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Warum Samsung beim Note 7 die Reißleine ziehen musste Samsungs 4,5 Milliarden Euro schwere Firewall

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Es ist das "Worst-Case-Szenario". Schlimmer hätte es für den Technologieriesen Samsung kaum laufen können. Erst der Rückruf des Galaxy Note 7 wegen brennender Batterien. Dann die peinliche Tatsache, dass die Ingenieure das Problem nicht in den Griff bekamen. Und nun das endgültige Aus für das Flaggschiff des Konzerns, mit dem die Südkoreaner eigentlich dem ewigen Konkurrenten Apple im Highend-Bereich wieder Paroli bieten wollten.

Das alles ist wie ein Akku jetzt explodiert: Milliarden Produkt- und Entwicklungskosten sind verbrannt, das Markenimage stark angeschlagen. Und die mehr als drei Millionen produzierten Luxus-Smartphones, so Experten, können nun eigentlich nur noch verschrottet werden.

Ein Szenario, das Analysten der Investmentbank Normura noch kurz zuvor klar als "Worst-Case-Szenario" bezeichneten - und das Samsung ihren Schätzungen zufolge in diesem und im kommenden Jahr bis zu 4,5 Milliarden Euro  kosten dürfte.

Weihnachtsgeschäft ohne Luxusmodell

Tatsächlich kommt das Debakel zu einem denkbar ungünstigen Zeitpunkt: Zum einen, weil Samsung damit kurz vor der für Tech-Konzerne so wichtigen Feiertagssaison ohne sein Luxusmodell da steht. Zum anderen, weil der Imageschaden den Konzern in einer denkbar ungünstigen Zeit trifft. Denn die Ära, in der die Südkoreaner den Smartphonemarkt zusammen mit Apple unter sich aufteilten, ist längst vergangen.

Zwar dominiert Samsung laut dem Analysehaus IDC mit einem weltweiten Anteil von 22,4 Prozent noch immer den Markt. Apple kam im zweiten Quartal gerade einmal auf 11,8 Prozent.

Doch während Apple vor allem auf extrem lukrative Highend-Modelle setzt, sind die Modelle bei Samsung im Durchschnitt deutlich günstiger - und damit meist auch deutlich weniger lukrativ für den Hersteller.

Absturz in China - Druck in Indien

Und noch etwas dürfte den Koreanern aktuell große Sorgen bereiten. Während sie in westlichen Märkten, in den USA und Großbritannien noch mit 37 Prozent beziehungsweise 36 Prozent Marktanteil die Nase vorn haben  beziehungsweise geichauf mit Apple liegen, sind sie auf dem größten Smartphonemarkt der Welt in China mittlerweile von Apple und Xiaomi abgehängt.

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Und auch in Indien bekommt Noch-Weltmarktführer Samsung immer mehr den Konkurrenzdruck von Newcomern wie Micromax, Xiaomi und Huawei zu spüren,  während Apple mit seiner Luxusmarken-Strategie clever in einem anderen Segment ebenfalls von dem starken Wachstum profitieren kann.

Apple-Aktie steigt

Experten schätzen nun, dass die Note-7-Krise bei Samsung die Verkäufe alleine bei Apple kurzfristig um 14 bis 15 Millionen Geräte nach oben schnellen lassen könnte  - Samsung-Kunden, die möglicherweise für immer verloren sind. Haben sich in der Vergangenheit Kunden von Apple doch als deutlich loyaler erwiesen als jene von Samsung. Die Apple-Aktie jedenfalls legte zuletzt um knapp 2 Prozent zu.

Doch so schmerzhaft der Imageschaden auch ist, der sich auch auf andere Segmente auszudehnen droht. Samsung ist längst nicht mehr so abhängig vom Smartphone-Geschäft wie noch vor ein paar Jahren.

Warum Smartphones für Samsung immer unwichtiger werden

Kamen noch vor vier Jahren die Gewinne von Samsung Electronics in erster Linie aus dem Geschäft mit IT und mobiler Kommunikation - also dem Segment mit Smartphones, Laptops und Digitalkameras -, hat sich dieser Anteil in den vergangenen Jahren deutlich in Richtung der drei übrigen Geschäftssegmente verschoben. Diese sind neben dem

•• Geschäft mit Displays und dem

••• Halbleitersegment

••• die sogenannten "Consumer Electronics". Produkte also wie Fernseher, Kühlschränke bis hin zu Waschmaschinen.

Halbleiter- und Display-Geschäft sind jetzt schon die halbe Miete

Schon für das laufende Jahr wird erwartet, dass Halbleiter und Display-Geschäft zusammen etwa die Hälfte des Gewinns von Samsung Electronics ausmachen dürften. 2017 dürfte es nach Schätzungen von Nomura bereits deutlich mehr sein.

Aber auch wenn Samsung seinen Fokus vom Smartphone-Geschäft schon längst auf andere Bereiche ausgeweitet hat, der vom Note-7-Debakel ausgehende Imageschaden trifft nicht nur das Geschäft mit Handys.

Nachdem Telekom-Konzerne wie Verizon, T-Mobile und AT&T angesichts neuer Brandmeldungen einfach die Geräte nicht mehr austauschten, blieb Samsung gar nichts anderes übrig als die Reißleine zu ziehen, um den Kollateralschaden für die anderen Bereiche möglichst in Grenzen zu halten.

Insofern darf man die geschätzten 4,5 Milliarden Euro Schaden im Zuge des Smartphone-Debakels wohl auch als milliardenschwere Firewall für die übrigen Geschäftsbereiche von Samsung interpretieren.

So schmerzhaft das Versagen für Samsung letztlich ist, die finanziellen Konsequenzen dürften sich letztlich im Grenzen halten. Das Analysehaus Nomura jedenfalls rechnet selbst angesichts des teuren mittlerweile eingetretene Worst-Case-Szenarios für 2017 mit einem Gewinnsprung von satten 30 Prozent auf 37,6 Billionen Won (mehr als 30 Milliarden Euro) .

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