Freitag, 6. Dezember 2019

Bezahldienste Otto bläst zum Angriff auf Paypal

Smartphone statt Geldbörse: Wie Paypal & Co. das Bezahlen revolutionieren
Corbis

Mit seiner Tochter Yapital will der Versandhändler Otto in das Bezahlgeschäft einsteigen und Etablierten wie Paypal Kunden streitig machen. Immer mehr Anbieter drängen auf den Markt für mobiles Bezahlen - und jetzt kommt auch noch starke Konkurrenz ins Spiel.

Hamburg - An der Kasse des Hamburger Schuhhauses Görtz herrscht freundliche Hilflosigkeit. Ein neues Bezahlsystem? Per Smartphone? Yapital? Die Verkäuferin blickt überrascht drein. Dann dämmert es ihr. Doch, da war was. Da wurde was installiert. "Wir können es ja mal versuchen", meint sie. "Bislang hat sich noch keiner dafür interessiert."

Davon, dass der Versandhändler Otto mit Yapital die Art, wie die Deutschen bezahlen, revolutionieren will, ist bislang noch wenig zu spüren. "Wir wollen keine Risiken eingehen, gehen Schritt für Schritt vor", begründet Yapital-Chef Nils Winkler die Vorsicht. "Wir schauen einfach mal: Wie wird das angenommen: Gibt es Dinge, die wir vielleicht noch verbessern können?"

Die Vorsicht ist nachvollziehbar. Denn das Ziel ist ehrgeizig. "Wir sind nicht irgendein Handy-Zahldienst", sagt Winkler. Der schlacksige Manager hat einen ganzheitlichen Ansatz. Vom Bezahlen im Internet und im Laden um die Ecke über Geldtransfers bis zum Einkaufen über QR-Codes an Schaufenstern und Plakatwänden will Yapital alles aus einer Hand bieten. "Wir sind der einzige Anbieter, der dies alles aus einer Hand und mit einer einfachen Bedienoberfläche bietet", sagt er stolz.

Dass man mit Yapital bereits in einer ganzen Reihe von Onlineshops von Otto, darunter Sportscheck, der Novum-Hotelgruppe, dem Schuhändler Görtz und demnächst auch bei Rewe bezahlen kann, ist in der Öffentlichkeit bislang allerdings weitgehend untergegangen.

Rangeln um die besten Plätze

Das liegt nicht nur daran, dass die Otto-Tochter bislang auf offensive Werbung verzichtet. Der Markt für mobile Bezahlsysteme gleicht aktuell einer ziemlich chaotischen Spielwiese. Jeder - von Banken über Telekommunikationskonzerne, Internetkonzerne, Kreditkartenanbieter bis hin zum Einzelhändler - versucht dabei zu sein und schmiedet Allianzen für den Fall, das das mobile Bezahlen endlich abhebt.

Mitten im Getümmel: Startups wie Sum-up, Square, Payleven, Izettle, die ebenfalls versuchen, ein Stück vom Kuchen abzubekommen - und womöglich einen lukrativen Exit hinzulegen.

Alleine in Europa gibt es Schätzungen zufolge beispielsweise rund 150 verschiedene Systeme, die es ermöglichen, über QR-Code Preise auszuschecken. "Im Moment herrscht große Verunsicherung", räumt auch Winkler ein. "Doch die Konsolidierung hat schon eingesetzt."

Der Durchbruch lässt aber weiter auf sich warten. "Der Nutzen ist einfach noch viel zu wenig ausgeprägt, " sagt M-Payment-Experte Philipp Harrschar vom Berater Zuelke. "Aber das kann sich sehr schnell ändern", räumt er ein.

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