Facebook-Entwicklerkonferenz F8 Zuck und die Liebe

Facebook-Chef Mark Zuckerberg skizziert auf der F8-Entwicklerkonferenz, wie das weltgrößte soziale Netzwerk seine Dominanz im Web auf mobile Geräte übertragen will - und verklärt die Expansionsstrategie zur "Kultur der Liebe".
Zuckerberg auf der F8: Liebeserklärung wie eine Drohung

Zuckerberg auf der F8: Liebeserklärung wie eine Drohung

Foto: AP/dpa

San Francisco - Die ersten zehn Jahre von Facebook  standen im Zeichen der Programmierer. "Move fast and break things" lautete der Slogan. Beweg dich schnell und mach was kaputt, oder so ähnlich. "Die Kultur hat uns schnell wachsen lassen", sagte Mark Zuckerberg auf der Facebook-Entwicklerkonferenz F8. "Aber sie ist auf uns fokussiert, nicht wirklich auf unsere Nutzer, Entwickler und Kunden."

Was also soll Facebooks Unternehmenskultur in den nächsten zehn Jahren prägen? Geht es nach Zuckerberg, ist es - die Liebe.

Ziel sei, "eine Kultur der Liebe für die Leute aufzubauen, denen wir dienen", sagte der Facebook-Chef vor 1700 App-Entwicklern in San Francisco.

Kultur der Liebe? Das klingt verdächtig nach "Don't be evil", dem ach so selbstlosen Slogan des Google -Konzerns.

Möglich aber auch, dass Zuckerberg seine jugendliche Arroganz ablegt und mehr reflektiert, immerhin wird er in zwei Wochen 30. Im Silicon Valley gilt das nicht mehr als jung; er ist damit sogar älter als der durchschnittliche Facebook-Angestellte. Immerhin: Zuckerberg trug bei seinem nur knapp 30-minütigen Auftritt das vertraute graue T-Shirt und Jeans.

Liebe = mehr Kontrolle?

Ein bisschen Liebe sollen die Facebook-Nutzer denn auch bald spüren können. Das soziale Netzwerk will Nutzern beim Umgang mit Diensten und Anwendungen von Drittherstellern künftig etwas mehr Kontrolle über ihre eigenen Daten einräumen.

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Wer eine dieser eng mit Facebook verknüpften Anwendungen ausprobieren will, kann dies künftig anonym tun, ohne sich mit seinen Facebook-Zugangsdaten anmelden zu müssen. Die Identität des Nutzers wird dem App-Anbieter nicht übermittelt, Facebook ist hingegen weiterhin bekannt, welche Apps Nutzer "anonym" ausprobieren. Später ist eine Anmeldung mit persönlichen Daten möglich, was die Entwickler beruhigen dürfte, die nicht ganz auf die wertvollen Nutzerdaten verzichten müssen. Die Funktion wird vorläufig nur mit ein paar Entwicklern getestet.

Zuckerberg kündigte auch "Facebook Login" an. Wer sich mit seinem Facebook-Konto bei einer App wie Flipboard anmeldet, kann künftig einschränken, welche auf Facebook publizierten Daten an die App übermittelt werden. Beispiel: E-Mail-Adresse ja, Geburtsdatum lieber nicht. Die Funktion soll in den nächsten Monaten eingeführt werden.

Nutzer fordern seit Jahren mehr Kontrolle über ihre Daten, aber Facebook gab lange nicht klein bei. Das Unternehmen überspannt im Umgang mit den Nutzerdaten gerne den Bogen und gerät deswegen seit Jahren immer wieder in die Kritik. Seit den NSA- und anderen Überwachungsskandalen werden die Rufe nach mehr Sicherheit und Privatsphäre noch lauter, was selbst Facebook zu gewissen Zugeständnissen bewegt hat. Alles andere könnte schlecht fürs Geschäft sein. "Die Leute wollen besser kontrollieren können, wie sie ihre Informationen teilen, insbesondere mit Apps", sagte Zuckerberg in San Francisco.

