Fusion der Mobilfunker Warum John Legeres Plan diesmal aufgehen könnte

Sprint-CEO Marcelo Claure (l.) und T-Mobile CEO John Legere werben in einem Video für die Fusion

Sprint-CEO Marcelo Claure (l.) und T-Mobile CEO John Legere werben in einem Video für die Fusion

Foto: t-mobile/youtube

Gerade hatten T-Mobile und Sprint  die Pläne für ihren neuerlichen Fusionsanlauf bekannt gegeben, da lief schon die Werbekampagne an, mit der die beiden in der Politik für grünes Licht für den Deal werben. Denn ein Selbstläufer ist die Fusion nicht, die den ehemaligen Staatskonzern Deutsche Telekom jetzt zueinem Unternehmen mit US-Schwerpunkt machen dürfte.

Schon zwei Mal klappte das Zusammengehen der beiden US-Mobilfunker nicht: Im Jahr 2014, noch unter der Regierung von US-Präsident Barack Obama, scheiterte ein Zusammengehen an wettbewerbsrechtlichen Bedenken. Vergangenes Jahr ließen Meinungsverschiedenheiten über die Kontrolle mit Softbank-Gründer Masayoshi Son die Fusion noch einmal platzen.

Doch seither hat sich einiges getan, das eine Fusion der beiden Telekom-Riesen in den USA begünstigt. Hier die wichtigsten Fragen und Antworten zum Deal und den Hintergründen:

Was kostet die Deutsche Telekom die Übernahme?

Die Transaktion wird über einen 26 Milliarden Dollar schweren Aktientausch abgewickelt. Eine Zuzahlung, die angesichts der zuletzt massiven Investitionen in den USA sicher schwerer zu vermitteln gewesen wäre, konnten die Bonner auch wegen des zuletzt deutlich gesunkenen Sprint-Aktienpreises vermeiden. Sprint-Aktionäre erhalten für jeweils 9,75 Sprint-Anteile eine Aktie der neuen T-Mobile US.

Wer hat in dem neuen Konzern künftig das Sagen?

Die Bonner werden den Konzern klar dominieren. Sie halten künftig zwar nur 42 Prozent am fusionierten Konzern, haben aber mit 69 Prozent der Stimmrechte das Sagen. Auf den japanischen Sprint-Eigner Softbank entfallen 27 Prozent der Aktien. 31 Prozent werden weiter an der Börse gehandelt. Zusammen kommen die beiden Unternehmen auf rund 127 Millionen US-Kunden und über 70 Milliarden Dollar Jahresumsatz.

Allerdings sollen Son und seine Softbank auch weiter ein "aktiver Partner" sein, wie es heißt. Man habe vereinbart, dass in den nächsten vier Jahren "keine Partei den Tisch verlassen darf." Anteile verkaufen darf Son allerdings schon - aber nur bis zu 18 Prozent, so dass eine gemeinsame Mehrheit mit der Telekom von mindestens 51 Prozent nicht gefährdet ist.

Wer soll den fusionierten Konzern künftig führen?

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CEO der "New T-Mobile" soll der bisherige T-Mobile-US-Chef John Legere sein, COO der aktuelle T-Mobile-COO Mike Sievert, der in der Vergangenheit auch als potenzieller Nachfolger Legeres gehandelt worden war.

Chef des Verwaltungsrates soll wie bislang Telekom-Chef Tim Höttges bleiben. Auch Softbank-Chef Masayoshi Son, der bisherige Sprint-CEO Marcelo Claure und CEO John Legere sollen in dem Gremium vertreten sein. Insgesamt sollen von den Verwaltungsratsposten 9 von der Deutschen Telekom und 4 von der Softbank besetzt werden.

Für Legere dürfte der neue Machtzuwachs sich auch finanziell lohnen. Bereits 2016 verdiente er mit 20,1 Millionen Dollar mehr als das Vierfache von Telekom-Boss Tim Höttges.

Hauptsitz des neuen Unternehmens soll das bisherige T-Mobile-Headquarter in Bellevue, Washington bleiben. Der bisherige Sprint-Hauptsitz in Overland Park in Kansas soll dessen Zweigstelle werden.

Wieso sollte die Fusion jetzt durchgehen?

Wieso sollte die Fusion jetzt durchgehen, wo sie doch in der Vergangenheit an den Bedenken der Wettbewerbshüter scheiterte?

