Donnerstag, 5. Dezember 2019

JD.com, Pindoduo und Co. Das sind die neuen Internetgiganten aus China

JD.com-Chef Richard Qiangdong Liu beim Börsengang an der Nasdaq
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JD.com-Chef Richard Qiangdong Liu beim Börsengang an der Nasdaq

Klar, wir kennen Amazon, Facebook und Google - Amerikas große Internetgiganten - , weil sie unser tägliches Leben beeinflussen. Wir kennen aber kaum einen Internetkonzern aus China. Am ehesten noch Alibaba, weil es ein witziger Name ist und weil das Unternehmen mit Jack Ma einen charismatischen Chef hat. Vielleicht auch noch Tencent wegen seines WeChat-Messengers. Oder auch Baidu, weil mit denen Daimler gerade beim autonomen Fahren kooperiert.

Wolfgang Hirn

Aber wer ist JD.com, Meituan-Dianping, ele.me, Kuaishou, Pindoduo, Didi, ofo, Xiaozhu, oder Huya? Müssen wir die kennen? Ja, müssen wir. Weil sie immer häufiger auf unseren Märkten auftauchen werden, weil sie in vielen Online-Bereichen technologisch führend sind und weil sie in China ein wichtiges Werbemedium sind. Und nebenbei für den Anleger vermerkt: Zwölf der 20 größten Internetunternehmen Chinas sind an den Börsen in Shanghai, Shenzhen, Hongkong oder New York gelistet und ihre Aktien haben Wachstumspotential.

Keine Frage: Chinas Internetmarkt mit seinen 770 Millionen Usern ist der Trendsetter. Im Handel - online wie offline - , in der Finanzbranche, beim Bezahlen, in der Shared Economy setzen Chinas Internetunternehmen inzwischen die Maßstäbe, nicht die Amerikaner und erst recht nicht die Europäer.

Permanent entstehen neue Firmen, die die Platzhirsche attackieren oder völlig neue Geschäftsfelder entdecken. Es fällt schwer, in diesem sich rasant entwickelnden Markt den Überblick über die vielen Neugründungen, Beteiligungen und Übernahmen zu behalten. Der gerade erschienene China Internet Report 2018 - herausgegeben vom Infodienst Abacus, der VC-Firma 500 Startup und der South China Morning Post - bietet eine sehr gute Orientierung.


Lesen Sie hier alle "China-Manager"-Kolumnen von Wolfgang Hirn


Hier ein Überblick über die wichtigsten Trends und Unternehmen:

  • Immer größere Giganten. Baidu, Alibaba Börsen-Chart zeigen und Tencent Börsen-Chart zeigen (das BAT-Trio), aber auch das aufstrebende JD.com sind inzwischen in fast jedem Online-Segment vertreten. Was sie nicht selber können, kaufen sie einfach dazu. Geld spielt bei ihnen keine Rolle. Vor allem Alibaba (größte Übernahme 2017: der Essenlieferdienst ele.me) und Tencent fahren einen aggressiven Akquisitionskurs. Ziel der beiden ist die Schaffung eines Ecosystem, in dem der Kunde alles bei ihnen bekommt.
  • Revolution im Lebensmittelhandel. Die E-Commerce-Unternehmen entwickeln völlig neue Handelskonzepte, die online mit offline verbinden. Führend ist Alibaba mit seinen bereits knapp 50 Hema-Stores. Tencent mit Super Species und JD.com mit 7Fresh ziehen nach. Alibaba (mit Ling Shou Tong) und JD.com (mit Zhang Gui Bao) bieten zudem spezielle Hilfsprogramme für Tante-Emma-Läden an, um diese aufzuhübschen - und in ihr Ecosystem zu integrieren.
  • Newcomer haben eine Chance. Der Aufsteiger des vergangenen Jahres ist das Gruppeneinkaufsportal Pindoduo. 2015 gegründet, ist das Unternehmen im E-Commerce bereits die Nummer drei hinter Taobao (Alibaba-Plattform) und JD.com.
  • Kurzvideos sind der Hingucker. Luden zu Jahresbeginn 2017 rund 200 Millionen Chinesen Kurzvideos per App herunter, so waren es am Jahresende bereits 414 Millionen. Inzwischen ist die Zahl bei über 600 Millionen. Die beiden Marktführer sind Kuaishou und - das erst im September 2017 gegründete - Douyin (international unter dem Namen Tik Tok bekannt). Interessanter Nebenaspekt: Während das Videoschauen auf dem Handy zunimmt, geht das Messaging zurück.
  • Verfolgungsjagd auf Didi. Der Mitfahrdienst Didi, der Uber erfolgreich aus dem chinesischen Markt boxte, bekommt nun chinesische Konkurrenz: Die Online-Unternehmen Meituan-Dianping (Lieferdienst), das Reiseportal Ctrip und AutoNavi (die Mapping App von Alibaba) wollen mit jeweils eigenen Marken Didi an den Karren fahren, aber auch - ganz neu - die Autokonzerne Changan, Dongfeng und FAW.
  • Beim Bike-Sharing ist die Luft raus. Auf diesem Boommarkt der vergangenen Jahre ist eine Konsolidierung eingetreten. Über 20 Firmen gingen bankrott. Der Markt wird jetzt von drei Farben beherrscht: Gelb (ofo), Orange (Mobike) und Hellobike (blau).
  • Erste Grenzüberschreitungen. Uber-Rivale Didi hat sich in einigen Ländern an Mitfahrunternehmen beteiligt. Ofo und Mobike starten in immer mehr Städten außerhalb Chinas, wobei Ofo ein etwas zu großes Rad drehte und inzwischen kürzer tritt. Xiaozhu - das chinesische AirBnB - hat über 100 ausländische Städte in seinem Programm und schloß kürzlich mit Agoda eine strategische Partnerschaft.
  • E-Sports immer populärer. Die meisten Veranstaltungen können per Livestream verfolgt werden. Über 200 Millionen Zuschauer haben das im vergangenen Jahr getan. Inzwischen hat dabei das Handy den PC als Medium abgelöst. Führend sind beim Livestreaming von E-Sport-Events zwei Unternehmen: Huya und Douyu. In beide kauft sich sukzessive Tencent ein - und bestätigt damit den großen Trend: Chinas Internetgiganten werden immer größer.

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