Chef Bill McDemott an die Spitze des US-Softwareunternehmens ServiceNow öffentlich geworden, ging die Aktie des Unternehmens in die Knie - und zwar richtig. Nachbörslich ging es zwischenzeitlich um 16 Prozent abwärts, bevor sich die Papiere wieder etwas fingen.

Für einen CEO von McDermotts Kaliber nicht gerade eine schmeichelhafte Entwicklung. Doch allzu persönlich nehmen sollte der scheidende SAP-Chef den Absturz nicht.

Denn daran, dass das ServiceNow einer der Stars der Branche ist, hat bislang keiner der wichtigen Analysten einen Zweifel. Allerdings hatte sich um das Unternehmen, das einst als Tech-Geheimtipp für Anleger galt, ein solcher Hype entwickelt, dass einige Analysten wie Keith Weiss von Morgan Stanley zuletzt vor überzogenen Erwartungen warnten.

Sie wiesen darauf hin, dass Service Now mit dem mehr als 16-fachen seines Jahresumsatzes deutlich höher bewertet ist als viele seiner Wettbewerber. Zudem hat der Neuzugang McDermotts offenbar Hoffnungen einiger Anleger zerschlagen, mit einem Verkauf von Service Now an einen Tech-Riesen groß Kasse machen zu können.

Mit ServiceNow hat McDermott sich gegenüber SAP deutlich verjüngt - und auch verkleinert. Mehr als 40 Jahre liegen zwischen den Gründungen des Walldorfer Software-Riesens und der des Software-as-a-Service-Anbieters aus dem kalifornischen Santa Clara im Jahr 2003. Dessen Marktkapitalisierung von rund 43 Milliarden Dollar beträgt immerhin etwa ein Viertel des Börsenwerts der etablierten SAP.

Doch gilt ServiceNow mit dem Slogan "arbeite besser" als einer der Stars der Szene - gefeiert selbst von einem Techfondsmanager wie Walter Price.

2003 vom ehemaligen Peregrine-Systems-CTO Fred Luddy unter dem Namen Glidesoft gegründet, begann das Unternehmen klein - als eine Art IT-Hilfsservice für Unternehmen. Bis Mitte 2005 war Luddy, der sich selbst als IT-Nerd bezeichnet, einziger Beschäftigter und entwickelte - quasi im Alleingang - Unternehmenssoftware für Kunden. 2005 mit dem ersten Wagniskapital auf dem Konto folgten die ersten fünf Angestellten. 2007, so Luddy, war die Gewinnzone erreicht. Aktuell hat das Unternehmen rund 9300 Beschäftigte und machte 2018 rund 2,6 Milliarden Dollar Umsatz.

Seit seinem bescheidenen Start hat ServiceNow seine Dienste massiv ausgebaut: Von der IT-Sicherheit über den Kundenservice bis hin zum Personalmanagement reicht das zu abonnierende Softwareangebot. Dort bietet ServiceNow mittlerweile beispielsweise auch Produkte für den Empfang und das Einarbeiten neuer Kollegen an.

ServiceNow sei eines der Unternehmen, auf deren Softwareinfrastruktur viele Firmenkunden "ihre IT für die nächsten 20 oder 30 Jahre aufbauen", fasste Techfondsmanager Price vor einigen Monaten im Interview mit dem manager magazin das Geschäftsmodell zusammen.

Rasantes Wachstum

Als Katalysator für das Unternehmen erwies sich die Finanzkrise. Damals hätten sich vor allem im Finanzsektor viele Firmen ihre Abläufe genau angeschaut, erläuterte Luddy 2011 in einem Interview. "Wir haben die Rezession nicht nur überlebt. Wir haben durch sie floriert."

2012 folgte der Börsengang. Und mit der Aktie ging es stetig nach oben. Von 2012, als die Aktie mit etwas mehr als 20 Dollar am Markt startete, stieg der Aktienwert bis Juli 2019 auf mehr als 300 Dollar.

Seitdem musste das Unternehmen nach zurückhaltenderen Analystenkommentaren und der Ankündigung des Abgangs des CFO allerdings wiederholt Rückschläge einstecken - obwohl es über extrem treue Kundschaft verfügt. Deren Zahl ist seit 2011 von weniger als 600 auf mittlerweile 5400 gestiegen - darunter laut ServiceNow 75 Prozent der großen Fortune-500-Unternehmen.

Unter McDermotts Vorgänger John Donahoe, der zuvor Ebay führte und nun zu Nike wechselt, kaufte ServiceNow in den vergangenen Monaten massiv in den Bereichen künstliche Intelligenz und Sprachanwendungen zu und übernahm mehrere Unternehmen.

Die Aufgabe McDermotts wird es nun sein, all diese Angebote in die Now-Plattform des Unternehmens zu integrieren. Und es bei der Skalierung weiter zu unterstützen. Erklärtes Ziel laut dem scheidenden CFO Mike Scarpelli: ServiceNow zu einer "10 billion dollar company" zu machen.

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