Mittwoch, 17. Juli 2019

Apple-Watch-Präsentation Apple will der Smartwatch einen Sinn geben

Zahlen, bitte: Das Bezahlsystem Apple Pay soll in der Smartwatch integriert sein

Apple Börsen-Chart zeigen wagt mit seiner ersten Computeruhr nicht nur den Eintritt in eine neue Gerätekategorie. Der iPhone-Konzern hat sich auch das Ziel gesetzt, sinnvolle Szenarien für die Nutzung eines Mini-Computers am Handgelenk zu erfinden. Schließlich ist einer der Gründe dafür, dass Computer-Uhren trotz einer Auswahl an Modellen diverser Hersteller immer noch ein Nischengeschäft sind, die Tatsache, dass viele Smartphone-Nutzer schlicht keine Verwendung dafür im Alltag sehen.

Laut letzten Berichten vor der vermeintlichen Präsentation der Apple Watch am Montag scheint das Konzept des Konzerns einen Nerv zu treffen. "Leute, die die Watch getragen haben, sagen, dass sie ihre Telefone viel, viel seltener als früher aus der Tasche holen", schrieb etwa das Technologie-Blog "Techcrunch". Einige sagten sogar, dass sie ihre iPhones tagsüber so gut wie gar nicht mehr nutzten. Eine zentrale Hilfe dabei sei "persönliche Assistentin" Siri, mit der man sich unterhalten kann - was auf der Uhr "unglaublich gut" funktioniere.

Einige Marktforscher wie James McQuivey von der Analysefirma Forrester Research erwarten, dass Apple in diesem Jahr mehr Uhren verkaufen werde als alle Anbieter von Technik fürs Handgelenk bisher insgesamt von ihren Geräten absetzen konnten. Die Latte liegt - zumindest für Apple-Verhältnisse - nicht sonderlich hoch. So wurden im vergangenen Jahr nach Berechnungen der Marktforschungsfirma Canalys insgesamt 4,6 Millionen "smarte" Armbänder verkauft. Darunter seien nur 720.000 Computeruhren mit dem von Google Börsen-Chart zeigen im Sommer vorgestellten Betriebssystem Android Wear gewesen.

Die Rivalen beeilten sich, kurz vor dem bisher für April angekündigten Marktstart der Apple Watch nachzulegen. So stellte der südkoreanische Konzern LG auf dem Mobile World Congress in Barcelona Uhren mit Mobilfunk-Anschluss vor, die im Gegensatz zur Apple Watch ohne eine Verbindung zum Smartphone ins Netz gehen können. Der chinesische Hersteller Huawei versprach eine runde Computeruhr mit "zeitlosem" Design. Der aktuelle Marktführer Samsung Börsen-Chart zeigen hat schon seit Herbst die vierte Generation seiner Uhren im Handel, ein Modell mit Mobilfunk-Anbindung. Und der französische Elektronikhersteller Withings erzielte einen Achtungserfolg mit seiner smarten Armbanduhr Activité, die zwar nur wenige Aktivitäten aufzeichnen kann, deren Batterie aber auch acht Monate lang durchhält.

Bei der Apple Watch sind noch vor allem zwei große Fragen offen: Wie teuer werden die beiden hochwertigeren Ausführungen? Und wie lange genau hält die Uhr mit einer Akkuladung durch? Bei den Batterielaufzeiten habe Apple seit der ersten Ankündigung im September einige Fortschritte gemacht, berichtete der hervorragend vernetzte Technologieblogger Mark Gurman von "9to5Mac" am Wochenende. So halte die Uhr nun bis zu fünf Stunden bei ständiger aktiver App-Nutzung durch. Bei einem typischen Nutzungsszenario reiche die Akkuladung locker vom Morgen bis zum Abend. Dennoch müsse man die Uhr jede Nacht aufladen, was vier bis fünf Stunden dauere. Andere Blogs berichten, dass die Watch bereits in zwei Stunden wieder aufgeladen werden könne.

