Chinesischer IT-Konzern Huawei verurteilt Ausspähung durch NSA

Der US-Geheimdienst NSA hat Medienberichten zufolge den chinesischen IT-Konzern Huawei ausgespäht. Ein Unternehmenssprecher verurteilte das Vorgehen. Doch wie stark ist Huawei selbst in Spionagepraktiken verstrickt?
Huawei: Zugang zu Produkt-Quellcodes verschafft

Huawei: Zugang zu Produkt-Quellcodes verschafft

Foto: AP

Peking - Der chinesische Telekommunikationsriese Huawei hat eine mögliche Ausspähung seiner Systeme durch den US-Geheimdienst NSA scharf kritisiert. "Wenn die Berichte stimmen, verurteilt Huawei solche Aktionen, die in unser internes Netzwerk eindringen und es aushorchen", sagte Firmen-Sprecher Scott Sykes.

Das Nachrichtenmagazin "Der Spiegel" und die US-Zeitung "New York Times" hatten berichtet, einer US-Spezialeinheit sei es gelungen, an rund 100 Stellen das Computernetzwerk von Huawei zu infiltrieren und interne Dokumente zu kopieren. Zudem habe die NSA sich Zugang zum geheimen Quellcode einzelner Produkte verschafft.

Als Grund für die Ausforschung gab die NSA demnach in einem internen Papier an, dass "viele unserer Ziele über Huawei-Produkte kommunizieren" und der Geheimdienst auf dem Stand der Technik bleiben müsse. Zudem gebe es die Sorge, dass China die weitverzweigte Infrastruktur von Huawei "zu Spionagezwecken nutzen" könne.

Die Spionageeinsätze fanden dem "Spiegel"-Bericht zufolge unter Einbindung des Geheimdienstkoordinators im Weißen Haus, der CIA und des FBI statt.

NSA: "So viele Daten, dass wir nicht wissen, was wir damit tun sollen"

Die von einem ehemaligen Ingenieur der chinesischen Volksarmee 1987 gegründete Firma Huawei ist der zweitgrößte Netzwerkausstatter der Welt und außerdem der drittgrößte Hersteller von Smartphones. Somit ist Huawei auch einer der größten Konkurrenten des US-Konzerns Cisco .

Der "New York Times" zufolge war das ursprüngliche Ziel des Einsatzes, Verbindungen zwischen Huawei und dem chinesischen Militär aufzuspüren. Die Aktion habe sich dann aber auf das Ziel ausgeweitet, in Computer- und Telefonnetzwerke einzudringen, die an Drittländer verkauft würden.

"Wir haben gegenwärtig guten Zugang und so viele Daten, dass wir nicht wissen, was wir damit tun sollen", zitiert der "Spiegel" aus einem internen Dokument. Zu den Zielen der NSA-Spähattacken zählen demnach außerdem der ehemalige Staatspräsident Hu Jintao, das chinesische Handelsministerium, das Außenministerium sowie Banken.

Ex-NSA-Chef Hayden entschuldigte sich unterdessen für die Folgen der Spähaffäre für Deutschland. Die Auswirkungen auf die Regierung und die deutsche Bevölkerung seien unterschätzt worden, sagte er dem "Spiegel". Er werde sich zwar nicht für die Beobachtung eines anderen Landes entschuldigen. "Aber ich bin bereit, mich dafür zu entschuldigen, dass wir einen guten Freund schlecht haben aussehen lassen", sagte Hayden. "Schande über uns, das ist unser Fehler." Einem Anti-Spionage-Abkommen mit Deutschland erteilte er aber eine Absage.

ts/dpa/afp
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