Sonntag, 15. Dezember 2019

Papierloses Büro Zettels Albtraum

Apps zum Dokumentenmanagement: Gini, PaperOrganizer und Co.
Corbis

Der Traum vom papierlosen Büro ist für das Startup Doo geplatzt. Auch Konkurrent Smarchive hat sich einem Strategieschwenk unterzogen und heißt jetzt Gini. Dennoch herrscht Aufbruchstimmung. Auf der CeBIT hat nun ein Schwergewicht den Einstieg in die private Dokumentenverwaltung verkündet.

Hamburg - Rechnungen, Verträge Kassenbelege: Wenn man sie braucht, sind sie oft nicht zur Hand. Das Phänomen ist so alt wie der Wunsch, dem täglichen Zettelwust Herr zu werden. Vor allem in Deutschland haben sich Startups dieser Vision verschrieben.

Eine Zeit lang lieferten sich die Pioniere Smarchive und Doo ein Rennen um den digitalen Ordner. Dieser sollte nicht nur Belege und Formulare in der Dropbox oder auf der heimischen Festplatte durchsuchbar machen, sondern alles auch intelligent ordnen und zum Beispiel auf auslaufende Kündigungsfristen oder günstigere Tarife und Preise bei anderen Anbietern hinweisen.

Zumindest für Doo ist dieser Traum nun zerplatzt. Seit Februar vermeldet der Dienst auf seiner Website: "We are building something new." Zwar habe der Dienst große Unterstützung von Konzernen wie Apple Börsen-Chart zeigen , Google Börsen-Chart zeigen oder Microsoft Börsen-Chart zeigen erhalten und es so auf zuletzt 300.000 Nutzer gebracht, sagte der hinter dem Startup stehende Seriengründer Frank Thelen dem Technologie-Magazin t3n.

"Allerdings muss es dann auch gelingen, mit diesem Wachstum im Rücken eine täglich aktive Nutzerbasis aufzubauen. Und hier stellen uns die Zahlen ein wirklich schlechtes Zeugnis aus", so Thelen.

Doo-Chef Thelen: Kein Markt in den kommenden Jahren

Für die Ehefrau des Seriengründers, der er vor der Gründung von Doo versprach, endlich sein Problem mit verlorenen Quittungen zu lösen, dürfte das Scheitern des Bonner Startups indes nicht so ärgerlich sein wie für die Investoren. Mehrere Wagniskapitalgeber hatte Thelen - mit Beteiligungen an Kaufda, MyTaxi und 6Wunderkiner einer der Stars der deutschen Startup-Szene - von seiner Vision eines papierlosen Heimbüros überzeugt. Mehr als zehn Millionen Dollar haben unter anderem Xing-Gründer Lars Hinrichs, Managementberater Hermann Simon (Simon-Kucher & Partners), der DuMont-Verlag und der Münchner Venture-Capital-Geber Target Partners in Doo investiert.

Dennoch soll es - wenn auch nicht für die bisherige App - so doch zumindest für das Unternehmen weitergehen. Mehr als dreißig Mitarbeiter arbeiten Thelen zufolge an zwei neuen Produkten, in die vor allem das angesammelte Know-how des Startups rund um die sichere Dokumentensynchronisation fließen soll.

Für ein papierloses Büro, das Privatleute per Smartphone organisieren, sieht der Doo-Chef hingegen in den kommenden Jahren keinen Markt.

Ein Sinneswandel, der manchen Wetbewerber überrascht. "Das der Markt nicht reif ist, glaube ich nicht", sagt Steffen Reitz, Mitgründer und CEO beim Doo-Rivalen Gini. Wenn das Produkt an die heutigen Bedürfnisse maßschneidert sei, könne es funktionieren. "Man muss die Flexibilität haben, sich anzupassen." Genau diesen Prozess durchläuft derzeit sein junges Unternehmen, das einst unter dem Namen "Smarchive" gestartet war.

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