Mittwoch, 23. Oktober 2019

Volksrepublik will Facebooks Libra zuvorkommen China will "in Kürze" eigene Kryptowährung starten

Supermarkt in China: Künftig sollen Kunden mit volkseigenem Digitalgeld bezahlen können

Während hierzulande Nationalbanker, Politiker und Regulierungsbehörden noch mit Facebooks Plänen für eine eigene Kryptowährung hadern, hat China bereits ein eigenes Projekt in den Startlöchern. Wie die Nachrichtenagentur "Bloomberg" am Montag unter Berufung auf Äußerungen des für den Zahlungsverkehr der chinesischen Notenbank zuständigen Vizedirektors Mu Changchun berichtete, steht die Peoples Bank of China (PBOC) kurz davor eine eigene Kryptowährung herauszugeben. Ein genaues Datum, wann der Start der Währung geplant ist, kommunizierte der Bankvertreter auf der Konferenz allerdings nicht.

Dass China an einer eigenen Digitalwährung arbeitet, ist nichts neues. Wie weit die Pläne gediehen sind, schon. Erste Bemühungen in diese Richtung begannen Berichten zufolge bereits vor rund fünf Jahren. Allerdings hatte China seine Anstrengungen nach Bekanntwerden der Pläne Facebooks für eine eigene Kryptowährung noch einmal forciert.

Laut Mu soll das neue Digitalgeld die Zentralbankgeldmenge M0 ersetzen. Darunter versteht man den Bargeldumlauf und die Überschussreserven der Geschäftsbanken bei der Notenbank. Von der Digitalwährung erhofft sich China eine bessere Geld-Zirkulation und mehr Internationalisierung. Zudem dürfte diese dem Staat noch mehr Einblick in das Verhalten seiner Bürger ermöglichen, könnte die PBOC doch jede Finanztransaktion überblicken.

Wie "Bloomberg" unter Berufung auf Patente der Zentralbank berichtete, könnten Händler eine mobile Geldbörse herunterladen und Yuan in die neue Digitalwährung umtauschen, mit der sie dann Zahlungen digital tätigen und empfangen könnten.

China wäre die erste große Volkswirtschaft, die eine eigene Digitalwährung einführt. Zwar forschen einige Notenbanken, darunter die Zentralbank Schwedens, schon länger an ähnlichen Konzepten. China scheint in den Bestrebungen aber deutlich weiter zu sein als andere Länder.

Die von Facebook geplante Libra will Peking indes als "ausländische Währung" gut überwachen. Diese müsse unter die Oberaufsicht der Zentralbank gestellt werden, damit die geldpolitische Autorität der Zentralbank gewährleistet sei, hieß es auf der Konferenz weiter.

Ursprünglich hatte Facebook geplant, seine Digitalwährung Libra in der ersten Jahreshälfte 2020 an den Start zu bringen. Nach Einwänden von Regulierern und aus der Politik kündigte das Unternehmen dann aber an, die Kryptowährung nur mit Zustimmung der Aufsichtsbehörden einzuführen.

mit dpa-afx

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