Danone steigt bei Wasseraufbereiter-Unternehmen "Mitte" ein Wird dieses Berliner Start-up das neue "Luxus-Soda-Stream"?

Mitte Wasseraufbereiter: Der smarte Wasseraufbereiter soll im kommenden Jahr in den USA und Europa auf den Markt kommen

Mitte Wasseraufbereiter: Der smarte Wasseraufbereiter soll im kommenden Jahr in den USA und Europa auf den Markt kommen

Foto: Mitte

Gesunde oder sogar gesundheitsförderliche Getränke sind aktuell schwer angesagt. Wie angesagt, zeigte gerade die Übernahme des israelischen Wassersprudelherstellers Sodastream durch den amerikanischen Softdrink-Giganten Pepsi. 3,2 Milliarden Dollar hatte dieser dafür hingelegt.

Deutlich kleiner aber nicht weniger interessant ist ein Investment das ein noch verhältnismäßig kleines Startup aus Berlin Mitte am Mittwoch verkündete. Der Hersteller eines Wasseraufbereitungssystems namens Mitte sammelte in einer Finanzierungsrunde 10,6 Millionen Dollar ein.

Keine Summe, die an sich aufhorchen lassen würde. Der Lead-Investor jedoch schon: Danone Manifesto Ventures, der Venturearm des Getränke- und Lebensmittelmultis Danone, der mit Marken wie Evian und Volvic einer der Großen im internationalen Wassergeschäft ist. Eine Sparte, die im vergangenen Jahr angesichts einer massiv steigenden Nachfrage deutliche Gewinnzuwächse verzeichnen konnte.

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So soll der Weltmarkt für in Flaschen abgefülltes Trinkwasser Experten von Euromonitor zufolge bis 2021 auf 250 Milliarden Dollar wachsen von 210 Milliarden in 2017.

Doch die Verbraucher werden sich zunehmend der schädlichen Auswirkungen von Plastik bewusst. Zudem stehen die Wassermultis in der Kritik, den Menschen in Entwicklungsländern ihre Quellen wegzukaufen, um ihnen dafür teures Wasser in Plastikflaschen zu verkaufen.

Problemen, denen Danone nun auch mit seinem Investment bei dem 2016 gegründeten Mitte begegnet. Und sich zudem einen Zugang zum sogenannten Heimgetränkemarkt sichert.

Was Mitte für Danone so interessant macht

Denn der smarte Wasseraufbereiter von Mitte besteht in einem zweifach-System: Zum einen aus einem Destillationssystem, das neben größeren Schmutzpartikeln angeblich auch Microplastik und Hormone aus dem Wasser filtern können soll.

Einer der drei Mitte-Gründer: CEO Moritz Waldstein

Einer der drei Mitte-Gründer: CEO Moritz Waldstein

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Zum anderen aus einer Kartusche, die das gereinigte Wasser mit Mineralien versetzen soll. Und das "Mitte" ursprünglich über eine Art Abo-System vertreiben wollte. Und das dem Unternehmen - ähnlich wie bei Sodastream die Kohlensäurekartuschen oder bei Nespresso die Kaffeekapseln, neben den Einnahmen vom Einzelgeräteverrkauf eine kontinuierliche Gewinnquelle bescheren soll.

Ob über den Investor Danone, der zusammen mit dem VisVires New Protein Fund und Karcher New Venture eine Minderheitsbeteiligung hält, womöglich auch dessen Vetriebsstrukturen im stationären Handel genutzt werden können, ist einer Sprecherin zufolge noch offen.

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Ebenso, wie das Gerät letztlich aussehen soll. Eigentlich war der Marktstart bereits für April diesen Jahres geplant - und Investoren auf der Crowdfunding-Plattform Kickstarter, wo Mitte bereits mehr als 272.000 Euro einsammelte, auch versprochen worden. Mit dem Know-How von Danone soll die Gerätekonzeption nun aber noch einmal überarbeitet werden, wie eine Mitte-Sprecherin manager-magazin.de sagte.

Mehr als 400 Euro für einen Wasseraufbereiter?

Und auch der genaue Preis ist noch offen. Ursprünglich war geplant, den per App steuerbaren Wasseraufbereiter, der dieses auf Wunsch auch erhitzt, für 429 Euro zu verkaufen. Nun heißt es nur noch, Ziel sei, das Gerät nach seiner Überarbeitung zu einem "wettbewerbsfähigen Preis" auf den Markt zu bringen. Auch zum geplanten Verkaufspreis für die Kartuschen machte Mitte keine Angaben.

Der Marktstart ist nun für Mitte 2019 avisiert - und zwar in den USA und Europa gleichzeitig. Später soll womöglich noch eine einfachere Version des Gerätes für weniger entwickelte Länder auf den Markt kommen.

Das ist aber jetzt erst einmal keine Priorität, sondern eher die Luxus-Kunden, die sich ein Gerät in dieser Preisklasse leisten können und wollen.

Welch skurrile Formen der Gesundheitsgetränke-Hype annehmen kann, zeigt sich indes in Japan. Laut einem Artikel des "Wall Street Journal"  ist die Nachfrage nach gesund aussehenden, kristallklaren Getränken dort so gestiegen, dass der Getränkekonzern Suntory dort sogar ein farbloses alkoholfreies Bier auf den Markt gebracht hat. So dass es die Kunden ohne komische Blicke zu kassieren auch am Arbeitsplatz trinken können.

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