Donnerstag, 5. Dezember 2019

Der Karriere-Fragebogen von Ergo-Chefdigitalisierer Mark Klein Was der Ergo-Digitalchef aus seinem größten Fehler gelernt hat

Mark Klein, Vorstandsvorsitzender der ERGO Digital Ventures AG

Mark Klein arbeitet als Chief Digital Officer beim Versicherer Ergo. In unserem aktuellen Podcast erklärt er seiner Großmutter was er beruflich eigentlich macht, was er sich hat einfallen lassen, damit die Mitarbeiter die Digitalisierung mittragen und wie weit künstliche Intelligenz heute entwickelt ist.

Begleitend zum Podcast hat er unseren Karriere-Fragebogen ausgefüllt. Hier die Antworten:

Was machen Sie beruflich?

Ich bin Vorstandsvorsitzender der Ergo Digital Ventures und als Chief Digital Officer für die Digitalisierung der Ergo Versicherungsgruppe zuständig.

Wie kam es dazu?

Schon als mich meine Freunde im Kindesalter danach fragten, was ich beruflich einmal werden will, sagte ich damals schon mit sehr viel Überzeugung: "Ich werde Manager".

Daher war es fast schon vorgezeichnet, dass ich mir meine ersten Manager-Meriten bei McKinsey verdient habe. Ich war schon damals fasziniert von den digitalen Entwicklungen und dem tiefgreifenden Impact, den diese für die Arbeitswelt und für die gesamte Gesellschaft mitbringen. Aus diesem Grund entschloss ich mich auch, das Start-up Unternehmen manufacturing.com zu gründen. Hier musste ich lernen, dass nicht immer alles perfekt läuft. Die Idee war gut, die Zeit noch nicht reif, so dass ich meine Start-up Karriere beendete und zurück zu McKinsey ging. Der Technologie und Digitalisierung treu bleibend, fand ich mich dann für nahezu ein Jahrzehnt in der Welt der Telekommunikation wieder, wo ich meine Leidenschaft über verschiedene berufliche Stationen mit Herzblut bespielen durfte. Der Weg zur Ergo dann vor knapp drei Jahren hatte seine ganz eigenen Reize. Mit Ergo Digital Ventures, deren Vorstandsvorsitzender ich sein darf, habe ich die Freiheitsgrade, Digitalisierung im eigenen Verantwortungsbereich Ende zu Ende umzusetzen. Und das 1) am lebenden Objekt in der operativen Geschäftsverantwortung, 2) auf der grünen Wiese mit nexible und 3) in der Vernetzung mit bereits bestehenden digitalen Ökosystemen.

Warum sind Sie das immer noch?

Weil die Aufgabe nach wie vor unglaublich reizvoll ist. Versicherung ist eine Branche, in der Digitalisierung ein großes Potential hat. Das Produkt an sich, eine Übertragung von Risiko, ist schon sehr virtuell. Es macht Freude, hier die technologischen Möglichkeiten vollständig auszuschöpfen. Mir ist wichtig, Digitalisierung für unsere Kunden und unsere Mitarbeiter erlebbar zu machen. Wir digitalisieren nicht, weil es alle tun oder als reinen Selbstzweck - sondern gehen mit den neuen Bedürfnissen unserer Kunden. Wir hören unseren Kunden zu und setzen auf eine schnelle Kommunikation mit ihnen. Wir befassen uns eindringlich mit digitalen Gesundheitsservices, mit Künstlicher Intelligenz, mit automatischer Spracherkennung - wir transformieren uns, um unser Geschäftsmodell zukunftssicher zu machen.

Wenn Sie das nicht geworden wären oder nicht hätten werden können - wofür würden Sie dann am liebsten arbeiten?

Als dreifacher Familienvater könnte ich mir auch vorstellen, in der Bildung zu arbeiten. Lehrer oder Professor fände ich eine sehr reizvolle Aufgabe, um hier digitale Kompetenz an Kinder schon im frühen Alter zu vermitteln. Das würde mir auch sehr viel Spaß bereiten.

Wo überlassen Sie nichts dem Zufall?

Da ich - wie jeder andere Manager auch - zentrale Entscheidungen auf Basis von Annahmen treffen muss, die fast ausnahmslos in der Zukunft liegen, sind Überraschungen nie ganz auszuschließen. Für mich ist Digitalisierung eine Grundhaltung und damit auch eine Frage der Kultur. Und nicht alleinig eine Frage der Technologie. Hier setzte ich mich persönlich ein und überlasse es nicht dem Zufall. Kulturelle Transformation meint, agiles Arbeiten dort, wo es relevant ist, umfassend einzusetzen. Agilität hilft uns, unsere Umsetzungsgeschwindigkeit und Reaktionsfähigkeit massiv zu erhöhen. Agilität heißt aber vor allem auch ein anderes Gefühl von Partizipation, Eigenverantwortung, Wertschätzung für jeden, auch kreativen Beitrag.

Was hat Ihre Kindheit geprägt, was Ihre Jugend?

In der Kindheit vor allem mein Sport. Ich habe viel und gerne Tennis gespielt. Als Individualsport hat mir dies beigebracht, mich auf dem Platz durchzusetzen aber auch mit persönlichen Niederlagen umzugehen. Eine sehr gute Vorbereitung für meinen Job heute. In der Jugend hat mich vor allem der USA-Aufenthalt in der Schulzeit geprägt. Er hat mir gezeigt, dass wenn man aus seiner gewohnten Umgebung herausgeht, dies unheimlich bereichert und das Bekannte sehr stabil bleibt. Weiterentwicklung geht demnach nur durch Verlassen der Komfortzone.

Wann sind Sie am glücklichsten?

