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Smartphone statt Geldbörse: Wie Paypal & Co. das Bezahlen revolutionieren

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Bezahldienste Otto bläst zum Angriff auf Paypal

Mit seiner Tochter Yapital will der Versandhändler Otto in das Bezahlgeschäft einsteigen und Etablierten wie Paypal Kunden streitig machen. Immer mehr Anbieter drängen auf den Markt für mobiles Bezahlen - und jetzt kommt auch noch starke Konkurrenz ins Spiel.

Hamburg - An der Kasse des Hamburger Schuhhauses Görtz herrscht freundliche Hilflosigkeit. Ein neues Bezahlsystem? Per Smartphone? Yapital? Die Verkäuferin blickt überrascht drein. Dann dämmert es ihr. Doch, da war was. Da wurde was installiert. "Wir können es ja mal versuchen", meint sie. "Bislang hat sich noch keiner dafür interessiert."

Davon, dass der Versandhändler Otto mit Yapital die Art, wie die Deutschen bezahlen, revolutionieren will, ist bislang noch wenig zu spüren. "Wir wollen keine Risiken eingehen, gehen Schritt für Schritt vor", begründet Yapital-Chef Nils Winkler die Vorsicht. "Wir schauen einfach mal: Wie wird das angenommen: Gibt es Dinge, die wir vielleicht noch verbessern können?"

Die Vorsicht ist nachvollziehbar. Denn das Ziel ist ehrgeizig. "Wir sind nicht irgendein Handy-Zahldienst", sagt Winkler. Der schlacksige Manager hat einen ganzheitlichen Ansatz. Vom Bezahlen im Internet und im Laden um die Ecke über Geldtransfers bis zum Einkaufen über QR-Codes an Schaufenstern und Plakatwänden will Yapital alles aus einer Hand bieten. "Wir sind der einzige Anbieter, der dies alles aus einer Hand und mit einer einfachen Bedienoberfläche bietet", sagt er stolz.

Dass man mit Yapital bereits in einer ganzen Reihe von Onlineshops von Otto, darunter Sportscheck, der Novum-Hotelgruppe, dem Schuhändler Görtz und demnächst auch bei Rewe bezahlen kann, ist in der Öffentlichkeit bislang allerdings weitgehend untergegangen.

Rangeln um die besten Plätze

Das liegt nicht nur daran, dass die Otto-Tochter bislang auf offensive Werbung verzichtet. Der Markt für mobile Bezahlsysteme gleicht aktuell einer ziemlich chaotischen Spielwiese. Jeder - von Banken über Telekommunikationskonzerne, Internetkonzerne, Kreditkartenanbieter bis hin zum Einzelhändler - versucht dabei zu sein und schmiedet Allianzen für den Fall, das das mobile Bezahlen endlich abhebt.

Mitten im Getümmel: Startups wie Sum-up, Square, Payleven, Izettle, die ebenfalls versuchen, ein Stück vom Kuchen abzubekommen - und womöglich einen lukrativen Exit hinzulegen.

Alleine in Europa gibt es Schätzungen zufolge beispielsweise rund 150 verschiedene Systeme, die es ermöglichen, über QR-Code Preise auszuschecken. "Im Moment herrscht große Verunsicherung", räumt auch Winkler ein. "Doch die Konsolidierung hat schon eingesetzt."

Der Durchbruch lässt aber weiter auf sich warten. "Der Nutzen ist einfach noch viel zu wenig ausgeprägt, " sagt M-Payment-Experte Philipp Harrschar vom Berater Zuelke. "Aber das kann sich sehr schnell ändern", räumt er ein.

Gesucht: Ein System, das alles abdeckt

Daran, dass sich letztlich Nischenprodukte durchsetzen und die Menschen 20 verschiedene Bezahl-Apps auf ihrem Smartphone installieren werden, glauben weder Harrschar noch Winkler - von lokalen Ausnahmen abgesehen. "Nur ein System, das alles abdeckt, wird von den Kunden akzeptiert werden", ist Harrschar überzeugt.

Und er geht noch weiter. Als wirklich große Player kämen nur "Unternehmen in Frage, die im Internet eine sehr große Kundenbasis haben und auch etwas verkaufen". Denn nur die - so seine Argumentation - seien ebenso an niedrigen Transaktionskosten interessiert wie an leichter Bedienbarkeit.

