Freitag, 6. Dezember 2019

Das Dilemma der digitalen Transformation Es geht um die Freiheit, stupid!

Virtuelle Realität: Bringt uns die Digitalisierung einen Zugewinn an Freiheit?
imago/Westend61
Virtuelle Realität: Bringt uns die Digitalisierung einen Zugewinn an Freiheit?

3. Teil: Es geht nicht um das Was und Wie, sondern um das Warum

Rückenwind dafür liefert der Diskurs um den Purpose von Organisationen. Unter der Überschrift "Purpose driven Organization" wird gefordert, dass Unternehmen nicht ihren Profit maximieren sollten, sondern den Nutzen für Menschen und Gesellschaft. Dabei dürfen und sollten sie für den eigenen Fortbestand natürlich auch Geld verdienen. Diese Unternehmen haben eine klare Mission, die eine sinnvolle Leistung für die Menschen und die Welt beschreibt. Bereits 2010 hat Simon Sinek mit dem "Golden Circle" und dem "Start with Why" in einem einfachen Modell dargestellt, was Menschen zu Handlungen bewegt und Unternehmen erfolgreich macht. Es geht nicht in erster Linie um das Was und Wie der Unternehmenspraxis, entscheidend für den Erfolg, für die Motivation und das Engagement von Mitarbeitern ist die Auseinandersetzung mit dem Warum.

Die Antwort auf die Frage "Warum machen wir das?" soll Sinn verleihen und zu Handlungen inspirieren. Und auch Kompass sein für die Fragen, was die Organisation anbietet und was nicht und wie weit sie bei der Digitalisierung (mit)geht. Nach diesem Verständnis begrenzt der Purpose einer Organisation ihre Freiheit, alles, was digitalisierbar ist, auch zu digitalisieren.

Vielleicht klingt es ein wenig naiv, aber hätte unser großer Moralphilosoph Immanuel Kant in unserer Zeit gelebt, hätte er möglicherweise seinen Imperativ etwas anders formuliert:

Digitalisiere nur das, was Du auch digitalisiert haben möchtest.

Digitalisiere so, wie Du auch digitalisiert werden möchtest.

Digitalisiere, um dem Menschen zu dienen.

Oder kurz: Lasst uns im Zuge der Digitalisierung alle Menschen bleiben. Lasst uns verantwortlich mit den Wirkungen unseres Handelns umgehen. Und lasst uns dabei fröhlich bleiben.

Matthias Meifert ist Unternehmensberater und Mitglied der MeinungsMachervon manager-magazin.de. Trotzdem gibt seine Meinung nicht unbedingt die Meinung der Redaktion wider.

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