Donnerstag, 18. Juli 2019

Drohende Regulierung Wie Facebook jetzt das Schlimmste verhindern will

Facebook-Lenker Mark Zuckerberg hat für sein Unternehmen schon bessere Zeiten gesehen.

Die Worte schreibt Mark Zuckerberg (34) ausnahmsweise nicht an seine Facebook-Follower. Sonst ist das Netzwerk Zuckerbergs Sprachrohr erster Wahl, doch am Donnerstag will er eine andere Zielgruppe erreichen: die Leser der US-amerikanischen Zeitung "Wall Street Journal". Denn Zuckerberg versucht, sein Geschäftsmodell zu verteidigen: freier Zugang zum Netzwerk gegen Nutzerdaten für Werbung.

Nach Facebooks skandalträchtigem Jahr 2018 sind die Forderungen nach Regulierung immer stärker geworden. Zuckerberg will das Schlimmste für seinen 40-Milliarden-Konzern verhindern: Durch Zugangsbeschränkungen könnte der Umsatz stark sinken.

Neues schreibt Zuckerberg in seiner Kolumne allerdings nicht. Der CEO gibt sich als Befähiger und Visionär: Milliarden Menschen fänden Facebook nützlich; man habe Services geschaffen, die beliebt seien und täglich gebraucht würden. "Ich glaube daran, dass jeder eine Stimme haben sollte", heißt es weiter. Der freie Zugang zum Netzwerk sei deshalb entscheidend.

Zuckerberg bleibt vage, wie viele Daten Facebook von seinen Nutzern speichert. Die Skandale um russische Manipulation der US-Wahl, Datenmissbrauch durch Cambridge Analytica und weitreichenden Zugriff auf Nutzerdaten durch ausgewählte Partnerfirmen via Facebook blendet er aus. Er schreibt lediglich, "dass die wichtigsten Prinzipien rund um die Daten Transparenz, Auswahl und Kontrolle sind". Nutzer müssten in der Lage sein, klar zu entscheiden, wie ihre Informationen verwendet würden. "Wir glauben, dass eine Regelung, die diese Prinzipien im Internet festschreibt, gut für alle wäre."

Zuckerberg will der Politik Entgegenkommen signalisieren und gleichzeitig verhindern, dass ihm sein Geschäft kaputtreguliert wird. Mit derselben Mission ist Facebook-Topmanagerin Sheryl Sandberg (49) derzeit in Davos unterwegs. Sie sagte am Rande des Weltwirtschaftsforums auf einer Veranstaltung der "Zeit", dass derzeit die Regeln des Internets neu geschrieben würden. Aber: "Unser Geschäftsmodell grundsätzlich zu verbieten, würde vielen Menschen auf der ganzen Welt schaden." Müsste Facebook eine Abogebühr von den Nutzern verlangen, anstatt Geld mit Werbung zu verdienen, könnten deutlich weniger Menschen Facebook nutzen, glaubt Sandberg.

In einem Anflug seltener Selbstkritik an Facebook sagte sie: "Wir haben nicht all die Risiken durch die Vernetzung so vieler Menschen antizipiert." Doch das Unternehmen habe Optionen integriert, die den Nutzern mehr Kontrolle über ihre persönlichen Informationen geben würden. Wir machen etwas, lautet die Message.


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Die Managerin ist spätestens umstritten, seit die "New York Times" berichtete, dass Sandberg eine Schmutzkampagne gegen Facebook-Kritiker und Milliardär George Soros angestoßen haben soll. Sie selbst bestreitet, davon gewusst zu haben. In Davos ließ sie keinen Zweifel, weiter an ihrer Position als COO festhalten zu wollen. "Ich denke, ich habe einen Job zu erledigen."

Auch an Zuckerberg als CEO hielt Sandberg fest, wie die Nachrichtenagentur "Reuters" berichtete, und sprach sich gegen seinen Rücktritt aus, den einige Facebook-Aktionäre in den Raum gestellt hatten. Zuckerberg hält weiter die völlige Kontrolle über den Konzern, den er vor 15 Jahren als kleines Start-up gründete. Gefährlich werden könnte Zuckerberg nun vor allem die Politik - und es ist offen, ob die sich nach Facebooks Skandaljahr noch so leicht einlullen lässt.

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