Samstag, 19. Oktober 2019

Bitcoin-Börse: Coinbase bekommt 300-Millionen-Investment Warum die Bitcoin-Börse Coinbase jetzt acht Milliarden Dollar wert ist

Bitcoin-Werbung in Tokio

Da scheint noch jemand an Bitcoin und Co. zu glauben: Die US-amerikanische Börse Coinbase erhält 300 Millionen US-Dollar von Investoren. Die Bewertung des 2012 gegründeten Unternehmens ist dabei in die Höhe geschnellt: Coinbase beziffert sie mit stolzen acht Milliarden Dollar. Noch im August 2017 soll sie bei rund 1,6 Milliarden gelegen haben.

Maßgeblich beteiligt hat sich nun der New Yorker Wagniskapitalgeber Tiger Global, der sein Kapital bereits in Firmen wie Facebook, LinkedIn oder Airbnb steckte. Das Bostoner Schwergewicht Wellington Management zog in der Finanzierungsrunde ebenfalls mit. Wellington verwaltet ein Vermögen von rund einer Billion US-Dollar und hat Krypto-Assets erst in diesem Jahr für sich entdeckt.

Das Mega-Investment in dem Sektor kommt zu einem überraschenden Zeitpunkt: Der Abgesang auf Kryptowährungen ist vielerorts groß. Was sehen also Investoren in Coinbase?

Das Start-up aus San Francisco hat während des Krypto-Hypes besonders viele neue Investoren angezogen. Als der Bitcoin-Kurs vergangenes Jahr bis an die 20.000-Dollar-Marke stieg, meldeten sich mehr und mehr Nutzer bei der Börse an. Für jeden Kauf einer digitalen Währung kassiert das Unternehmen eine Gebühr. Allein 2017 soll Coinbase laut Medienberichten so rund eine Milliarde Dollar umgesetzt haben.

Die großen Summen sollen erst noch fließen

Zwar plant Coinbase, weitere Kryptowährungen auf seiner Plattform anzubieten. Das Start-up will allerdings nicht nur auf das Privatkundengeschäft setzen. Das große Geld soll mit institutionellen Investoren erst noch verdient werden. Die haben sich bisher zurückhaltend gezeigt, hohe Summen in Kryptowährungen zu investieren. Neben den starken Kursschwankungen ist es vor allem ein Hindernis, dass die Aufbewahrung unsicher ist. Diverse Wallets wurden in der Vergangenheit gehackt: Laut der Nachrichtenagentur "Reuters" wurden in den ersten neun Monaten 2018 Kryptowährungen im Wert von rund 930 Millionen US-Dollar gestohlen. Bei manchen Anbietern sind Millionen auf der Blockchain eingefroren.


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Vor wenigen Tagen zeigte Coinbase eine Lösung, die diese Probleme beseitigen soll. Das Unternehmen hat für seine Tochterfirma "Coinbase Custody" eine Lizenz der Bankenaufsicht New York bekommen. Die neue Treuhandgesellschaft soll große Summen Kryptowährung aufbewahren - und das besonders sicher. Produktmanager Sam McIngvale betonte, man habe mit der Lizenz regulatorische Klarheit geschaffen und zeige, dass Coinbase sich rigoros an Standards - beispielsweise in Sachen Geldwäschevermeidung - halte.

Dass institutionelle Geldgeber sich Kryptowährungen vermehrt zuwenden, wird von der Branche mit Spannung erwartet. Die Hoffnung: Je mehr Etablierte investieren, desto eher bewegt sich der gedrückte Markt wieder nach oben. Positiv gewertet wurde zuletzt der Einstieg der US-amerikanischen Eliteuniversität Yale Anfang Oktober. Fondsmanager David Swensen investierte aus seinem 30-Milliarden-Dollar-Topf in zwei Fonds, die Krypto-Investments tätigen. Ob die großen Investoren mit ihren Beteiligungen aber auch glücklich werden, ist offen.

Krypto bleibt schwierig

Auch die Kursschwankungen will Coinbase angehen. Um Kunden stabilere Investments anbieten zu können, hat das Start-up vergangene Woche einen sogenannten Stable Coin eingeführt. Bei dieser Art der Kryptowährung sind die Token an die Wertentwicklung eines Assets oder einer Fiatwährung geknüpft. Die digitale Währung ist dadurch viel weniger volatil als Bitcoin und Co. Vorteile, die man sich bei Coinbase erhofft, sind unter anderem, dass mit dem Stable Coin leichter programmiert werden und die Währung schnell versendet und empfangen werden kann.

Asiff Hirji, Präsident des Unternehmens, glaubt naturgemäß, dass Kryptowährungen und die unterliegende Blockchain-Technologie nur größer und einflussreicher werden. Tatsächlich steht das Ökosystem allerdings vor einer Menge Probleme. So sind die einst so innovativ wirkenden ICO-Finanzierungen nach dem Hype 2017 abgeflaut. Betrügerische und undurchsichtige Projekte haben sie in Verruf gebracht. Generell fehlt es außerdem noch immer an Einsatzgebieten der Währungen im Alltag. Selbst die älteste Währung Bitcoin wird kaum bei Händlern akzeptiert.

Hinzu kommt, dass zahlreiche Länder den Handel mit Kryptowährungen ganz verboten haben. In anderen Märkten ist weiter unsicher, wie die Währungen zu regulieren sind. In Deutschland hat erst vor Kurzem das Berliner Kammergericht ein überraschendes Urteil gefällt und der deutschen Finanzaufsichtsbehörde Bafin die Kompetenz abgesprochen, den Sektor zu überwachen. Demnach müsste die Behörde bei Geschäften mit Bitcoin nicht mehr um Erlaubnis gefragt werden, denn laut Gericht handelt es sich dabei nicht um ein Finanzinstrument. Auch das macht den Sektor wackliger.

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