Umsatz und Gewinn fallen deutlich Apples schwieriger Abschied von der iPhone-Show

Der Glanz des iPhones ist verflogen. Apple muss erstmals seit 15 Jahren für ein Geschäftsjahr fallende Umsätze und noch stärker sinkende Gewinne ausweisen. Konzernchef Cook setzt trotzdem viel Hoffnung auf das noch junge iPhone 7. Dabei gibt es größere Hoffnungsträger, sagen Analysten.
Kleiner Mann, großes neues iPhone 7: Apple-Chef Tim Cook setzt viel Hoffnung auf das neue Smartphone. Jüngste Zahlen unterstreichen aber die fallende Nachfrage und die Notwendigkeit, dass Apple sein Angebot noch stärker diversifiziert

Kleiner Mann, großes neues iPhone 7: Apple-Chef Tim Cook setzt viel Hoffnung auf das neue Smartphone. Jüngste Zahlen unterstreichen aber die fallende Nachfrage und die Notwendigkeit, dass Apple sein Angebot noch stärker diversifiziert

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Konkurrenz in China: Apples neue Gegner

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Die Entwicklung zeichnete sich seit zwei Quartalen ab, und die jüngsten iPhone-Modelle haben es nicht verhindern können: Erstmals seit 15 Jahren, als Apples Weg im Oktober 2001 mit dem Launch des digitalen Abspielgeräts iPod zu einem der größten Technologie-Konzerne begann, muss Apple ein Geschäftsjahr mit einem Umsatzrückgang beenden.

Der iPod ist weitgehend Geschichte, spielt für Apple zumindest mit Blick auf Umsatz und Gewinn nur noch eine marginale Rolle. Rund zwei Drittel seiner Umsätze erwirtschaftet Apple mit Smartphones. Und genau das ist das Problem.

Eben weil Konkurrenz-Produkte aus Asien dem iPhone qualitativ längst das Wasser reichen, Apples einst strahlende Innovationskraft nachlässt und die Wettbewerber günstiger produzieren und anbieten, fällt der iPhone-Konzern bei Verkäufen, Umsatz und Gewinn zurück. Vor allem wegen der wachsenden Konkurrenz aus Asien verkaufte Apple im Schlussquartal nur noch 45,51 Millionen iPhones und damit rund 2,5 Millionen weniger als im Vorjahreszeitraum. Wenig überraschend fielen die Umsätze somit um 9 Prozent auf 46,85 Milliarden Dollar - der dritte Rückgang in Folge.

Im einstigen Hoffnungsmarkt China brachen die Erlöse sogar um fast 30 Prozent ein, nachdem sie sich dort im Vorjahreszeitraum noch verdoppelt hatte.

Hier spürt Apple zusehends auch den Druck lokaler Konkurrenten wie Oppo und Vivo, die ihre Smartphone-Verkäufe zuletzt verdoppeln konnten. Der Nettogewinn des Unternehmens stürzte auf 9,01 Milliarden Dollar von 11,12 Milliarden Dollar im Vorjahr ab. Apples neuestes Produkt, das iPhone 7, kam erst zwei Wochen vor Ende des Quartals auf den Markt.

Genau darauf setzt Konzernchef Tim Cook nun alle Hoffnung und kündigte am späten Abend (Ortszeit) in einer Telefonkonferenz für das laufende Jahresviertel, das das wichtige Weihnachtsgeschäft einschließt, einen etwas höheren Umsatz an als im Vorjahreszeitraum an:

Zwischen 76 und 78 Milliarden Dollar könnten es werden. Im Vorjahresquartal schlugen 75,9 Milliarden Dollar zu Buche. Allerdings gilt zu berücksichtigen, das laufende Quartal ist eine Woche länger als das vorangegangene und schon von daher sollte mehr Umsatz in den Kassen von Apple landen.

Doch auf derlei einfache Rechnungen wollte sich Cook in der Telefonkonferenz nicht einlassen und verbreitete statt dessen Optimismus für das am Markt noch vergleichsweise junge iPhone 7. Die Nachfrage übertreffe derzeit das Angebot. Und er hoffe, dass dies auch nach dem wichtigen Weihnachtsgeschäft so bleibe.

