Freitag, 19. Juli 2019

Cloudspeicherdienste Speicherplatz zum Nulltarif - Dropbox muss sich neu erfinden

Cloudspeicherdienste: Überall verfügbar
Dropbox

Der Clouddienst Dropbox gerät unter Druck. US-Konkurrent Box bietet seit Januar den 25-fachen Gratis-Speicherplatz, der chinesische Konkurrent Yunio packt noch einiges drauf. Dennoch hat Dropbox gerade 250 Millionen Dollar eingesammelt. Die Hoffnung: Ein Schwenk zu den Firmenkunden.

Hamburg - Das Jahr der Börsenüberflieger wie Twitter und Facebook ist gerade zu Ende, schon balgen sich die Investoren um die nächsten IPO-Aspiranten. Ihr jüngstes Ziel: Dropbox. Das Unternehmen hat dem Wall Street Journal zufolge in einer Finanzierungsrunde 250 Millionen Dollar eingesammelt - und zwar nicht von den üblichen Verdächtigen aus dem Silicon Valley, sondern vom Finanzinvestor Blackrock. Die zwei großen Anlagefonds Fidelity und T. Rowe Price würden gerne weitere 100 bis 150 Millionen Dollar in das Start-up stecken, berichtet der Branchenblog Re/code.

Seit der jüngsten Finanzierungsrunde wird Dropbox mit zehn Milliarden Dollar bewertet - das entspricht etwa der Marktkapitalisierung der Deutschen Lufthansa. Bei der letzten großen Finanzierungsrunde im Jahr 2011, in der Dropbox ebenfalls 250 Millionen Dollar einsammelte, hatten Wagniskapitalgeber wie Sequoia Capital, Index Ventures und Accel Partners das Start-up noch auf vier Milliarden Dollar taxiert.

Dass sich keines dieser Dickschiffe unter den Silicon-Valley-Investoren an der jüngsten Runde beteiligt hat, ist vielleicht kein Zufall. Denn dass ein Geschäftsmodell so schnell pulverisiert wird wie jenes, mit dem der Cloudspeicherdienst ursprünglich angetreten war, ist selten.

Dropbox hatte bislang vor allem damit Erfolg, Smartphone-, Tablet- und PC-Nutzern zwei Gigabyte kostenlosen Speicher in der Cloud zur Verfügung zu stellen. Auf diesem virtuellen USB-Stick im Netz haben die Nutzer dann geräteübergreifend Zugriff auf ihre Musik, Fotos oder Textdateien. Wer mehr Speicher haben will, zahlt dafür rund zehn Dollar im Monat.

Mehr Speicherplatz zum Nulltarif - Dropbox kämpft an vielen Fronten

Das Problem: Die Konkurrenz schläft nicht und die Einstiegsbarrieren in den Markt sind gering. Die Folge: Dropbox muss sich derzeit an zahlreichen Fronten verteidigen:

  • Apple & Co.: So setzen die großen Internetkonzerne wie Apple, Google und Microsoft immer stärker auf ihre eigenen Onlinespeicher wie iCloud, Google Drive oder SkyDrive. Wobei diese Angebote erstens besser mit dem eigenen Ökosystem (iWork, Google Docs, Office 365) verknüpft sind als Dropbox und zweitens verstärkt auch plattform- und geräteübergreifend über Browser und Apps zugänglich werden - bislang ein Alleinstellungsmerkmal von Dropbox.
  • Western Digital & Co.: Auch die klassischen Festplattenhersteller wie Western Digital oder Buffalo rollen mittlerweile den Markt für Cloudspeicher auf. Ihre Waffe: So genannte NAS-Server, die zwar rund 50 Prozent mehr kosten als klassische Festplatten, den Nutzern dafür aber einen Terabyte oder mehr Speicher für Fotos, Musik oder Videos zur Verfügung stellen, wo eine Internetverbindung besteht.
  • Die Chinesen: Wie sehr die Inflation der Cloudspeicher die Branche erfasst hat, zeigt darüber hinaus der chinesische Dropbox-Wettbewerber Yunio. Er bietet seinen Nutzern seit Herbst vergangenen Jahres auch in Deutschland einen Terabyte an kostenlosem Speicherplatz in der Wolke an, was ungefähr dem Speichervolumen einer Standardfestplatte für Laptops entspricht.
  • Box: Nicht zuletzt setzt auch der wichtigste amerikanische Konkurrent Dropbox zu. Dieser hat sich bislang vor allem als Geschäftspartner von Großunternehmen wie Procter & Gamble und LinkedIn im Wettbewerb positioniert. Seit Januar macht Box.com privaten Erstnutzern eine Offerte, die viele von ihnen wohl kaum ablehnen dürften: 50 Gigabyte kostenloser Cloudspeicher. Das sind 25 mal mehr als Dropbox bietet.

Doch warum stößt Dropbox angesichts dieser Wettbewerbssituation auf eine solche Nachfrage bei Investoren?

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