Sonntag, 19. Mai 2019

"Meltdown" und "Spectre" Auch Apple-Geräte durch Sicherheitslücke gefährdet

2007 bis 2017: So haben sich iPhones verändert
SPIEGEL ONLINE

Die Sicherheitslücke auf IT-Chips trifft auch Apple. iphones, iPads und Mac-Computer könnten geknackt werden, teilte Apple mit. Der Konzern will mit einem Software-Update Abhilfe schaffen. Deutsche Verbraucherschützer kritisieren die Chiphersteller und sehen eine Parallele zum Dieselskandal.

Von den gravierenden Sicherheitslücken auf IT-Chips sind auch alle iPhones, iPads und Mac-Computer von Apple betroffen. Ein Software-Update für den eigenen Internet-Browser Safari solle diese Einfallstore für Hacker in Kürze schließen, teilte der US-Konzern in der Nacht zu Freitag mit. Es werde in den nächsten Tagen bereitgestellt.

Das Update soll die Schwachstelle auf Mikroprozessoren von Intel Börsen-Chart zeigen, AMD Börsen-Chart zeigen und ARM beheben, mit der über Internet-Browser Anwenderprogramme ausgetrickst und sensible Daten wie Passwörter gestohlen werden könnten.

Vor der zweiten Sicherheitslücke, die nur Intel-Chips betrifft, seien die Apple-Geräte dank der jüngsten Updates bereits geschützt. Die Apple Watch sei nicht davon betroffen.


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Experten hatten zuvor zwei Schwachstellen auf Mikroprozessoren entdeckt, die in fast allen IT-Geräten verbaut sind. Die erste Sicherheitslücke namens "Meltdown" ("Kernschmelze") betrifft den Angaben zufolge nur Chips des Branchenführers Intel. Sie ermögliche es Hackern, die Barriere zwischen Anwender-Programmen und dem Datenspeicher eines Computers zu überwinden und so möglicherweise Passwörter auszulesen.

Aktien von Intel verlieren weiter

Die zweite Schwachstelle mit dem Namen "Spectre" ("Geist") betrifft demnach auch Mikroprozessoren von AMD und des Chip-Entwicklers ARM - und damit Laptops, PCs, Smartphones, Tablets und Server gleichermaßen. Das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) riet Bürgern und Unternehmen zu einem zügigen Update ihrer Computer und Smartphones.

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Bild: REUTERS

Aktien von Intel verloren am Donnerstag weitere 1,8 Prozent, nachdem sie am Mittwoch schon 3,4 Prozent verloren hatten. Aktien von AMD Börsen-Chart zeigen setzten ihren Aufwärtstrend fort und gewannen 5 Prozent, nachdem sie am Mittwoch schon 5,2 Prozent zugelegt hatten. AMD behauptet, nicht von der Sicherheitslücke auf Computerchips betroffen zu sein.

Verbraucherschützer kritisieren Chiphersteller

Angesichts der Sicherheitslücke in Computerchips von Milliarden Geräten werfen deutsche Verbraucherschützer den Herstellern vor, zu Lasten der Kunden zu wenig in die Sicherheit ihrer Produkte zu investieren. "Wenn ein Problem offenkundig wird, versuchen die Hersteller Schadensminimierung mit geringstmöglichem Aufwand - und möglicherweise zu Lasten der Verbraucher", sagte der Sprecher des Verbraucherzentrale Bundesverbands (VZBV), Otmar Lell, der "Neuen Osnabrücker Zeitung" (Freitagsausgabe).

In der aktuellen Affäre um anfällige Mikrochips zeige sich eine auffällige Parallele zum Dieselskandal: "Auch dort sollten Softwareupdates das Problem lösen, mit weiterhin unklaren Auswirkungen für die Konsumenten".

Der VZBV-Sprecher forderte den Gesetzgeber in Deutschland auf, Beweiserleichterungen im Haftungsrecht einzuführen. So könne erreicht werden, dass Verbraucher bei einem Schaden nicht darauf sitzen blieben.

rei/Reuters/afp

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