Montag, 18. November 2019

Dassault Systèmes-Chef Bernard Charlès Kennen Sie den "first moment of truth"?

Keine Angst vor der Cloud: Bernard Charlès, Chef von Dassault Systèmes
Dassault Systèmes
Keine Angst vor der Cloud: Bernard Charlès, Chef von Dassault Systèmes

Bernard Charlès ist seit zwei Jahrzehnten Chef von Dassault Systèmes, des zweitgrößten Softwarekonzerns Europas. Im Interview erklärt er, was Städtebau mit Flugzeugbau zu tun hat - und was er sich von 3-D-Druck und Cloud-Technologie erhofft.

mm: Herr Charlès, wie fühlt es sich an, als Chef eines französischen Softwarekonzerns erst in die Vereinigten Staaten reisen zu müssen, um zu sehen, welche Trends sich zwei Jahre später in Europa durchsetzen werden?

Charlès: So ist es nicht. In dem Geschäft, das wir betreiben, sind nicht die USA die Trendsetter, sondern Europa. Forbes hat Dassault Systèmes jüngst zu einem der innovativsten Software-Unternehmen der Welt gewählt. Wir haben nicht nur in Paris, sondern auch in Boston ein Hauptquartier und Niederlassungen weltweit. Wir haben weltweit auch 32 spezialisierte Forschungs- und Entwicklungslabore. Für uns sind nicht nur Europa oder die USA entscheidend, sondern unser globales Netzwerk. Das ist Teil unserer DNA.

mm: Die großen Trends wie das Cloud Computing oder der 3D-Druck werden aber schon in den Vereinigten Staaten vorangetrieben.

Charlès: Es ist wahr, wenn es um die großen Trends geht, dass die Amerikaner diese schneller umsetzen. In unserem Fokus sind wir aber ebenso führend wie zum Beispiel der große ERP-Anbieter in Deutschland.

mm: Nach SAP ist Dassault Systèmes der zweitgrößte Software-Konzern Europas. Sie gehören zu den Weltmarktführern im 3D-Design. Was halten Sie vom Hype um börsennotierte 3D-Druckerbauer wie Stratasys oder 3D Systems?

Charlès: Wir unterstützen den 3D-Druck seit drei Jahrzehnten. Schon vor 25 Jahren haben wir mit Boeing und Lockheed Martin an entsprechenden Projekten gearbeitet. Mit Unternehmen, die solche Maschinen bauen, arbeiten wir seit zwei Jahrzehnten zusammen. Der 3D-Druck war für uns wichtig, und er wird es auch in Zukunft sein. Das liegt vor allem am Designprozess des Additive Manufacturing…

mm: …also der für 3D-Drucker typischen Fertigung, die Bauteile aus Pulver Schicht für Schicht entstehen zu lassen anstatt sie, wie beim klassischen Herstellungsprozess, zu fräsen, zu sägen, zu bohren oder zu schleifen.

Charlès: 3D-Druck sollte vor dem Hintergrund dieses Additiven Herstellverfahrens verstanden werden. Mehr als 70 oder 80 Prozent der anspruchsvollen 3D-Produkte jenseits vom Kinderspielzeug werden heute mit unserer Software entworfen, also mit "Catia" und "Solidworks". Es ist eben schwer, hochwertige industrielle Produkte aus dem 3D-Drucker zu erhalten, ohne ein hochwertiges additives Design.

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