Dienstag, 26. Mai 2020

Wie digital muss ein CEO sein? Ohne Kulturwandel droht das digitale Abseits

Ryan Etter / Getty Images

2. Teil: Wir müssen noch viel lernen

Um ein Umdenken zu erreichen, muss der CEO klare Signale setzen und die Digitalisierung als Prozess der gemeinsamen Veränderung postulieren - ganz nach dem Motto: "Wir geben gemeinsam zu, dass wir noch vieles lernen müssen. Aber: Wir kennen uns in unserem Kerngeschäft am besten aus und lernen das Digitale neu dazu. Mit dem Neuerlernten und den bisherigen Kenntnissen gestalten wir den Wandel."

Indem er Trends aufzeigt und Initiativen unterstützt, demonstriert der CEO kontinuierlich seine Begeisterung und Offenheit für Veränderung. Auch, wenn dies bedeutet, sich vermeintlich "zum Affen zu machen". Im ersten Moment führen manche Dinge sicher zur Belustigung der Mitarbeiter; wenn zum Beispiel der Chef nach Berlin reist, um als Hospitant in die dortige Startup-Szene einzutauchen. Dahinter steckt jedoch nicht weniger, als dass er sich als Manager in die Lage derer versetzt, die ihn angreifen. Sein Ziel dahinter: zu verstehen und zu lernen, wie sie es machen. Nicht nur öffnet er seine Augen dafür, mit wie wenigen Mitteln, Regularien und Schranken im Kopf Startups arbeiten. Er hat auch auf seinen Status verzichtet und sich etwas von Menschen sagen lassen, die in einer klassischen Konzernhierarchie nicht auf Augenhöhe mit ihm stehen würden. Diese Erkenntnis muss er auch in seinem Unternehmen durchsetzen. Denn viele Unternehmen sind durch Hierarchien viel zu stark eingeengt und auf den Erhalt des Status quo bedacht.

Tausche Allmachtsphantasien gegen das Du

Wenn der CEO die Position des Lernenden einnimmt und sich sichtbar von den Statussymbolen seiner Position trennt, zeigt er allen Mitarbeitern, dass der digitale Wandel auch einen Wandel in der Unternehmenshierarchie bedeutet. Denn normalerweise verkörpert gerade der CEO all jene Insignien von Macht und Status im Unternehmen, denen die jungen, ambitionierten Manager nacheifern: das größte Eckbüro, bei Veranstaltungen am Haupttisch sitzen und vom chauffierten Wagen in den Vorstandsfahrstuhl steigen, um schnell und von allen separiert, direkt nach oben zu fahren. Es muss dem CEO im Wandel bewusst sein, dass diese Symbole für ein bestimmtes Mindset stehen - nämlich den Erfolg in einem hierarchischen Unternehmen alter Machart. Sie haben eine Vorbildfunktion - jedoch in eine falsche Richtung. Das Mindset der Digitalisierung ist anders: Durch das Lösen von Statussymbolen und das Brechen mit Traditionen und das Öffnen von Kommunikation über alle Ebenen wird der Wandel möglich und eine Veränderung herbeigeführt. Die Symbole der Macht müssen neu definiert werden und im Einklang mit Offenheit, Agilität, Lernen und Veränderung stehen. Denn von oben digital predigen und weiter mit dem Vorstandsfahrstuhl fahren, ist dem Wandel nicht dienlich. Deshalb: Kulturwandel!

Kulturwandel: Was die Digitalisierung für die Führungskultur bedeutet

Dwight Cribb ist Mitglied der MeinungsMachervon manager-magazin.de. Trotzdem gibt diese Kolumne nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion des manager magazins wieder.

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