Bei den Preisen sickerte dagegen bis zuletzt gar nichts durch, es gibt nur Vermutungen. Apple selbst erklärte im September nur, dass die günstigste Sport-Version ab 349 Dollar zu haben sein werde. Sofort setzten die Spekulationen ein, was die Konzern für die "Edition"-Ausgabe mit einem Gehäuse aus 18-Karat-Gold verlangen werde. Die Schätzungen von Analysten und Apple-Experten liegen inzwischen in der Spanne zwischen 5000 und 10.000 Dollar - was eindeutig auf die Käufer teurer Schweizer Uhren zielen würde.

Aber wie will Apple das Problem lösen, dass die Technik einer Smartwatch im Gegensatz zu einer klassischen Uhr nach wenigen Jahren veraltet sein dürfte? Und wie teuer wird die mittlere Edelstahl-Version? Apple-Kenner John Gruber vermutet hier das größte Potenzial für einen Aufschrei nach Ankündigung der Preise. Er hält für möglich, dass die Edelstahl-Uhr nicht unter 749 Dollar verkauft wird. Denn: "Apple setzt die Preise nicht danach, was die Leute zahlen wollen, sondern danach, was sie bereit sind, zu bezahlen."

Mit den teuren Modellen der Uhr wagt sich Apple auf ein neues Spielfeld: Das Geschäft mit Luxus-Modeartikeln. Der Vorstoß wurde generalstabsmäßig vorbereitet. Die Chefin der Modemarke Burberry , Angela Ahrendts, leitet jetzt die Apple Stores. Der Top-Manager des Pariser Nobelhauses Saint Laurent, Paul Deneve, verschwand in Cupertino in einer Rolle für "Spezialprojekte", die Europachefin folgte. Aus der Luxus-Uhrenindustrie kam ein Verkaufsmanager der Marke TAG Heuer dazu, Patrick Pruniaux. Bei den Schweizer Uhrmachern ist der Weckruf inzwischen angekommen. Nachdem sie zunächst die Kompetenz von Apple in Frage gestellt haben, arbeiten sie nun verstärkt daran, "smarte" Funktionen in ihre Uhren zu integrieren.

Inzwischen ist bekannt ist, dass Apple an einem Auto arbeiten soll - ob es den etablierten Autoherstellern so ergehen wird wie der Uhrenindustrie?

Was man bisher über die Apple Watch weiß:

  • FORM: Das Display der Apple Watch ist im Gegensatz zu vielen runden Modellen der Konkurrenz viereckig. Es gibt zwei Bildschirmgrößen mit Diagonalen von 3,8 und 4,2 Zentimeter.
  • NUTZUNG: Auf der Uhr sollen Benachrichtigungen von Apps auf dem iPhone aufschlagen und bearbeitet werden, so dass das Telefon in der Tasche bleiben kann. Außerdem misst sie Fitness-Daten wie Herzschlag und kann die Musik-Wiedergabe kontrollieren. Man kann mit anderen Watch-Nutzern per Touch-Display kommunizieren.
  • INTERNET-VERBINDUNG: Nur über das iPhone.
  • VERSIONEN: Die Apple-Uhr gibt es in drei Ausführungen - die Sport-Variante mit Aluminium-Gehäuse, eine Edelstahl-Version und die "Edition" aus 18-Karat-Gold.
  • PREISE: Apple gab nur bekannt, dass die Sport-Ausführung ab 349 Dollar verkauft wird. Bei der goldenen "Edition" rechnen Beobachter mit Preisen zwischen 5000 und 10.000 Dollar. Auch die Preise der Armbänder dürften weit auseinandergehen.
  • BATTERIELAUFZEIT: Klar ist, dass man die Apple-Uhr - wie auch die meisten Geräte der Konkurrenz - jede Nacht aufladen muss. Sie soll aber einen Tag von morgens bis abends durchhalten.
  • WAS KANN SIE SONST NOCH: Mit der Uhr wird auch der Bezahldienst Apple Pay funktionieren, so dass es reichen soll, sie an das Kassen-Terminal zu halten. Konzernchef Tim Cook sagte, dass die Apple Watch auch den Autoschlüssel ersetzen solle.
  • APPS: Apple hat für die Apple Watch eine Entwicklungsumgebung bereitgestellt, so dass es hunderte Anwendungen von Drittanbietern für die Uhr geben wird.

ts/dpa-afx

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