Sonntag, 21. Juli 2019

Denkwürdiger Auftritt in Brüssel "Das ist Überwachung" - Apple-Chef greift Facebook und Google frontal an

Apple-Chef Tim Cook gab in Brüssel nicht nur den Datenschützer

2. Teil: Abgrenzung von "schlechten" US-Technologie-Riesen und Datenkraken

Abgrenzung etwa von Facebook, dessen Chef Mark Zuckerberg schon vor Europa-Parlamentariern wegen das weltweiten Datenskandals um Cambridge Analytica Rede und Antwort stehen musste und vier Staatsfonds in den USA nach den Skandalen mittlerweile Zuckerbergs Rücktritt als Verwaltungsratschef fordern.

Abgrenzung auch von Google, das erst ein halbes Jahr später die Öffentlichkeit über ein gefährliches Datenleck bei Google Plus informierte und nun das Netzwerk für Privatkunden schließen will. Auch missbraucht Google laut EU-Kommission seine dominierende Stellung bei Handy-Betriebssystemen und soll deshalb eine Milliardenstrafe zahlen, was es strikt ablehnt.

Wie schon beim "Verhör" durch die Parlamentarier reagierte der per Video-Konferenz in Brüssel zugeschaltete Zuckerberg am Mittwoch kontrolliert auf den Angriff: Facebook-Nutzer seien sich bewusst, dass ein kostenloser Dienst sich mit Werbung finanzieren müsse. "Die Leute sagen uns ständig, dass sie einen kostenlosen Service wünschen und dass sie, wenn sie Anzeigen sehen, diese relevant sein müssen", betont er. Facebook habe stark in Sicherheit und Privatsphäre investiert, auch wenn dies die Profitabilität drücke, versichert Zuckerberg erneut.

Apple selbst ist nach eigenen Angaben wesentlich vorsichtiger bei der Sammlung von Nutzerdaten. Allerdings verdient der kalifornische Konzern sein Geld auch hauptsächlich nicht mit Werbung, sondern durch den Verkauf von Geräten und Abo-Diensten.

Bloß nicht über Steuern reden, lieber Vertrauen schaffen

Apple, der gute US-Technologiekonzern also - wenn man mal von den auch in europäischen Steueroasen gebunkerten Milliardengewinnen absieht. Dem Fiskus in Europa entgehen durch illegale Steuervergünstigungen dieser Oasen Milliarden, ist Brüssel überzeugt. Immerhin: Im Fall Irland hat Apple jetzt 14 Milliarden Euro geschuldete Steuern auf ein Treuhandkonto eingezahlt, bis die Sache endgültig geklärt ist.

Doch Steueroptimierung sollte in Brüssel nicht das Thema sein. Genau davon wollte Cook am Mittwoch den Fokus wegwenden, vielmehr das ramponierte Vertrauen in die US-Technologiebranche wieder aufpolieren und Apple quasi als vehementen Datenschutzbefürworter ins Gedächtnis bringen, damit der Konzern erst gar nicht in den Strudel schlechter Nachrichten um die Datenkraken mit hineingerissen wird.

Ohne das Vertrauen der Kunden und Verbraucher werde Technologie nicht ihr volles Potential entfalten können, sagte der Apple-Chef dann fast schon salbungsvoll - um dann für die USA ein Datenschutzgesetz nach dem Vorbild der europäischen Datenschutzgrundverordnung (DSGVO) zu fordern. Es sei an der Zeit, "dass der Rest der Welt - auch mein Heimatland - Ihrem Beispiel folgt."

Den Datenschützern im Plenarsaal des Europaparlaments dürfte das wie Honig runtergegangen sein.

mit Nachrichtenagenturen

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