Die enge Verknüpfung von Facebook und Apps von Drittherstellern hat zahlreiche Leute auch von der Nutzung gewisser Apps und Dienste abgehalten, da sie ihre Facebook-Daten, Freundeskreise oder Fotos nicht mit den App-Anbietern teilen und auf dem Weg im Internet verbreiten wollen.

Facebook - der neue Datenkrake

Der Musikdienst Spotify etwa konnte nach der Einführung von Facebook Connect im September 2011 nur mit den Facebook-Login-Daten genutzt werden, jedes gehörte Musikstück wurde zudem von Spotify auf der Facebook-Seite des Nutzers publiziert. Aber ohne Facebook-Konto kein Spotify (außer für Altkunden). Ein Jahr später führte der Musikdienst wieder die Möglichkeit ein, ohne Facebook-Login Musik zu hören.

Zuckerberg will Facebook zu einer Plattform mit möglichst vielen Anwendungen von Drittherstellern aufbauen, auf die Nutzer mit ihren Facebook-Zugangsdaten zugreifen. Je verbreiteter der Einsatz dieser Zugangsdaten, desto höher der Einfluss von Facebook im Internet und desto mehr Kundendaten, die Facebook beim Verkauf zielgerichteter Werbung ins Spiel bringen kann.

Vergangenes Jahr haben sich Nutzer laut Facebook rund zehn Milliarden Mal mit ihrer Facebook-Identität bei Webdiensten und Apps von Drittanbietern angemeldet. Viele Nutzer verwenden auch ihre Profile von Konkurrenten wie Google oder Twitter, das zuletzt miese Zahlen vorlegte, um sich bei Apps anderer Hersteller einzuloggen, aber Facebook beherrscht rund die Hälfte dieses Marktes.

Zuckerberg kündigte auch einen weiteren Vorstoß im Werbemarkt für mobile Geräte an. Der Umsatzanteil der Anzeigen auf der Facebook-Webseite sinkt angesichts der zunehmenden Nutzung von mobilen Geräten. Das soziale Netzwerk, das vor zwei Jahren an die Börse ging, erwirtschaftete im jüngsten Quartal 1,3 Milliarden Dollar oder knapp 60 Prozent des gesamten Umsatzes mit mobilen Anzeigen. Das Gros wird aber in der eigenen Facebook-App auf Handys und Tablets platziert. Nun will Facebook weitere Milliarden mit mobilen Anzeigen in den Apps von Drittanbietern erwirtschaften.

Facebook ist Google auf den Fersen

Das auf der F8 angekündigte Werbenetzwerk "Audience Network" ermöglicht App-Entwicklern, Facebooks gigantisches Datenreservoir anzuzapfen, das von 1,3 Milliarden Nutzern gespeist wird. Sie können so auf die Nutzer zugeschnittene Anzeigen in ihren eigenen Anwendungen platzieren.

Mit dem Netzwerk könnte Facebook Milliarden verdienen, selbst wenn die Leute nicht in der Facebook-App unterwegs sind. "Audience Network" wird seit Januar getestet. Konzerne wie Coca-Cola haben damit laut Facebook Werbung für Nutzer von Anwendungen wie der "Huffington Post" geschaltet.

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Google dominiert den Markt für mobile Werbung mit einem Anteil von fast 50 Prozent, Tendenz sinkend. Twitter und eine Reihe kleinerer Anbieter von mobilen Werbenetzwerken wie Millennial Media versuchen sich zu positionieren, Facebook gehört aber zu Googles mächtigsten Konkurrenten. "Das ist das erste Mal, dass wir euch so richtig helfen werden, mit mobilen Anwendungen Umsatz zu machen", sagte Zuckerberg auf der F8.

Um zu zeigen, wie ernst es ihm ist mit der neuen Liebe für die Entwickler, machte er ein richtiges Commitment: Die F8 findet nun jährlich statt, nicht mehr nur alle paar Jahre wie bisher. Ab 2015 versammeln sich die Entwicklern nicht mehr wie bisher im oft sehr warmen Concourse Design Center im Startup-Szeneviertel Soma, sondern in der ehemaligen Kaserne Fort Mason, direkt an der Bucht von San Francisco. "Die ist etwas größer - und kühler", versprach Zuckerberg.

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