Mittwoch, 20. November 2019

Apples Steuertricks Cook beschimpft EU - Vestager kontert

Zahlt ungern Steuern: Apple-Chef Tim Cook

Apple-Chef Tim Cook hat die EU-Kommission wegen einer milliardenschweren Steuernachforderung scharf angegriffen. Die Anschuldigungen aus Brüssel seien "politischer Mist", sagte der Manager im Interview mit der Zeitung "Irish Independent". Er werde mit der Regierung in Dublin zusammenarbeiten, um sich gegen die Entscheidung zu wehren. "Niemand hat etwas falsch gemacht, und wir müssen zusammenstehen." Das Steuerparadies Irland werde "schikaniert".

EU-Wettbewerbskommissarin Margrethe Vestager hatte eine höchst umstrittene Steuervereinbarung zwischen der irischen Regierung und dem US-Technologiekonzern untersagt und gefordert, dass Apple 13 Milliarden Euro Steuern nachzahlen muss. Sie warf dem Unternehmen vor, im Jahr 2014 auf seine in Europa erzielten und in Irland gebündelten Gewinne nur 0,005 Prozent Steuern gezahlt zu haben. Das sind 50 Euro Steuern auf eine Million Gewinn - ein Steuersatz, den Apple offenbar für völlig in Ordnung hält.

Apple hat nun viel zu verlieren - der Konzern , der zuletzt unter schwachen iPhone-Verkäufen litt, pöbelt daher umso lauter in Richtung EU. "Das ist totaler politischer Mist", sagte Cook. Er machte für die Entscheidung Vestagers - wenig überraschend - auch eine "Stimmung gegen amerikanische Firmen" verantwortlich. "Antiamerikanismus" sei ein Grund, warum Apple ins Visier genommen worden sei.

Cook sagte, bei der Entscheidung der EU-Kommission handele es sich um einen Versuch, an Steuereinnahmen zu kommen, die eigentlich dem US-Fiskus zustünden. Diese Äußerung von Cook wirft die Frage auf, warum Apple seit vielen Jahren so viel Geld im Ausland hortet, um es dem Zugriff der amerikanischen Steuerbehörde zu entziehen.

Im Sender RTE kündigte Cook, der erst kürzlich Kasse durch den Verkauf von Apple-Aktien gemacht hat, an, im Ausland erzielte Gewinne nun doch noch in die USA zu bringen. Dies werde voraussichtlich im kommenden Jahr geschehen.

Apple hat vor allem bei seinen ausländischen Töchtern umgerechnet über 200 Milliarden Euro angehäuft. Allein im vergangenen Jahr erzielte der kalifornische Konzern einen Profit von 16 Milliarden Euro. Cooks Problem: Führt er die im Ausland erzielten Gewinne in die USA zurück, werden darauf 35 bis 40 Prozent Steuern fällig - für Steuertrickser wie Apple Börsen-Chart zeigen eine grauenhafte Vorstellung. Aus diesem Grund werben Apples Lobbyisten in Washington seit Jahren für eine Steuerreform - sprich Steuererleichterungen für Konzerne wie Apple.

EU-Kommissarin Vestager weist Cooks Vorwürfe zurück

EU-Wettbewerbskommissarin Margarethe Vestager hat die Kritik von Apple an der Entscheidung zu Steuernachforderungen in Milliardenhöhe zurückgewiesen. Es handele sich nicht um eine politische Entscheidung, entgegnete Vestager am Donnerstag auf Vorwürfe von Apple-Chef Tim Cook. "Diese Entscheidung stützt sich auf die Fakten des Falls", betonte die Kommissarin.

Die EU-Kommission hält die Besteuerung von Apple in Irland für zu niedrig. Sie hatte das am Dienstag nach den Regeln der Gemeinschaft für illegal erklärt und die Regierung in Dublin aufgefordert, bis zu 13 Milliarden Euro von dem US-Konzern nachzufordern. Sowohl Apple als auch Irland und die USA kritisieren die Entscheidung. Apple-Chef Cook hatte sie in einem Interview der irischen Zeitung "Independent" mit scharfen Worten attackiert.

Vestager sagte, der Ball liege nun bei Apple und Irland. Zur Überprüfung der Entscheidung der Kommission gebe es Gerichte. "Die wollen die Fakten und natürlich müssen wir diese präsentieren", sagte die Kommissarin.

Lesen Sie auch:

Markus Söder springt Apple-Chef Tim Cook bei Apple nimmt EU nicht ernst - und parkt Geld auf Treuhandkonto

rei/Reuters

© manager magazin 2016
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung