Samstag, 21. September 2019

Cisco-Zukunftsforscher Dave Evans "2030 wird es mehr Roboter als Menschen geben"

2. Teil: Der menschliche Faktor ist entscheidend

mm: Seit Jahren sagen Sie Trends voraus. Wie oft haben Sie schon falsch gelegen?

Evans: Ich denke, ich darf von mir sagen, bislang bei keiner meiner Vorhersagen grundsätzlich falsch gelegen zu haben. Ich war allerdings manchmal ein bisschen übereifrig in meinen Annahmen darüber, wie schnell sich eine Technologie durchsetzt. Das liegt unter anderem daran, dass der menschliche Faktor eine so bedeutende Rolle spielt. Technologien werden von Experten analysiert, es finden gesellschaftliche oder religiöse Debatten statt, Politiker setzen Rahmenbedingungen. Die Stammzellenforschung zeigt dies beispielhaft.

mm: Es Bedarf ja meist auch findiger Unternehmer, um Ideen und Erfindungen in marktfähige Geschäftsmodelle und Produkte zu überführen. Der Tesla- und SpaceX-Gründer Elon Musk ist so ein Unternehmer. Jüngst hat er mit dem Hyperloop ein neues Verkehrsmittel präsentiert, das den Verkehr zwischen Großstädten revolutionieren könnte. Halten Sie die Röhre, in der Hochgeschwindigkeitskapseln zwischen Großstädten wie Los Angeles und San Francisco hin- und herflitzen, für realistisch?

Evans: Ich glaube schon, dass das Konzept Sinn macht. Wenn die Politik den Weg für solche Projekte frei macht und die Finanzierung hinter dem Geschäftsmodell erst einmal steht, dann sehe ich keinen Grund, warum es nicht umgesetzt werden sollte. Es werden ja derzeit ganz verschiedene Technologien entwickelt. Nehmen Sie beispielsweise den Scramjet...

mm: ...ein vom US-Militär getestetes Düsenflugzeug, das sechsfache Schallgeschwindigkeit erreicht...

Evans: ...und dass es uns in Zukunft ebenfalls erlauben könnte, viel schneller als bislang zu reisen.

mm: Fast alle großen Automobilkonzerne arbeiten inzwischen an Autos, die sich selbst steuern können. Google testet ebenfalls ein entsprechendes Fahrzeug. Und auch Cisco ist als Technologiepartner mit im Boot. Wer wird künftig unsere Autos bauen?

Evans: Damit Autos ohne Fahrer auskommen können, brauchen sie zahlreiche technische Hilfsmittel. Sie brauchen Sensoren, sie müssen stets mit ihrer Umwelt und dem Internet verbunden sein. Da bleibt Raum für sehr viele Spieler. Cisco hilft zum Beispiel dabei, Autos mit der Infrastruktur um sie herum zu verknüpfen. Autos werden sich künftig mit anderen Autos austauschen, mit Straßen, mit Laternen und mit Gebäuden. Daran arbeiten wir. Andere Unternehmen sind spezialisiert auf das Interieur, die Armaturen oder die Navigationsdienste. Es wird nicht ein Unternehmen geben, das alles dominiert. Es wird viele Unternehmen geben, die ihre Kernkompetenzen in den Automobilbau einbringen werden.

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