Ein Unternehmen, das diese Voraussetzungen erfüllt, ist Paypal. Dessen Mutter Ebay , die den Bazahldienstleister 2002 kaufte, ist neben Amazon  einer der wichtigsten Marktplätze im Internet.

Aber es gibt noch eine Reihe anderer Kandidaten. "Wenn Apple  sich eine Marktlizenz holt, können die den Markt ganz schnell aufrollen", sagt Harrschar. Bislang ist Apple mit seinem Passbook nur beschränkt aktiv, hat auf den Einbau von NFC-Technologie verzichtet. Doch Patentanmeldungen wie die einer "cloud-basierten digitalen Geldbörse" lassen die Gerüchteküche brodeln.

Überraschung von Facebook

"Auch Google wird - wenn sie das wollen - eine sehr, sehr große Rolle spielen können", sagt Harrschar. Bislang treibt der Konzern sein 'google wallet' aber nur bedächtig voran.

Auch Amazon  und Samsung  sieht Harrschar in guten Startpositionen. "Amazon ist strategische exzellent aufgestellt. Samsung dabei eine erschreckend große Marktmacht aufzubauen. Wenn die einen Nutzen darin sehen, haben die gute Chancen."

Unterdessen hat ein anderer Internetriese gerade einen großen Schritt in Richtung Bezahlservice gemacht. So bietet Facebook  seinen Nutzern künftig, bei dem Netzwerk hinterlegte Kreditkarteninformationen über einen einzigen Tipp per "Autofill" an Handelspartner zu übertragen. Mit von der Partie bei Facebook sind die Bezahldienstleister Paypal, Stripe und Braintree.

Wie genau die Kooperation zwischen Facebook und den Bezahldienstleistern aussehen soll, dazu gibt es bislang keine Details. Doch Paypal scheint das Ganze sehr ernst zu nehmen. Wenige Tage nach Bekanntgabe erster Tests von Autofill, gab Paypal die Übernahme von Braintree bekannt.  Und an einer Stripe-Übernahmen soll sich die Ebay-Tochter ebenfalls versucht  haben.

Warten auf den Startschuss

Für Nils Winkler ist das alles Zukunftsmusik. Er konzentriert sich erst einmal darauf, das Geschäft hierzulande in Gang zu bekommen. Die Voraussetzungen dafür könnten schlechter sein: So steht Yapital zum Marktstart mit Otto-Marken wie Sportscheck, Manufactum, Heine, Baur, Bonprix, Schwab, Witt und Otto selbst nicht nur gleich ein ganzes Händlernetzt on- sowie offline zur Verfügung. Auch auf der Inkasso- und Finanzdienstleistungesebene verfügt die Nummer drei bei den Onlineshops in Deutschland mit EOS und Ratepay über jede Menge Know-How.

Dass er zu spät kommt, glaubt Winkler nicht. "Wir hätten etwas früher kommen können", räumt er ein. Aber: "Das Bewusstsein und die Bereitschaft, sich mit dieser neuen Bezahlart zu beschäftigen, muss bei den Menschen auch erst einmal ankommen. Und dieser Prozess findet gerade statt."

Wenn es soweit ist, will Yapital bereit sein - und als Europa-Spezialist punkten. Denn die Unterschiede zwischen europäischem und US-amerikanischem Markt sind erheblich, weiss auch Jacob de Geer, Gründer und CEO des Bezahldienstleisters iZettle. So erheblich, "dass viele US-Unternehmen merken werden, dass es hier deutlich schwieriger ist als sie eigentlich dachten", ist er überzeugt.

Entsprechend macht sich Yapital erst einmal auf, den europäischen Markt zu besetzen. Nach dem Start in Deutschland, Österreich, der Schweiz und den Benelux-Ländern soll der Service relativ zügig auf der ganze Euro-Zahlungsverkehrsraum (SEPA) ausgedehnt werden.

Hier setzt Winkler auf einen Heimvorteil, will neben einer einheitlichen Preisgestaltung, einheitlichen Ansprechpartnern auch mit hohem Datenschutz und -Sicherheitsanforderungen punkten. "Das wir europäisch sind, ist hier ein klarer Vorteil", glaubt er.

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