Sprint und T-Mobile argumentieren, dass sich die Wettbewerbssituation im vergangenen halben Jahr massiv geändert hat, weil mit Comcast und künftig auch Charter neue Player auf den Wireless-Markt gekommen sind oder kommen wollen. Mittlerweile seien es nicht mehr die vier großen Telekommunikationsanbieter, argumentierte Sprint-Chef Marcelo Claure. "Es sind die großen sieben oder acht."

Bei ihrer Verkaufe gegenüber den US-Behörden und in der Öffentlichkeit, die Legere und Claure "trumpgerecht" in ein kurzes Video fassten, setzt T-Mobile aber vor allem auf das Thema 5G, den neuen, leistungsfähigeren Mobilfunkstandard. Er gilt als Voraussetzung für die Entwicklung neuer Anwendungen im sogenannten "Internet der Dinge" und als infrastrukturelle Bedingung für die Entwicklung neuer Geschäftsmodelle in diesem Bereich - und damit der Uber, Facebooks etc. der Zukunft, so die Argumentation.

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Alleine, so die Fusionsparteien, könnte keines der Unternehmen die dafür nötigen Investitionen stemmen. Und außerdem seien andere Anbieter durch die Fusion und die Schlagkraft einer neuen T-Mobile US dann gezwungen, nachzuziehen. Sollte die Fusion durchgehen, verspricht das neue T-Mobile innerhalb der nächsten drei Jahre Investitionen in Höhe von bis zu 40 Milliarden US-Dollar in den USA.

Nicht nur das soll die Politik - allen voran US-Präsident Trump - überzeugen. Außerdem verspricht T-Mobile die Schaffung neuer Jobs durch das Zusammengehen vor allem in ländlicheren Gebieten. Der Konzern beruft sich dabei auf einer Studie, der zufolge 5G drei Millionen neuer Jobs in den USA schaffen soll.

Woran könnte der Deal noch scheitern?

Wer muss dem Deal noch zustimmen?

Die Federal Communications Commission (FCC). Und auch das US-Justizministerium wird den Deal wohl sehr aufmerksam verfolgen.

FCC-Chef Ajit Pai war daher auch einer der ersten, den die Konzernspitzen nach der Veröffentlichung der Fusionspläne telefonisch kontaktierten.

Wird es diesmal mit der Fusion klappen?

Die Übernahme ist kein Selbstläufer. Aber die Chancen sind sicherlich gestiegen. Zum einen hat die FCC vor einigen Monaten ihre Bewertung der Marktsituation geändert und den Drahtlos-Markt im September als "competitive" bewertet - sieht also wieder verstärkt Wettbewerb dort.

Vor allem aber könnte der fusionierte Konzern mit seinem 5G-Verkaufsansatz punkten. Die Nase im globalen Wettlauf um den Ausbau von 5G vorne zu haben und ich nicht von China abhängen zu lassen, hatte FCC-Chef Ajit Pai wiederholt  zum nationalen Ziel erklärt. Und genau hier stoßen Telekom und Softbank mit ihrer Strategie hinein.

Was bedeutet der Deal für Deutschland?

Was bedeutet der Deal für die Deutsche Telekom?

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Sollte der Deal durchgehen wird der ehemalige Staatskonzern noch amerikanischer als er bereits ist. Schon jetzt trägt T-Mobile rund die Hälfte zum Konzernergebnis bei.

Zudem steht zu befürchten, dass sich zumindest vorübergehend das Rating der deutschen Konzernmutter wegen des Deals verschlechtert.

Denn das Projekt kostet zunächst viel Geld. Die Telekom rechnet mit 15 Milliarden Dollar (rund 12,3 Milliarden Euro) Kosten für den Zusammenschluss. Geld, das nach drei Jahren durch Synergien wieder hereingeholt werden soll. Jährlich sollen die Kosten durch die Fusion demnach um sechs, insgesamt um mehr als 43 Milliarden Dollar sinken. 2021, so Höttges, soll die Verschuldung denn auch wieder auf das konzernübliche Maß zurückfallen.

Am Breitbandausbau in Europa will die Telekom nach eigenen Angaben aber festhalten. "Die Investitionszusagen für die Glasfaser, die wir in Europa angekündigt haben und geplant haben, können solide umgesetzt werden", erklärte Höttges am Montag in einer Telefonkonferenz.

Auf die Gewinnprognose und die Dividendenaussage der Telekom für das laufenden Jahr soll die Fusion, die 2019 abgeschlossen sein soll, erst einmal keine Auswirkungen haben.

Was passiert, wenn die Fusion noch scheitert?

Dann ist viel Arbeit, Energie und Geld verloren - eine Breakup-fee wurde aber nicht vereinbart. Und die Suche nach einem neuen Partner beginnt.

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