Streit zwischen Apple und Facebook spitzt sich zu Warum Tim Cook den Konflikt mit Facebook riskiert

Tim Cook: Der Apple-CEO legt gegenüber Facebook eine härtere Gangart ein

Tim Cook: Der Apple-CEO legt gegenüber Facebook eine härtere Gangart ein

Foto: AFP

Dass Apple-CEO Tim Cook und Facebook-Chef Mark Zuckerberg sich nicht gut riechen können, ist alles andere als ein Geheimnis. Waren es früher vor allem gegenseitige Kriteleien und Ränkespiele, mit denen die beiden gegeneinander keilten, hat Apple nun zum ersten Mal Maßnahmen ergriffen, die für Facebook tatsächlich negative geschäftliche Auswirkungen  haben. Und das Zeug haben, die Produktentwicklung bei Facebook deutlich zu behindern.

Stein des Anstoßes ist eine App namens "Facebook Research". Diese hatte Facebook an Apple vorbei auf iPhones Freiwilliger platziert. Das ging über eine Funktion, die es Unternehmen erlaubt, hauseigene Anwendungen auf Geräte von Mitarbeitern zu bringen.

Tatsächlich war die App aber nicht an Mitarbeiter gerichtet , sondern an Freiwillige im Alter bis zu 35 Jahren. Gegen eine Zuwendung im Wert von 20 Dollar gewährten diese Facebook Zugriff auf umfangreiche Daten aus Chat-Unterhaltungen, verschickte Fotos und Videos, Adressen besuchter Webseiten und auch Daten aus Ortungsanwendungen.

Für Apple ein absolutes No-Go - nicht zuletzt angesichts der Tatsache, dass Facebook nicht zum ersten Mal mit der Datenschutzpolitik von Apple in Konflikt  geraten war.

Die App auf diesem Wege an externe Studienteilnehmer zu verteilen, sei ein Verstoß gegen die Regeln des Dienstes gewesen, betonte Apple - und entzog Facebook am Mittwoch die Zertifikate dafür.

Mit umfangreichen Folgen: Seitdem liefen auch interne Test-Apps zum Beispiel für künftige Versionen von Instagram oder Messenger nicht mehr auf iPhones der Facebook-Mitarbeiter, berichteten diverse US-Medien übereinstimmend.  Betroffen sei auch die App, über die Facebook den Transport von Mitarbeitern organisiert. Die "normale" Facebook-App ist indes nicht von dem Konflikt betroffen.

Warum Apple und Facebook trotzdem nicht ohne einander können

Für Facebook hat dies beträchtliche Folgen: Nicht nur, dass die Produktivität der Entwickler damit spürbar eingeschränkt wird. Auch die Tatsache, dass Facebook bis auf Weiteres keine internen Betaversionen seiner Apps verbreiten kann, dürfte die Arbeit der Facebook-Entwickler massiv behindern.

Auch Google saugte Daten ab

Facebook kündigte an, die seit 2016 eingesetzte App einzustellen. Und auch Google vernahm den Warnschuss. Laut "Techcrunch"  zog Google eine App zurück, die ähnlich wie "Facebook Research" Daten absaugte und auf die selbe Art verbreitet wurde.

Das strikte Vorgehen Apples, mit dem der iPhone-Konzern sein Image als zuverlässiger Datenhüter einmal mehr pflegen kann - und gleichzeitig Facebook als Datenkrake dastehen lässt, dürfte das Verhältnis der beiden Unternehmen kaum verbessern.

Warum Apple und Facebook trotzdem nicht ohne einander können

Wie lange der Lizenzentzug dauern wird, ist noch offen. Dass Apple eine prinzipielle Sperre dauerhaft aufrecht erhält und so den Konflikt weiter eskalieren lässt, erwarten Experten allerdings nicht.

Dafür ist Facebook mit seinen zwei Milliarden Nutzern  zu bedeutend. Aber auch Facebook ist für Apples Geschäft enorm wichtig: Schließlich macht Facebook das Gros seines Umsatzes mit Werbung - und die landet mobil alleine in Kanada und den USA in bis zu jedem zweiten Fall auf einem iPhone. 

Auf eine öffentlichkeitswirksame Versöhnung der beiden ist allerdings auch kaum zu hoffen. Schließlich ist in der Vergangenheit schon einiges passiert. So hatte Facebook-Chef Mark Zuckerberg, nach der öffentlichen Kritik Cooks an den Datenabgreif-Praktiken von Facebook, laut einem Bericht der "New York Times" eine Agentur angeheuert, die angeblich Negativberichterstattung gegen Konkurrenten wie Apple lancieren sollte. Zudem soll er die Anweisung gegeben haben, Facebook-Mitarbeiter künftig statt mit iPhones künftig mit Android-Telefonen auszustatten.

Der aktuelle Zwist dürfte Zuckerberg in dieser Politik nun bestärken.

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