Experten warnen vor vermeintlichem Samsung-Effekt

Zu Absatzerwartungen für das neue iPhone machte Apple keine Aussagen. Etwas zugeknöpft reagierte Cook auch auf die Nachfrage zur langfristigen Strategie des Unternehmens. Womit Apple denn in Zukunft seine Kunden endlich mal wieder überraschen wolle oder ob der Konzern jetzt mehr auf den Markt reagiere, wollte ein Analyst wissen.

Zweifelsohne eine freche Frage an ein Unternehmen, das lange Zeit als das innovativste weltweit galt. Cook kurz und trocken dazu: "Wir haben sehr viel in der Pipeline, wie immer reden wir nicht darüber". Aber man sei da ganz optimistisch.

Blieb noch zu klären, ob Apple von dem Desaster des Wettbewerbers Samsung profitieren werde. Apple-Finanzchef Luca Maestri wollte sich da nicht festlegen. Das war sicher eine kluge Entscheidung. Schließlich könnten die Märkte den Konzern später auf diese Aussage festnageln. Und sich an den dramatischen Problemen eines Wettbewerbers in aller Öffentlichkeit zu laben, zeugt ohnehin von schlechtem Stil.

So warnte auch Forrester-Analyst Thomas Husson: Das Note-7-Desaster könnte die Marke Samsung beschädigt haben. "Aber die Kunden vergessen schnell."

Die Koreaner hatten das Galaxy Note 7 sehr früh und offenbar auch überhastet auf den Markt gebracht, um Apples neuem 7er-Flaggschiff möglichst schon vor dessen Erscheinen den Schneid abzukaufen. Samsung musste den Hoffnungsträger aber nach diversen Brandfällen wieder aus dem Verkehr ziehen.

Unter dem Strich bewerteten die Anleger die schwachen Zahlen von Apple und den optimistischeren Ausblick mit einem Kursabschlag: Bis Mittwochmittag sank der Kurs der Apple-Aktie  um 4 Prozent. Aufs ganze Geschäftsjahr gerechnet sanken Apples Erlöse um 7,7 Prozent auf 215,64 Milliarden Dollar. Der Jahresgewinn rutschte um 14 Prozent auf 45,7 Milliarden Dollar.

Wo Analysten den Hoffnungsträger bei Apple sehen

Zweifelsohne, diese Zahlen markieren für den iPhone-Konzern den Beginn einer Zeitenwende. Aber es gab auch Lichtblicke. Einer davon ist Apples Service-Geschäft, das vielleicht mal eine vielversprechende Zukunft jenseits der Hardware aufzeigen kann. In dieser Sparte, zu der das Geschäft mit dem Streaming-Dienst Apple Music, der Verkauf von Apps oder Speicherplatz in der iCloud zählen, schnellten die Erlöse um rund ein Viertel auf 6,32 Milliarden Dollar in die Höhe.

Manche Analysten kommentierten das mit Wohlwollen. Apple mache Fortschritte bei der Diversifizierung seiner Produkte und Dienstleistungen und sich damit unabhängiger vom rückläufigen Absatz seines bisherigen Kassenschlagers iPhone. "Der Fortschritt bei Services zeigt, dass Apple mittlerweile mehr ist als ein Gerätehersteller", sagte Analyst Frank Gillett von Forrester Research . Und je mehr Verbraucher Apple-Anwendungen nutzten, desto weniger wahrscheinlich sei es, dass sie zu einem Rivalen wechselten.

Ähnlich argumentierte zuletzt Berkshire-Portfoliomanager Ted Weschler im Interview mit dem manager magazin. Apple besitze nach Meinung des Großinvestors Berkshire Hathaway einen dauerhaften Schutz vor der Konkurrenz. "Dank der immer schnelleren mobilen Datenübertragung ist es Apple gelungen, mit Fotos und Apps ein Ökosystem zu erzeugen, in dem die Kunden stärker verhaftet sind."

Dass Apple mit Serviceleistungen einmal so viel Geld verdienen wird wie mit dem Verkauf seiner iPhones, sei aber zweifelhaft, glaubt Forrester-Kollege Thomas Husson. Der beschwerliche Weg weg vom iPhone werde künftig auf vielen Schultern im Konzern ruhen müssen.

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mit Nachrichtenagenturen
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