Montag, 17. Juni 2019

BKA-Lagebild Cyberkriminalität BKA-Statistik: Mehr Hacker-Angriffe als im Vorjahr

86.000 Cybercrime-Fälle zählte das BKA 2017.

Cyberkriminalität in Deutschland hat im Vergleich zum Vorjahr um vier Prozent zugenommen. 86.000 Fälle zählte das Bundeskriminalamt, das heute Nachmittag ihr Lagebild von 2017 vorgestellt hat. Durch Computerbetrug ist ein Schaden von 71,4 Millionen Euro entstanden.

"Der Wirtschaftsstandort Deutschland bleibt ein bevorzugtes Ziel für Hacker", sagt Peter Henzler, Vizepräsident beim BKA. Dabei könne die Polizei insbesondere mit Blick auf das vergangene Jahr feststellen, dass sich die Täter immer weiter professionalisieren. "Die Qualität der Angriffe nimmt stetig zu", so Henzler.

Cyber-Angriffe können sich gegen Privatpersonen, oft auch deren Smartphone richten, aber auch gegen große Unternehmen. Hacker verschaffen sich dabei oft Zugang zu Firmennetzwerken, indem sie mit zielgerichteten Spear-Phishing-Mails Mitarbeiter dazu bewegen, auf verseuchte Anhänge oder Links zu klicken. Es ist von einer hohen Dunkelziffer für Cyberangriffe auszugehen, da betroffene Firmen aus Angst vor Reputationsverlusten nicht immer Anzeige bei der Polizei erstatten.

Auch Energieversorger und Behörden betroffen

Auch kritische Infrastrukturen (KRITIS) wie Chemiewerke, Energieversorger, Militär und Behörden geraten zunehmend ins Visier. Zwischen Juli 2015 und 2017 wurden 34 Fälle gemeldet, die Angriffe auf KRITIS betreffen. Exemplarisch nennt das BKA den Angriff auf die Deutsche Bahn im Mai 2017, der Ticketautomaten und Anzeigen lahmlegte. Ursache war eine gelungene Attacke mit der Erpresser-Software "WannyCry", die Rechner so lange verschlüsselt, bis ein Lösegeld in der Kryptowährung Bitcoin gezahlt wurde.

Etwas mehr als 40 Prozent aller Computerbetrugsfälle konnte das BKA aufklären und steigerte sich damit im Vorjahresvergleich um 1,6 Prozent. Mittlerweile können auch technisch weniger versierte Kriminelle virtuelle Angriffe starten: Im sogenannten Darknet können sie Schadsoftware bestellen oder Datendiebstahl in Auftrag geben.

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