Samstag, 25. Januar 2020

Steuern auf Cash-Reserven Apples 210-Milliarden-Dollar-Problem

Apple-Chef Tim Cook: Es ist "nicht smart", so viel Geld im Ausland zu halten. Apples Cash-Reserven könnten schon bald von 230 Milliarden auf unter 100 Milliarden Dollar fallen
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Apple-Chef Tim Cook: Es ist "nicht smart", so viel Geld im Ausland zu halten. Apples Cash-Reserven könnten schon bald von 230 Milliarden auf unter 100 Milliarden Dollar fallen

13 Milliarden Euro Steuern plus Zinsen soll Apple an Irland nachzahlen, fordert die EU-Kommission. Der Fall wirft ein Schlaglicht auf Apples riesiges Steuerproblem: Apples Cash-Reserven von 230 Milliarden Dollar könnten schon bald dramatisch schrumpfen.

Die Worte von EU-Wettbewerbskommissarin Margrethe Vestager dröhnen in Apples Konzernzentrale im kalifornischen Cupertino wie Donnerhall. Apple habe für die Jahre 2003 bis 2014 in Irland unerlaubte Steuervergünstigungen in Höhe von 13 Milliarden Dollar erhalten, so Vestager - und diese Summe soll Apple nun plus Zinsen zurückzahlen.

Dass Apple Börsen-Chart zeigen gegen diese Entscheidung vor Gericht ziehen wird und auch Irland sich gegen den Milliardensegen erbittert wehrt (man will schließlich nicht den Ruf eines Steuerparadieses verlieren), spielt nur eine untergeordnete Rolle. Und selbst wenn die EU ihre Position nach einem jahrelangen Rechtsstreit durchsetzen sollte, wäre eine Zahlung von 15 bis 20 Milliarden Euro (inklusiv Zinsen) für Apple noch verkraftbar.

Doch für Apple geht es um mehr als um eine Zahlung von 15 bis 20 Milliarden Euro an das Steuerparadies Irland. Es geht darum, welche Steuerlast auf Apples riesigen Geldberg - Apple hortet 230 Milliarden Dollar, davon rund 210 Milliarden Dollar auf ausländischen Konten - letztlich anfallen wird.

Der iPhone-Konzern besitzt nominell die höchsten Cash-Reserven der Unternehmenswelt. Doch diese könnten binnen kurzer Zeit um mehr als die Hälfte schrumpfen.

Cash-Reserven könnten auf 75 Milliarden Dollar fallen

Die Rechnung geht so: Apple besitzt aktuell Cash-Reserven von rund 230 Milliarden Dollar. Rund 90 Prozent davon - also rund 210 Milliarden Dollar - liegen auf ausländischen Konten, die zum Teil noch nicht oder nur zu einem geringen Satz versteuert sind. Macht die heutige Entscheidung der EU-Kommission Schule, dürfte die Zahl der Prozesse um Steuernachzahlungen und um unerlaubte Beihilfen zunehmen - kurzum, selbst wenn die Summe der Steuernachzahlung nicht weiter steigen sollte, bekommt Apple immer mehr Ärger mit seinem Geldberg im Ausland.

Um das Problem zu lösen, könnte Apple Börsen-Chart zeigen das im Ausland verdiente Geld in die USA transferieren - doch dann würden laut aktueller US-Steuergesetzgebung zwischen 35 und 40 Prozent Steuern darauf fällig. Die Cash-Reserven im Ausland würden also von 210 Milliarden Dollar auf rund 135 Milliarden Dollar schrumpfen. Hinzu kommen rund 20 Milliarden Dollar Cash, die Apple bereits in den USA versteuert hat: Das ergibt versteuerte Geldreserven von rund 155 Milliarden Dollar.

Damit würde Apple riesiger Geldberg um rund ein Drittel schrumpfen, doch im Gegenzug gewinnt der Konzern wieder strategischen Freiraum. Die versteuerten Milliarden sind für Apple dann wieder weltweit für Investitionen oder Übernahmen einsetzbar.

Rund 80 Milliarden Dollar Schulden

Den dann "freien" 155 Milliarden Dollar Cash stehen jedoch rund 80 Milliarden Dollar Schulden gegenüber. Apple hat in den vergangenen drei Jahren kurz- und langlaufende Anleihen am Kapitalmarkt begeben, um sein riesiges Aktienrückkauf- und Dividendenprogramm zu finanzieren.

Da mit den zuletzt sinkenden iPhone-Verkäufen auch die Wachstumsstory des Konzerns Risse bekommen hat, muss Apple-Chef Tim Cook seine Aktionäre auf andere Weise bei Laune halten: Für die Zahlung von vierteljährlichen Dividenden sowie für Rückkäufe der eigenen Aktien gibt Apple derzeit rund 50 Milliarden Dollar pro Jahr aus. Der Konzern ist zwar nach wie vor hochprofitabel, doch ohne Anleihen, sprich Schulden, lässt sich ein Programm dieser Größenordnung kaum finanzieren.

Abzüglich der 80 Milliarden Dollar Schulden verbleiben Apple dann noch rund 75 Milliarden Dollar. Das sind immer noch gewaltige Cash-Reserven, doch der riesige Geldberg von angeblich 230 Milliarden Dollar, der auch von Analysten immer mal wieder als Kaufargument für die Apple-Aktie angeführt wird, würde bei dieser Betrachtung um mehr als zwei Drittel schrumpfen.

Doch so weit will es Apple-Chef Cook nicht kommen lassen, wie sein heutiger Brief an die Apple-Community zeigt.

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