Donnerstag, 22. August 2019

Sicherheit und Kontrolle E-Scooter-Verleiher würden Tempo automatisch drosseln

Elektro-Tretroller: ohne Nummernschild und eigentlich für den Straßenverkehr nicht zugelassen
Federico Gambarini/dpa
Elektro-Tretroller: ohne Nummernschild und eigentlich für den Straßenverkehr nicht zugelassen

Kommt bald die automatische Tempo-Drosselung für E-Scooter? Die Kommunen fordern sie, die Anbieter wären dazu bereit. Die Software dazu ist längst an Bord. Das Bundesverkehrsministerium lässt jetzt erst prüfen.

Seit Juli kurven die knallfarbigen Elektro-Tretroller durch Deutschlands Innenstädte. Dass die Fahrer(innen) leichtsinnigerweise ohne Helm unterwegs sind, an diesen Anblick hat man sich gewöhnt. Auch daran, dass oft zwei Personen auf einem Brett stehen und diese Gefährte - ebenso verboten - Gehsteige oder Fußgängerzonen nutzen.

Geht eine Gefahr von den Rollern aus - was der Fall ist, wie Meldungen über teils auch schwerste Unfälle zeigen -, dann liegt dies nicht selten an den Fahrer(innen), die Regeln missachten oder schlicht ihre Fähigkeiten überschätzen. Die Leihroller selbst gelten durch die Allgemeine Betriebserlaubnis (ABE) als verkehrssicher. Dafür steht das Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) gerade, das die ABE erteilt. Sie ist die Voraussetzung dafür, dass ein E-Scooter überhaupt auf die Straße darf.

Ohne funktionierende Software geht bei elektrischen Leihrollern gar nichts, sie ist elementarer Bestandteil so eines Gefährts. Umso mehr überrascht, dass das KBA jetzt Softwarefunktionen zum Betrieb überprüft, die längst angelegt und teils auch aktiv sind.

"Da wurde nichts durch die Hintertür eingeschleust"

Die Funktionen seien bisher nicht Gegenstand der Anträge auf eine Betriebserlaubnis beim Kraftfahrt-Bundesamt gewesen, schreibt dazu das Ministerium knapp auf eine Anfrage. Konkrete Fragen beantwortet die Behörde nicht. Man sei an dem Thema dran, befände sich in enger Abstimmung mit den Fachabteilungen.

Die Funktionen seien schon lange vorhanden, "da wurde nichts durch die Hintertür eingeschleust", versichert der Sprecher eines in Deutschland tätigen Anbieters im Gespräch mit manager-magazin.de. Man habe dem KBA alle geforderten Informationen vorgelegt. "Eine seperate Prüfung der Software war zu diesem Zeitpunkt nicht gefordert."

Mit anderen Worten: Über Licht, Lenkstange, Glockenton, Gewicht oder Abmessungen eines Elektro-Tretrollers hat man sich Gedanken gemacht - über für den Betrieb grundlegende Software aber ganz offensichtlich nicht.


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Und die Elektro-Tretroller-Software kann so einiges. So verhindert sie zum Beispiel, dass jemand seine Fahrt in via GPS definierten Zonen oder außerhalb des Geschäftsbereichs beendet und den Roller einfach wild abstellt. Geofencing nennt sich das, funktioniert bereits sehr präzise. Und diszipliniert: Wer sein Gefährt trotzdem verlässt, zahlt für jede Minute weiter. Das kann teuer werden.

Abstellen verboten: Elektroroller-Verleiher zeigen ihren Kunden anhand von unterlegten Flächen klar, wo sie eine Fahrt nicht beenden können. Mit Hilfe von "Geofencing" lässt sich auch die Geschwindigkeit der Roller in definierten Gebieten automatisch drosseln, versichern Anbieter. Die Software dafür ist bei manchen Anbietern längst vorhanden - offenbar aber noch nicht geprüft und nicht Teil der Allgemeinen Betriebserlaubnis.

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