Glück ist ein sehr vielschichtiger Begriff. Im Privaten sind es vor allem die unvergleichlichen Momente mit den Kindern. Wenn gefragt wird "Wer geht mit Papa Tennisspielen?" und alle drei sofort dabei sind und mitspielen wollen, dann ist dies wunderschön. Im Job ist es wiederum einfach toll, wenn ich den Plan hatte, etwas umzusetzen und das Ergebnis dann wirklich da ist, anfassbar ist. Zum Bsp. Nexible: Von der Idee "wir launchen einen Pure digital Player" bis zum ersten echten Kunden in 9 Monaten - das war wirklich erfüllend.

Und wann am besten?

Ich bin am besten, wenn ich die Freiheit habe, meine Ideen umzusetzen und ein top Team hinter das Thema bringe.

Welche drei Dinge sind unerlässlich, damit Sie arbeiten können?

Vertrauen, Freiheit und Spaß bei der Arbeit.

Ihr größter Erfolg?

Hier bei der Ergo ein neues Unternehmen innerhalb kürzester Zeit aus dem Boden zu stampfen und am Markt mit über 50.000 Kunden zu etablieren. Mit allen Learnings und Hürden, welche die Versicherungswirtschaft mit sich bringt.

Wie haben Sie das geschafft?

Wenn man sich wie ich tagein, tagaus mit technologie-getriebenen Veränderungsprozessen beschäftigt, dann ist man sehr schnell an dem Punkt, wo klar wird, dass sich diese nicht einfach per Vorstands-Dekret aufzwingen lassen. Hier bedarf es Diskurs, Transparenz, einer Mut-Kultur und der selbstverständlichen Bereitschaft, alle im Unternehmen auf dem Weg in ein durchdigitalisiertes Zeitalter mitzunehmen.

Und Ihr größter Fehler?

Ich würde eher vom größten Learning sprechen. Meine Unternehmensgründung manufacturing.com war zum Zeitpunkt als ich die Unternehmung einstellte eine echte Enttäuschung. Damals war es noch nicht "schick", Fehler zu machen und ich fragte mich lange, was ich falsch gemacht habe. Mit ein wenig Abstand stellte sich dann aber heraus, dass ich viel aus der Situation für meine spätere Karriere mitnehmen konnte. Hierzu zählten vor allem die Liebe zum Vertrieb, der Respekt vor Unternehmertum und die Einsicht "never ride a dead horse", also: stoppe Dinge, wenn sie nichts bringen, egal wieviel Ressourcen und Emotionen vorher eingeflossen sind.

Was würden Sie gern besser können?

Klavier spielen. Meine Familie kann "Freude schöner Götterfunken" wirklich nicht mehr hören. Aber es ist eben das letzte Lied, was ich mit einer Lehrerin einstudiert habe…

Was war der beste Rat, den Sie je bekommen haben?

Gib Menschen Freiheiten und unterstütze sie dabei, ihren Weg zu finden und dann auch zu gehen. Dies sagte mir mein Vater, als er darüber sprach wie meine Eltern mich in der Jugend erzogen haben. Ich tue dies auch mit meinen Kindern.

Welchen Ihrer Charakterzüge mögen Sie an sich selbst am liebsten?

Bodenhaftung, Zielorientierung, Ehrlichkeit.

Ihr Lieblings-Charakterzug bei anderen Menschen?

"Can do-Mentalität", Ehrlichkeit.

Was war Ihr jüngster Lustkauf ?

Apple i-Watch - keiner braucht mehr als eine Uhr aber diese hat mich schon echt fasziniert.

Wovor haben Sie Angst?

Ich würde hier von Sorge sprechen. Beispielsweise treibt mich die mangelhafte Digitalkompetenz in Europa um. Wir verlieren immer mehr an Boden gegenüber den USA und China. Meine größte Sorge ist, dass meine Kinder zukünftig für einen ansprechenden Job ins Silicon Valley oder nach Peking müssen. Ich liebe Europa, fühle mich als Europäer und möchte uns deshalb stärken.

Was tun Sie dagegen?

Ich will Digitalisierung bei uns im Unternehmen zum Leben erwecken und neueste Technologien fördern und pragmatisch einsetzen. Aber auch außerhalb des Unternehmens fördere ich digitale Initiativen. Wir sind beispielsweise Digitalpartner der Stadt Düsseldorf und setzen aktuell etwa ein Digitalprojekt für das städtische Museum Kunstpalast um. Mit einem Webauftritt für Kinder im Alter zwischen 6 und 12 Jahren sollen mehr junge Besucher und Familien für das kulturelle Angebot gewonnen werden. Über dieses Angebot wollen wir parallel auch digitale Kompetenz bei jungen Menschen nach dem Credo "Ich kann Internet" aufbauen. Dies fördern wir auch mit unserer Ergo Stiftung. Sie hat aktuell einen Förderwettbewerb zur Stärkung der digitalen Medienkompetenz von Kindern und Jugendlichen ausgerufen.

Was ist Ihre nächste Herausforderung?

Weiter nach Disruptionsmöglichkeiten in der Versicherungsbranche zu suchen und das nächste Netflix oder Uber der Versicherung zu erfinden!

Womit kann man Ihnen eine Freude machen?

Mit einer schönen Partie Doppelkopf (Kartenspiel) mit Freunden.

Woran glauben Sie?

Ich glaube daran, dass wenn man etwas wirklich will, man es auch bekommen kann. Man darf nur nicht aufhören, an seinen Traum zu glauben.



Die Podcast-Folge mit Mark Klein hören Sie hier:


Oder auch auf Apple Podcasts, Spotify, Deezer und Google Podcasts. Einfach kostenlos abonnieren und keine Folge mehr verpassen!

© manager magazin 2019
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung