Montag, 30. März 2020

Corona-Crash an den Börsen Dax stürzt um 12 Prozent ++ Zweitgrößtes Minus der Geschichte

Kurssturz im Dax: Am Donnerstag hat Deutschlands Leitindex das prozentual zweitgrößte Minus seiner Geschichte einstecken müssen

Das Notfallpaket der EZB kann Anleger nicht beruhigen, der Ausverkauf geht weiter. Der Dax verliert am Donnerstag mehr als 12 Prozent und fällt auf das tiefste Niveau seit mehr als 3 Jahren. An der Wall Street verliert der Dow Jones 2500 Punkte - trotz eines weiteren Hilfsprogramms der Fed.

Ausverkauf an den Börsen: Der deutsche Leitindex Dax Börsen-Chart zeigen hat im späten Handel seine Verluste auf mehr als 12 Prozent (1200 Punkte) ausgebaut und ist zeitweise bis auf 9150 Zähler abgestürzt. Das ist das tiefste Niveau seit mehr als drei Jahren. Die Furcht vor einer globalen Rezession wegen der Coronavirus-Pandemie lässt Anleger in Scharen fliehen. Auch der EuroStoxx 50 Börsen-Chart zeigen brach am Donnerstag um rund 12 Prozent ein und verzeichnete den größten Tagesverlust seiner Geschichte. "Investoren sind im Panik-Modus, es wird auf breiter Front verkauft", sagte ein Händler in Frankfurt. Zum Handelsschluss auf dem Computersystem Xetra ging der Dax Börsen-Chart zeigen mit einem Verlust von 12,2 Prozent auf 9161 Punkte aus dem Handel.

Es ist auf Schlusskursbasis der zweitgrößte prozentuale Tagesverlust seiner mehr als 30 Jahre alten Geschichte. Lediglich Mitte Oktober 1989 hatte es ein noch höheres Minus gegeben, als der Dax Börsen-Chart zeigen nach dem "Schwarzen Freitag" an der Wall Street auf Talfahrt gegangen war. Der MDax Börsen-Chart zeigen der mittelgroßen Werte verlor am Donnerstag 10,91 Prozent auf 20 168,02 Punkte.

Und am Freitag könnte der Kursrutsch sich fortsetzen: Der US-Leitindex baute im späten Handel seine Verluste aus und schloss auf Tagestief von 21.140 Punkten. Das ist ein Minus von 2500 Zählern (10,5 Prozent).

US-Einreisestopp löst Kurssturz aus - und EZB kann Anleger nicht beruhigen

Ausgelöst wurde der historische Kurssturz beim Dax Börsen-Chart zeigen am Morgen durch die Reisebeschränkung der USA für Bürger aus Europa und die drastischen Maßnahmen, die in Italien ergriffen wurden, um die Viruskrise zu meistern. Seit Donnerstagmorgen sind die meisten Geschäfte im ganzen Land geschlossen.

Zudem blieb die von vielen Anlegern erhoffte Beruhigung der Lage von Seiten der Europäischen Zentralbank aus. Europas Währungshüter stemmen sich zwar mit einem umfassenden Maßnahmenpaket gegen wirtschaftliche Folgen der Coronavirus-Krise, konnten die Märkte damit aber nicht überzeugen

Dax Realtime: Hier sehen Sie Dax, EuroStoxx und Dow Jones in Echtzeit

Der US-Leitindex Dow Jones Börsen-Chart zeigen rutschte bis 17 Uhr MEZ um 9,3 Prozent oder mehr als 2000 Punkte ab - das größte Minus seit mehr als 32 Jahren. Der US-amerikanische Leitindex lag damit bei rund 21.355 Zählern. Für den marktbreiten S&P 500 ging es um 7,5 Prozent auf 2536 Zähler abwärts. Der Technologieindex Nasdaq 100 Börsen-Chart zeigen brach um 7 Prozent auf unter 7400 Punkte ein.

Dow baut im späten Handel Verluste aus

Gegen 18.30 Uhr wagten sich einige Anleger an der Wall Street wieder vor, da die US-Notenbank Fed eine umfangreiche Liquiditätsspritze für die US-Banken ankündigte. Doch ähnlich wie auch schon am Nachmittag bei der EZB verpuffte auch der Hilfseinsatz der Fed zunächst wirkungslos: Der Dow Jones baute im Anschluss seine Verluste aus und schloss am Donnerstag auf Tagestief.

Hilfen von Fed und EZB verpuffen zunächst

Entgegen den Erwartungen beließ die EZB den Einlagenzins unverändert bei minus 0,5 Prozent. Sie kündigte aber die Aufstockung ihrer Wertpapierkäufe und Billig-Kredite für mittlere und kleinere Unternehmen an. "Das alles ist nicht falsch", sagte Otmar Lang, Chef-Volkswirt der Targobank. "Aber anders als früher sind Notenbankmaßnahmen aktuell nur schmückendes Beiwerk, das keinen Turnaround bewirken kann. Die klassische Geldpolitik ist damit nicht am Ende - aber sie ist derzeit einfach nicht das richtige Mittel."

Kosten für Versicherungen gegen Zahlungsausfälle schießen hoch

Die Furcht vor einer Rezession und einer Pleitewelle trieb die Kosten für Versicherungen gegen Zahlungsausfälle in die Höhe. Der Markit iTraxx Crossover-Index stieg auf ein Siebeneinhalb-Jahres-Hoch. Gleichzeitig gingen die europäischen Finanzwerte erneut auf Talfahrt. Ihr Index brach um mehr als 13 Prozent ein.

Am Rohölmarkt verhagelte neben dem Konjunkturpessimismus der Preiskrieg zwischen Saudi-Arabien und Russland Investoren die Stimmung. Die Sorte Brent aus der Nordsee verbilligte sich um 6,8 Prozent auf 33,34 Dollar je Barrel (159 Liter). "Sollte der Kampf um Marktanteile nicht stoppen, wird Brent zum Jahresende bei etwa 20 Dollar liegen", sagte Robert Ryan, Chef-Anlagestratege für Energie beim Research-Haus BCA.

Ölpreis bricht ein, Pleitewelle bei US-Schieferölförderern droht

Dies drückte den Index für die europäische Öl- und Gas-Branche auf den tiefsten Stand seit 22 Jahren. Ihre US-Rivalen Chevron Börsen-Chart zeigen und Exxon Mobil Börsen-Chart zeigen büßten bis zu 8,1 Prozent ein. Bei anhaltend niedrigen Preisen drohe eine Pleitewelle bei den US-Schieferölförderern, warnte Hussein Sayed, Chef-Anlagestratege des Brokerhauses FXTM. Diese haben wegen des aufwendigen Fracking-Verfahren relativ hohe Kosten. Aus der Branche brachen Titel wie Marathon, Apache oder Occidental um bis zu 18 Prozent ein.

Flucht in die "sicheren Häfen"

Vor diesem Hintergrund flüchteten Anleger in "sichere Häfen". Dies drückte die Renditen der zweijährigen Titel aus Deutschland und den USA auf Rekordtiefs von minus 1,020 beziehungsweise plus 0,378 Prozent. Die "Antikrisen-Währung" Gold konnte ihre anfänglichen Gewinne jedoch nicht halten und verbilligte sich um 3,3 Prozent auf 1580,14 Dollar je Feinunze (31,1 Gramm). Börsianern zufolge dämpfe die Aufwertung des Dollar die Nachfrage, weil er das Edelmetall für Investoren außerhalb der USA verteuere. Außerdem könnten einige von ihnen zu Verkäufen gezwungen sein, um Verluste in anderen Anlageklassen auszugleichen.


Kein Wert im Dax Börsen-Chart zeigen stand am Nachmittag im Plus. Beiersdorf Börsen-Chart zeigen, Linde Börsen-Chart zeigen und Vonovia Börsen-Chart zeigen zählen mit Verlusten zwischen 4,6 und 5,7 Prozent noch zu den besten Werten im Dax 30. Zu den schwächsten Dax-Werten zählten die Aktien von RWE Börsen-Chart zeigen, Daimler Börsen-Chart zeigenund Wirecard Börsen-Chart zeigen mit Verlusten zwischen rund 13 und 9 Prozent.

Papiere der Lufthansa Börsen-Chart zeigen notierten in einem extrem volatilen Handel wieder mit fast 13 Prozent im Minus. Damit haben sie, seit Mitte Februar die Angst vor den wirtschaftlichen und zunehmend auch gesamtgesellschaftlichen Folgen des neuartigen Coronavirus an den Finanzmärkten umgeht, bereits rund 40 Prozent an Wert eingebüßt.


Hören Sie den Podcast - Richtig investieren in schwierigen Zeiten


In Japan waren am Donnerstag alle größeren Indizes auf ein drei-Jahres-Tief ein. Der Nikkei Börsen-Chart zeigengab im Verlauf mehr als 5 Prozent nach und schloss letztlich 4,4 Prozent schwächer. Der breiter gefasste Topix-Index Börsen-Chart zeigensank um rund 5 Prozent. Der Nikkei Volatilitäts-Index sprang um 10 Prozent auf 52,09 Zähler, der höchste Wert seit 2011.

WHO stuft Verbreitung des Virus mittlerweile als Pandemie ein

Die Weltgesundheitsorganisation hatte am Vortag die Verbreitung des neuen Coronavirus mittlerweile als Pandemie eingestuft. Das sagte WHO-Generaldirektor Tedros Adhanom Ghebreyesus am Mittwoch in Genf. Tedros kritisierte fehlendes Handeln durch die Staaten weltweit. "Wir haben die Alarmglocken laut und deutlich geläutet", erklärte der WHO-Chef.

Stratege Francois Trahan von der Bank UBS sagte: "Die Unsicherheit mit Blick auf die Gewinne der Unternehmen ist derzeit so groß, dass die Aktienkurse kaum Chancen auf Erholung haben". Schon vor dem Ausbruch der Epidemie seien die Aktienmärkte hoch bewertet und anfällig für eine Korrektur gewesen. Wegen des Virus habe diese Korrektur nun dramatische Ausmaße angenommen.

mit Nachrichtenagenturen

© manager magazin 2020
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung