Birgit Haderer wechselt zu Personio Münchener Start-up holt Zalandos Top-Finanzerin

Wechselt zum 1. Juni nach München: Zalandos Top-Finanzerin Birgit Haderer

Wechselt zum 1. Juni nach München: Zalandos Top-Finanzerin Birgit Haderer

Foto: Zalando

Der Berliner Onlinehändler Zalando verliert seine Top-Finanzmanagerin Birgit Haderer (41). Nach mehr als sieben Jahren, in denen die Ex-Goldman-Bankerin unter anderem den Börsengang des E-Commerce-Unternehmens mitverantwortete, wechselt Haderer zum Münchner Personalsoftware-Start-up Personio.

Haderer, gerade in München angekommen, verdeckt beim Zoom-Interview die Umzugskartons in ihrer neuen Bleibe mit einem personalisierten Hintergrund. Sie sagt: "Mich haben die Aufbruchsstimmung überzeugt und die flache Hierarchie. Hier zählt das gute Argument."

Ab dem 1. Juni will Haderer bei Personio als Chief Financial Officer Strukturen für das schnelle Wachstum schaffen. Bei ihr laufen in der Geschäftsführung dann die Themen Finanzen, Recht und Business Intelligence zusammen.

Die Managerin, die auch im Aufsichtsrat des Fachverlags Springer Nature sitzt, arbeitete vor ihrer Zeit bei Zalando neun Jahre lang als Bankerin bei Goldman Sachs in San Francisco und begleitete dort unter anderem mehrere Börsengänge in der Clean-Tech-Branche. 2013 folgte der Wechsel zu Zalando, 2014 der IPO.

Nach dem Abgang des Zalando-Finanzchefs Jan Kemper (40) im April 2017 rückte Birgit Haderer auf dessen Position und berichtete direkt an den Vorstand, bestehend aus Robert Gentz (36), Rubin Ritter (38) und David Schneider (37). Vergangenes Jahr im April schufen die Zalando-Chefs zwei weitere Posten neben sich - die des CFOs und CTOs. Oberster Finanzer wurde David Schröder, Technologiechef Jim Freeman.


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Für die ausschließlich männlichen Besetzung des Vorstands erntete Zalando viel Kritik. Ein halbes Jahr später setzte sich der Vorstand dann offiziell das Ziel, bis 2023 einen Frauenanteil von mindestens 40 Prozent auf den oberen sechs Managementebenen zu erreichen. Angaben zum aktuellen Anteil machte Zalando auf Nachfrage nicht.

Bei Personio holt Gründer Hanno Renner (30) mit Haderer die zweite Geschäftsführerin innerhalb kurzer Zeit in die Leitung des Start-ups. Im März hatte er bereits Geraldine MacCarthy als Chief Revenue Officer für das nun sechsköpfige Gremium angeworben. Die ehemalige Dropbox-Europachefin verantwortet Personios Marketing- und Vertriebsaktivitäten.

Das 2015 gegründete Start-up mit mittlerweile 450 Mitarbeitern gilt nach Ansicht der Investmentbank GP Bullhound als Kandidat, in den kommenden zwei Jahren die Milliardenbewertung zu knacken. Personio verkauft Software für das Personalmanagement an kleine und mittelgroße Unternehmen, also beispielsweise Lösungen für die Urlaubsplanung und das Bewerbermanagement.

Namhafte Investoren wie Index, Accel und der Samwer-Fonds Global Founders Capital haben das Start-up bisher mit rund 130 Millionen US-Dollar finanziert; erst im Januar 2020 sagten sie 75 Millionen Dollar zu. Bei der Gelegenheit stieg auch Branchenkenner Lars Dalgaard als Gesellschafter ein: Er gründete 2001 das HR-Software-Unternehmen SuccessFactors und verkaufte es 2012 für 3,4 Milliarden US-Dollar an SAP.

Renner will die Expansion von Personio mit dem neuen Management vorantreiben, den Umsatz vervielfachte er im vergangenen Geschäftsjahr nach eigenen Angaben auf eine zweistellige Millionensumme. Neben den Niederlassungen in München, London und Madrid soll bald ein Büro in Dublin folgen. Den Markt beziffert Birgit Haderer auf 1,2 Millionen europäische Unternehmen, die jeweils bis zu 1000 Mitarbeiter beschäftigen. Aktuell hat Personio mehr als 2000 Unternehmenskunden: "Da gibt es viel zu tun", sagt Haderer, "und ich kann meine Blusenärmel wieder hochkrempeln".

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