Mittwoch, 18. September 2019

Cisco-Zukunftsforscher Dave Evans "2030 wird es mehr Roboter als Menschen geben"

3. Teil: Das Auto hat die Fahrt von A nach B ja nicht ersetzt

mm: Halten Sie selbst Patente?

Evans: Ja, das US-Patentamt hat vier davon anerkannt. Thematisch reicht das von vernetzen Autos, über Netzwerktechniken, die Funktechnik RFID, bis hin zu virtuellen Personen und Multitouch-Anwendungen. Die einzelnen Patente variieren sehr.

mm: Wenn Sie frei haben, bauen Sie auch gerne mal einen Roboter.

Evans: Ja. Ich war sechs oder sieben, als ich die Leidenschaft für die Robotik entwickelt habe. Es hilft mir, beide Gehirnhälften zu trainieren. Es gibt die Software, also das Konzipieren, auf der einen und die Hardware, also das Basteln, auf der anderen Seite.

mm: Gibt es einen Roboter, auf den sie besonders stolz sind?

Evans: Ich habe verschiedene gebaut. Einer war allein dafür konstruiert, sein Gleichgewicht zu halten, ein anderer war als Telepräsenz-Roboter vorgesehen, der sich für Videokonferenzen eignet. Ich habe auch mal einen Sicherheitsrooboter gebaut, der ums Haus herumfährt und ferngesteuert werden kann.

mm: Wann werden Roboter Krankenschwestern, Ärzte oder Journalisten ersetzen?

Evans: Die Anzahl der Roboter im Verbrauchersegment verdoppelt sich derzeit ungefähr alle neun Monate, die Anzahl von Firmen- und Industrierobotern alle 12 bis 18 Monate. Das bedeutet: im Jahr 2030 wird es mehr Roboter auf der Welt geben als Menschen. Bis dahin werden Maschinen sicher einige Jobs ersetzen, was sie aber schon immer getan haben. Es wird küntig mehr darum gehen, unserer Fähigkeiten zu erweitern. Das Auto hat den Fußweg oder die Fahrt von A nach B ja auch nicht ersetzt. Es hat diese Fahrt für den Menschen nur schneller gemacht. Es geht also darum, dass Maschinen uns dabei helfen werden, mehr zu tun und Neues zu tun.

mm: Der Siegeszug der Robotik ist eine von zehn Vorhersagen, die Sie 2011 für das kommenden Jahrzehnt angekündigt haben. Würden Sie die anderen Punkte auf dieser Liste auch heute noch unterschreiben?

Evans: Ich denke, die Liste ist noch immer gültig. Als neue Entwicklung würde ich vielleicht tragbare Technologien als Trend hinzufügen. Jenseits von Smartwatches, Datenbrillen oder digitalen Armbändern wird es da sicher noch weitere Entwicklungen geben. Ich denke da an Technologien, die wirklich ganz eng mit dem Körper verknüpft sind. Das könnte ein elektronisches Tattoo sein, das man wie ein Pflaster ständig trägt - zum Beispiel zu medizinischen Zwecken.

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