Freitag, 23. August 2019

Subventionen für deutsche Batteriezellenfabrik Merkels mühsames Aufholmanöver bei E-Autos

Wirtschaftsminister Peter Altmaier und Bundeskanzlerin Angela Merkel (beide CDU) wollen eine deutsche Batteriezellenfabrik

Jetzt kommt die Bekräftigung noch einmal von ganz oben: Bundeskanzlerin Angela Merkel hat am Mittwoch betont, dass in Deutschland eine eigene Batteriezellenfertigung aufgestellt werden soll. Kooperationen mit anderen europäischen Ländern seien dafür angedacht, wie Wirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) schon am Dienstag in Brüssel ankündigte. Es bedürfe aber noch abschließender Vereinbarungen.

Details zu der geplanten Batteriezellenproduktion in Deutschland hielt Altmaier zurück. "Aber wir sind mitten in den Vorbereitungen." Bei einem Treffen in Berlin im November solle das Projekt vorangebracht werden. Zuletzt war er mit der polnischen Regierung im Austausch. Das Wirtschaftsministerium antwortete manager-magazin.de bisher nicht auf eine Anfrage zu den Hintergründen.

Die Fabrik soll gebaut werden, um im Wettbewerb mit Asien bestehen zu können. Bisher beziehen die deutschen Automobilkonzerne BMW, Daimler, VW und Audi ihre Batteriezellen für die Akkus der Elektroautos vor allem von asiatischen Herstellern. Zu den größten gehören der Überraschungsaufsteiger CATL, Panasonic und LG Chem.

Ist Deutschland schon abgehängt?

Der Batteriezellenbedarf der deutschen Konzerne wird aber in den kommenden Jahren stark ansteigen, da mehr und mehr E-Autos produziert werden. Die Bundesregierung und Gewerkschaften befürchten deshalb eine starke Abhängigkeit von asiatischen Zulieferern und drängen seit Längerem auf eine nationale oder zumindest europäische Lösung. Doch die Konzerne selbst scheuen die großen Investitionen in eine solche Fabrik bisher und sehen die Regierung in der Verantwortung.


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Das Problem scheint die Bundesregierung mit Geld lösen zu wollen. Laut einem Bericht des "Tagesspiegels" sollen je eine Milliarde Euro Fördergelder in den Bau zweier Batteriezellenfabriken fließen - eine davon in der Lausitz. Mit 600 Millionen Euro solle zudem eine Forschungsfabrik subventioniert werden. Das Batteriezellenkonzept solle am 19. Oktober vom Kabinett genehmigt werden.

Die asiatischen Produzenten sind allerdings Jahre voraus. Es ist unklar, wie viel die Milliardensubventionen daran noch ändern können. Auch ist für die Produktion der Batteriezellen in Deutschland ein Konsortium privater Unternehmen erforderlich. Zum Stand der Gespräche äußerte sich das Wirtschaftsministerium auf Anfrage bisher nicht. Merkel zeigte sich zuletzt frustriert: "Kann es gutgehen, wenn wir als ein Kontinent, der Autos herstellt, die Batteriezellen aus Asien kaufen?", zitiert sie der "Tagesspiegel".

Zumindest den chinesischen Zellenhersteller CATL konnte die Regierung zuletzt überzeugen, ein Werk in Deutschland zu eröffnen. Die erste große Fertigung in Deutschland soll in Thüringen entstehen, für CATL gibt es deutsche Fördermittel und Zugang zur Forschung. BMW hat in dem Zuge einen Milliardenauftrag an das chinesische Unternehmen vergeben.

Da die Bundesregierung das Ziel verfehlen wird, bis 2020 eine Million E-Autos auf die Straßen zu bringen, steht man in Berlin unter Druck. Wie Merkel am Mittwoch erneut einräumte, sei die Verbreitung von E-Autos langsamer gegangen als erwartet. Die Nationale Plattform Elektromobilität hatte zuvor in einem Bericht das Fazit gezogen, dass das Ziel auf 2022 verschoben werden müsse.

Auch Verkehrsminister Andreas Scheuer sagte: "Wir haben sicherlich verzögerte Startphasen gehabt." Nun sei man aber "kräftig am Aufholen". Ob das schnell genug geht, ist die Frage.

Mit Material von dpa-afx und rtr

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