Samstag, 18. Januar 2020

Papierloses Büro Zettels Albtraum

Apps zum Dokumentenmanagement: Gini, PaperOrganizer und Co.
Corbis

2. Teil: Gini-Chef Reitz: "Damit schaffen wir ein offenes Dokumenten-Ökosystem"

Aus Smarchive wurde Gini: "Das smart ist geblieben, das Archiv in den Hintergrund gerückt", sagt Reitz. Letzteres könnten Unternehmen wie Dropbox viel besser. "Wir - aber auch Doo - haben uns lange auf die eierlegende Wollmilchsau konzentriert", sagt Reitz. Dies solle sich nun ändern.

Der Begriff Gini - Namenspatronin war die bezaubernde Jeanny, der bekannteste Flaschengeist der 60er Jahre - soll dabei vor allem eines in den Vordergrund rücken: Die intelligente Dokumentensoftware des Startups, die Dinge wie von Zauberhand erledigt - sei es die Bezahlung von Rechnungen, die Kündigung von Verträgen oder gar die Steuererklärung. "Die Ein-Klick-Steuererklärung sehe ich zwar noch nicht für 2014, aber 2015 kommen wir der Sache schon näher", sagt Reitz.

Damit solche Ankündigungen sich erfüllen, konzentriert sich das Gini-Team ganz auf die Semantik, also die Technologie hinter der korrekten Erfassung und automatischen Zuordnung und Verschlagwortung von E-Mails, Rechnungen und Verträgen. Gleichzeitig setzt Gini künftig auf Partner.

Der bislang wichtigste ist die Deutschen Telekom, die nach einem frühen Investment inzwischen rund 29 Prozent an dem Startup hält. Darüber hinaus kooperiert Gini inzwischen auch mit Größen anderer Branchen, darunter die Deutsche Post und die holländische Direktbank ING Diba. Diese halten allerdings keine Anteile. "Wir verdienen dieses Jahr locker siebenstellige Umsätze durch unsere Partner", sagt Reitz.

Geschäftskunden im Blick

Doch dies soll nur der Anfang sein. Denn jüngst haben die Münchener die Schnittstelle für ihre Technologie allgemein verfügbar gemacht. "Damit schaffen wir ein offenes Dokumenten-Ökosystem, an dem sich jeder kleinere App-Entwickler, neu emporkommende Startups oder auch großer Partner andocken kann", sagt Reitz.

Wie die künftigen Partner das Know-how von Gini nutzen, ist ihnen überlassen. Nur eines steht fest: Haben sie mit ihren Apps Erfolg, will auch Dokumentenmanagement-Startup daran mitverdienen. Reitz schweben zwei Varianten vor: "Es gibt entweder das Modell, dass wir für eine bestimmte Zahl an Zugriffen auf unser System Geld verlangen oder alternativ 30 Prozent der Umsätze fällig werden - was vor allem für Startups interessant ist."

Aber auch Firmenkunden hat Reitz im Visier: "Ein Reisekosten-Tool für Geschäftskunden halte ich für denkbar", sagt er.

Es sind solche Sätze, die jetzt auch andere Spieler im Markt aufmerksam auf die Möglichkeiten kleiner handlicher Dokumentenmanagement-Apps gemacht haben. Eines dieser Unternehmen, die in Germering bei München ansässige Docuware GmbH, gehört zu den weltweiten Marktführern von automatisierten Dokumentenmanagementsystemen.

Seite 2 von 3

© manager magazin 2014
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung