Star-Investor greift zu - ist Apple das neue Coca-Cola? Warum Apple jetzt langweilig genug für Buffett ist

Seine Weigerung, in Techfirmen zu investieren, war legendär. Doch nun nimmt US-Starinvestor Warren Buffett Apple und Yahoo in den Blick. Ist Apple das neue Coca-Cola? Vielleicht hat nicht Buffett sich gewandelt, sondern der iPhone-Hersteller.
Von mm-newsdesk
Warren Buffett: Sein Interesse an Apple und Yahoo sagt viel über den Wandel bei Apple und Yahoo aus. Für viele ist Apple inzwischen ein "Konsumgüterkonzern getarnt als IT-Konzern"

Warren Buffett: Sein Interesse an Apple und Yahoo sagt viel über den Wandel bei Apple und Yahoo aus. Für viele ist Apple inzwischen ein "Konsumgüterkonzern getarnt als IT-Konzern"

Foto: John Peterson/ AP

Apple erweitert seinen Freundeskreis - und der ist etwas älter: Für rund eine Milliarde Dollar ist Star-Investor Warren Buffett bei dem iPhone-Hersteller eingestiegen. Zudem interessiert sich der 85-Jährige Investor für das zum Verkauf stehende Internet- und Mailgeschäft von Yahoo .

Der Einstieg bei Apple  muss für Buffett, der sich nach eigenen Aussagen eher für langweilige Unternehmen mit einem soliden Geschäftsmodell interessiert als für innovationsstarke Himmelsstürmer, keine Kehrtwende sein. Sein milliardenschweres Investment ist eher ein Hinweis darauf, dass bei Apple eine neue Zeit angebrochen ist.

Wenig spricht dafür, dass Value-Investor Buffett plötzlich wagemutiger geworden ist. Mehr spricht dafür, dass statt dessen Apple langweilig genug geworden ist, um in Buffetts Beuteschema zu passen.

In Buffetts Investment-Schema passen Firmen wie Coca-Cola , Wal-Mart , IBM oder der Lebensmittelriese Kraft Heinz . Sie machen einen Großteil des Portfolios von Buffetts Investment-Holding Berkshire Hathaway aus. Es sind Unternehmen, die nicht gerade sexy sind, die aber mit einem über Jahrzehnte erfolgreichen Geschäftsmodell solide Gewinne erwirtschaften. Für Buffett zählen Kundenzahlen und der freie Cash Flow einer Firma mehr als das Potenzial, möglicherweise bald eine Branche auf den Kopf zu stellen. Ist Apple also das neue Coca Cola?

Ein Konsumgüterkonzern, getarnt als Technologiekonzern

Der Einstieg bei Apple bedeute "keinen Sinneswandel bei Buffett", sagt Hedgefonds-Manager Jeff Matthews von Ram Partners. Er ergebe vielmehr Sinn: Apple sei ein "Konsumgüterkonzern getarnt als Technologiekonzern". Der Konzern verfüge über ein "großartiges Geschäftsmodel, hohen Kapitalfluss und sei preiswert", urteilt der Matthews. Das seien genau die Eigenschaften, auf die Buffett und seine Gesellschaft Berkshire Hathaway Wert legen.

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Auch Yahoo  passe in das Beuteschema von Buffett, sagt Analyst Rick Edmonds vom Medieninstitut Poynter. In Ungnade gefallene und unterbewerte Firmen mit einem hohen Kundenstamm zögen das Interesse des Investors auf sich.

"Das Paradoxe ist ja, dass Yahoo riesig ist und riesig bleibt. Und es gibt eine Menge Kunden. Die laufen ja nicht weg. Es findet nur keiner Wege, Wachstum zu generieren."

Buffett bleibt damit seiner Investmentstrategie treu. Er sei bei vielen seiner Investments eher ein Nachfolger als ein Schrittmacher, sagt Berkshire-Investor Hendrik Leber in einer kritischen Würdigung Buffetts. Damit habe der legendäre Investor über viele Jahre großen Erfolg gehabt - doch entgingen Buffett bei dieser Investment-Strategie auch Chancen.

Poker um Yahoo: Buffett unterstützt Milliardär Dan Gilbert

Yahoo ist angesichts der Dominanz von Google  und Facebook  immer weiter ins Hintertreffen geraten und hat sich schließlich zum Verkauf des Kerngeschäfts entschlossen. In den Bieterwettbewerb schaltet sich nun Buffett ein, indem er ein Konsortium bei der Finanzierung eines Gebots unterstützt. Mit von der Partie ist auch US-Milliardär Dan Gilbert, dem unter anderem das US-Basketballteam Cleveland Cavaliers gehört. Für die AOL-Mutter Verizon, die zuletzt als Favorit für die Übernahme gehandelt wurde, erhöht sich in der zweiten Runde somit der Druck.

Auch für Analyst Brian Wieser passt der Yahoo-Vorstoß zu Buffett. "Er ist bekannt dafür, sich an Firmen zu beteiligen, die großes Potenzial haben, dieses aber aus einer Vielzahl von Gründen nicht ausschöpfen können." Bei Yahoo kommt noch hinzu, dass Berkshire-Direktorin Susan Decker zwischen 2000 und 2009 unter anderem als Finanzchefin bei dem angeschlagenen Internet-Pionier gearbeitet hat. Mit ihrer Hilfe könnte Buffett frühere Yahoo-Manager wieder an Bord holen, sagt Wieser.

Dazu zählt er auch Interimschef Ross Levinson, der für die bisher eher glücklose Yahoo-Chefin Marissa Mayer den Stuhl räumen musste. Decker hat sich bereits offen zu Yahoo geäußert. Sie hoffe, dass ein neuer Eigentümer das wiederbeleben könne, was Yahoo einzigartig gemacht habe, sagte sie in einem TV-Interview. Dabei könnte dem Unternehmen helfen, in private Hand zu kommen oder Teil eines größeren Konzerns zu werden.

Zu langsam für neue Technologien geöffnet

Bislang hat sich Buffett hauptsächlich eher Versicherungen, Industriekonzernen und großen Konsumgüterkonzernen zugewandt. Sein bisher einziger namhafter Ausflug in die Technologiewelt war bislang nicht von großem Erfolg gekrönt. Die Beteiligung an IBM  entwickelt sich eher mau - der Verlust für Buffett beläuft sich derzeit auf 1,6 Milliarden Dollar.

"Buffett hat sich bislang immer von Sachen zurückgehalten, die er nicht kennt oder nicht versteht", urteilt Richard Cook, Mitgründer der Investmentgesellschaft Cook & Bynum, die selbst bei Berkshire engagiert ist. Auf dem jährlichen Aktionärstreffen seiner Firma in Omaha räumte der Star-Investor dennoch vor kurzem ein, sich zu langsam für neue Technologien geöffnet zu haben.

Warum Apple für Buffett interessant ist

Ob ausgerechnet Apple das richtige ist, daran scheiden sich derzeit die Investoren-Geister. Während die einen immer noch voll des Lobes sind, ziehen sich andere zurück. So verkaufte der Investor Carl Icahn Ende April seinen kompletten Anteil wegen zu großer Risiken im China-Geschäft. Zuletzt war die Erfolgsserie von Apple gerissen: Erstmals überhaupt ging der iPhone-Absatz zurück.

Zugleich erlitt der US-Konzern zu Jahresbeginn das erste Umsatzminus seit 13 Jahren. Daraufhin zog der Google-Mutterkonzern Alphabet  an der Börse wieder an Apple vorbei. Die Aktien seien inzwischen wieder preiswert, sagt denn auch Steve Wallman von der Beratungsgesellschaft Wallman Investment Counsel. Zudem sitze Apple auf einem Berg Bargeld - zwei Pluspunkte für Buffett.

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