Internationaler E-Commerce USA und Briten hängen Deutschland ab

Gerade hat Deutschland den Titel Exportweltmeister erfolgreich verteidigt. Doch wenn es um den internationalen E-Commerce geht, sind die USA und Großbritannien bereits enteilt - und die Deutschen müssen aufpassen, nicht vollends den Anschluss zu verlieren.
Zalando-Logistikzentrum in Erfurt: Wichtigster Auslandsmarkt für die deutschen Online-Händler ist Frankreich

Zalando-Logistikzentrum in Erfurt: Wichtigster Auslandsmarkt für die deutschen Online-Händler ist Frankreich

Foto: Z1020 Martin Schutt/ picture alliance / dpa

Hamburg - Von Büchern über Elektronik bis zu Kleidung - der Online-Handel wächst rasant, E-Commerce gewinnt immer mehr Marktanteile. Entsprechend heben die Umsätze von Händlern wie Amazon  ab. Allein im vergangen Jahr verkaufte der US-Konzern mehr als eine Milliarde Artikel .

Einen immer größeren Anteil macht dabei das grenzüberschreitende Geschäft aus. Einer Studie der Unternehmensberatung OC&C zufolge dürfte 2020 fast ein Fünftel der Pakete im weltweiten Onlinehandel über nationale Grenzen gehen. Der Anteil des grenzüberschreitenden Handels wird damit von aktuell rund 8 Prozent auf dann 18 Prozent wachsen, was einem Volumen von 98 Milliarden Euro entspricht.

Für die deutschen Händler ist das eine enorme Herausforderung. Selbst wenn Unternehmen wie Zalando, Otto mit seiner Tochter bonprix oder Spezialversender wie Zooplus international erfolgreich sind: Im Vergleich zur weltweiten Konkurrenz ist Deutschland weit abgeschlagen, wie die in Zusammenarbeit mit Google erstellte Studie zeigt. Statistiken und Suchanfragen von 1500 Händlern aus sechs Ländern wurden analysiert.

Während auf US-amerikanische Unternehmen mit 8,4 Milliarden Euro fast 45 Prozent des analysierten weltweiten Handels entfallen, gefolgt von Großbritannien mit 5,2 Milliarden oder rund 27 Prozent, sieht Deutschland international eher schwach aus. Nur rund 1,7 Milliarden Euro stammen hier aus dem internationalen Onlinehandel - knapp 9 Prozent des untersuchten Gesamtmarktes.

Bescheidene E-Commerce-Handelbilanz

Entsprechend bescheiden fällt die deutsche E-Commerce-Handelsbilanz aus: Die Ausfuhren übertreffen die Einfuhren hierzulande lediglich um 13 Millionen Euro. Deutlich weniger als die USA (132 Millionen Euro) und Großbritannien, die mit 869 Millionen Euro den Spitzenplatz in der Untersuchung belegen.

Wichtigster Auslandsmarkt für die deutschen Händler ist Frankreich, wohin alleine Waren im Wert von 423 Millionen Euro gehen. Platz zwei belegen die Niederlande vor Skandinavien und Großbritannien.

Den Grund für die Exportschwäche deutscher Onlinehändler sieht OC&C-Experte Gregor Endele darin, dass sich viele deutsche Händler lange Zeit erst einmal umfassend um den Aufbau des deutschen Geschäftes kümmerten, bevor sie eine Internationalisierung in Angriff nahmen. "Die Briten und amerikanische Anbieter waren da schneller, haben das Thema Internationalisierung früher erkannt und waren da radikaler", zieht er Bilanz.

Dass Deutschland beim anstehenden Internationalisierungsboom wegen struktureller Nachteile nicht mithalten können wird, glaubt Enderle indes nicht. Besonders Spezialanbieter hätten die sich bietenden Möglichkeiten bereits erkannt und setzten schon jetzt erfolgreich auf das Auslandsgeschäft.

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