Montag, 1. Juni 2020

Widerstand gegen Google schwindet Burda knipst bei deutschem Google-Konkurrenten das Licht aus

Cliqz Der Google-Konkurrent gibt angesichts der Übermacht der US-Tech-Riesens auf

Die Marktmacht von Google Börsen-Chart zeigen als Suchmaschine ist überwältigend. Mehr als 90 Prozent aller Suchen in Europa und den USA laufen über den US-Konzern, der mit den Daten der Nutzer Milliarden verdient. Dem wollten einige Start-ups in Europa etwas entgegensetzen und haben - auch mit Unterstützung großer Verlage - eigene Suchmaschinen gestartet, die die Abhängigkeit brechen sollten. Die deutsche Suchmaschine Cliqz gibt nun aber desillusioniert auf - und macht seine Browser- und Suchtechnologie dicht, wie Burda am Mittwoch mitteilte.

Man sehe auf lange Sicht keine Chance gegen die Übermacht Googles, das den Markt in jeglicher Hinsicht dominiere und abschotte, hieß es in der Begründung des Unternehmens, an dem Burda seit 2013 eine Mehrheitsbeteiligung hält. "Wir haben über Jahre in Cliqz investiert, weil wir der Überzeugung sind, dass Europa eine eigene digitale Infrastruktur braucht, um zukunftsfähig zu bleiben", erklärte. Burda-Chef Paul Bernhard Kallen. "Ohne die hierfür notwendigen politischen Strukturen auf europäischer Ebene kommen wir gegen die Übermacht der Tech-Riesen aus den USA und China jedoch nicht an."

Da "aufgrund der Corona-Pandemie ein weitreichendes Innovationsprogramm in Europa auf absehbare Zeit nicht zu erwarten" sei, habe man also das Aus beschlossen, auch wenn Kallen die grundsätzliche Idee, ein Gegengewicht zu USA und China im europäischen Suchsektor zu etablieren, nach wie vor für richtig halte.

Einen eigenständigen Wettbewerber in Europa gibt es noch

Cliqz ist nicht die einzige Suchmaschine, die versucht hatte, dem klaren Marktführer Google mit einem europäischen Angebot Paroli zu bieten. Auch die 2011 in Frankreich gegründete Suchmaschine Qwant hat den Anspruch, als Suchmaschine ohne Tracking für Werbezwecke relevante Suchergebnisse zu liefern. 2017 stieg dort mit 20 Prozent der Axel Springer Verlag über seinen Venture Arm ein. Mittlerweile ist der Anteil des Verlags aber gesunken.

Anders als Suchmaschinen wie etwa Ecosia, Yahoo oder DuckDuckGo übernimmt Qwant dabei nicht die Ergebnisse andere Suchmaschinenanbieter oder aggregiert deren Ergebnisse in einer Art Metasuche, sondern arbeitet mit einer eigenen Webindexierungstechnologie.

Bei den Nutzern im großen Stil durchgesetzt hatte sich bislang allerdings keines der eigenständigen europäischen Angebote. Laut Statistiken von Statcounter vereinigte Google im März in Europa 93,5 Prozent aller Suchanfragen auf sich, weit vor Microsofts Bing mit 2,7 Prozent. Die russische Suchmaschine Yandex kam auf rund 1,7 Prozent aller Suchanfragen, Yahoo (die sich ebenfalls auf Ergebnisse von Bing stützen) auf knapp 1 Prozent, DuckDuckGo auf 0,37 Prozent und Ecosia (das ebenfalls weitgehend auf Ergebnisse von Bing zurückgreift) auf 0,35 Prozent.

Qwant taucht in der Statistik überhaupt nicht auf. Allerdings gibt es Hoffnung, dass sich hier - wenn auch in eingeschränkten Maße - etwas ändern könnte. So will Huawei, dessen Zusammenarbeit mit Google aufgrund von US-Sanktionen gegen den chinesischen Konzern unterbrochen wurde, künftig sein Modell P40 in Frankreich mit Qwant als voreingestellter Suchmaschine ausliefern. Und will künftig die App auch bei den Modellen in einigen anderen europäischen Ländern vorinstallieren.

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