Ex-Karstadt-Investor Nicolas Berggruen investiert in Change.org

Lange war es still geworden um den einstigen Karstadt-Investor Nicolas Berggruen. Jetzt ist der selbsterklärte Philantrop zurück: Als Geldgeber der Petitionsplattform Change.org - in Gesellschaft, die ganz nach seinem Geschmack sein dürfte.
Nicolas Berggruen: Der selbsternannte Philanthrop meldet sich zurück

Nicolas Berggruen: Der selbsternannte Philanthrop meldet sich zurück

Foto: Thibault Camus/ ASSOCIATED PRESS

Hamburg - 2014 dürfte für Nicolas Berggruen wohl nicht unter die Rubrik Erfolgsjahre fallen. Auch wenn es geschäftlich prächtig für ihn gelaufen sein mag, imagetechnisch war das Jahr ein kompletter Reinfall: Vom weißen Karstadt-Ritter wurde er in der öffentlichen Wahrnehmung zum Brutalo-Kapitalisten.

Sei neustes Investment aber hat das Zeug, ihn zurück in die Philantropen-Riege erster Klasse zurückzukatapultieren. Und lukrativ dürfte es obendrein sein.

Zusammen mit Tech- und Investmentgrößen wie Microsoft-Gründer Bill Gates, Virgin-Gründer Richard Branson, LinkedIn-Mitgründer Reid Hoffman, eBay-Gründer Pierre Omidyar, Yahoo-Mitgründer Jerry Yang, Twitter-Mitgründer Evan Williams und Hollywoodstar Ashton Kutcher investiert Berggruen in die Petitionsseite Change.org. 

Wieviel die einzelnen Teilnehmer der 25 Millionen Dollar schweren Series-C-Finanzierungsrunde beisteuern, kommunizierte die Organisation nicht. Die Beträge sollen zwischen 250.000 und mehreren Millionen Dollar liegen.

2007 an den Start gegangen, ist Change.org eine der großen Internet-Erfolgsgeschichten der vergangenen Jahre. Mehr als 80 Millionen Nutzer in 196 Ländern haben sich darüber bereits an Petitionen beteiligt, sie lanciert oder nutzen die Seite, um sich über gesellschaftliche Entwicklungen auf dem Laufenden zu halten.

Und tatsächlich schafften es einzelne Kampagnen, an denen sich teilweise mehr als eine Million Nutzer beteiligten, Änderungen herbeizuführen. So entfernte beispielsweise der Getränkehersteller Gatorade nach einer Petition eine mutmaßlich gefährliche Substanz aus seinen Getränken, nachdem mehr als 200.000 Menschen diese Forderung unterschrieben hatten.

Auch politische Forderungen nach dem Tod des Schwarzen Michael Brown in Ferguson oder der letztlich nicht vollzogenen Todesstrafe für die sudanesische Christin Meriam Yehya Ibrahim stießen auf der Plattform auf rege Beteiligung - und mediales Interesse.

Keine Non-Profit-Organisation sondern Tech-Unternehmen mit politischen Ambitionen

Mit den neuen Millionen im Rücken will "das größte Megaphon aller Zeiten" wie sich Change.org selbst tituliert, weiter wachsen. Neben dem Ausbau des Mobilangebots sollen Petitionsteilnehmer künftig auch in direkten Kontakt mit den Entscheidungsträgern treten und "mit ihnen gemeinsam an Lösungen arbeiten" können, wie Change.org mitteilt. 

Zudem strebt Change.org nach den Worten von CEO Ben Rattray tiefer ins Politikgeschäft und will künftig auch eine Plattform zur Organisation von Wahlentscheidungen und zum Spendensammeln werden. "Petitionen sind für Change.org das, was Bücher für Amazon waren" , zitierte ihn die "New York Times" .

Mehr als eine Million Dollar pro Kampagne

Anders als die Endung.org vermuten lässt, handelt es sich bei Change.org um keine Non-Profit-Organisation. Das Unternehmen, das, das in der Vergangenheit bereits Führungskräfte von Firmen wie Google  , Twitter  oder Netflix  abwarb, verdient gutes Geld, das es als so genannte "B Corporation" jedoch wieder reinvestiert, was dem Unternehmen auch die Endung .org bescherte.

Speziell beworbene Kampagnen dort können laut "Wall Street Journal"  mehr als eine Million Dollar kosten. Alleine im vergangenen Jahr zählte die Seite laut "WSJ" 447 zahlende Kunden, was dem Unternehmen bei einigen laut "Washington Post" schon den Beinamen"Change.biz"  einbrachte.

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