Angelika Gifford Microsoft verliert deutsche Vorzeigemanagerin an HP

Mehr als 20 Jahre lang arbeitete Angelika Gifford für die deutsche Tochter des US-Softwarekonzerns Microsoft. Als Mitglied der Geschäftsleitung und zuletzt Senior Director war Gifford zuständig für Europa, den Mittleren Osten und Afrika - und damit Microsofts Vorzeigefrau. Dann holte sie der Touristikkonzern TUI in seinen Aufsichtsrat. Nun heuert Gifford beim Microsoft-Rivalen HP an.
Wechselt zu HP: Microsoft-Spitzenkraft Angelika Gifford

Wechselt zu HP: Microsoft-Spitzenkraft Angelika Gifford

Foto: Microsoft

Über viele Jahre war Angelika Gifford das weibliche Aushängeschild von Microsoft. Topführungskraft, Managerin des Jahres 2009, ein halbes Jahrzehnt lang Mitglied der Geschäftsführung und dort hauptsächlich zuständig für das Geschäft mit der öffentlichen Hand. Eine Zeit lang wurde sie sogar als kommende Deutschlandchefin gehandelt. Nun hat Gifford dem Unternehmen nach 21 Jahren Betriebszugehörigkeit soeben den Rücken gekehrt und beim IT-Konzern HP angeheuert, wie "Manager Magazin" aus Branchenkreisen erfuhr.

"Ich bin am Boden zerstört", so der Kommentar einer US-Führungskraft von Microsoft.

Für den weltweit größten Software-Hersteller reiht sich die Personalie in eine Liste negativer Meldungen ein. In der Konzernzentrale in Redmond/Seattle findet sich seit Wochen kein Nachfolger für den amtsmüden Steve Ballmer, es gibt schlechte Presse wegen der vermeintlichen Ausbeutung von Mitarbeitern in Home Offices, die dem Konzern Knechtschaft durch Wochenarbeitszeiten von bis zu 80 Stunden vorwerfen; in Deutschland sollen gleich drei Büros geschlossen werden, in Hamburg, Böblingen und Bad Homburg, was den Betriebsrat auf die Barrikaden trieb. Nur Gründungsvater Bill Gates und Frau Melinda sorgen noch für Wohlfühlstimmung. Mit ihrer Megastiftung geben sie sich als gute Hirten für die armen und kranken Kinder dieser Welt.

Der Riese muss sich neu erfinden

Gates' Konzern aber schwächelt bedrohlich. Der technologische Fortschritt setzt Microsoft  zu; die Lizenzmaschinerie für das Betriebssystem Windows und die Bürosoftware Office läuft schon lange nicht mehr wie geschmiert, ist kein Erfolgsgarant mehr in Zeiten von Cloud Computing. Der Riese, der einst die Welt aus den Angeln hob, muss sich nun selber neu erfinden. Ein Transformationsprozess steht ins Haus - so schnörkel- wie emotionslos formuliert es die Businesswelt, wenn kleine Revolutionen gemeint sind.

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Hat "Angie", wie die resolute 48-jährige Gifford allenthalben genannt wird, also die Flucht nach vorne angetreten? Bekannt als "straight shooter", als Führungsfrau, die kein Blatt vor den Mund nimmt und mit ihren Team- wie Inner-Circle-Kollegen Klartext redet, und trotzdem weit davon entfernt ist, als kalte Vollstreckerin zu gelten. Die Ruhrgebietlerin aus Essen ist hart in der Verfolgung ihrer Ziele, "eine Frau, die ihren Mann steht", schrieb das manager magazin. Trotzdem gilt sie als Kumpeltyp, schnoddrig im Ton und mit einem Humor gerüstet, an dem eine dicke Schicht schwarzer Revierruß haftet.

Hübsch wie eine Puppe - aber robuster

Jüngst referierte sie vor ein paar hundert Mittelständlern über die Rolle der Frau in der Wirtschaft und schickte bei der Gelegenheit ihrem Vortrag voraus, "ich hoffe, Sie haben mich hier heute Abend nicht als Hirschkuh eingeladen". Ein Verdacht, den im Stillen jede Topfrau hegt, wenn sie auf Diversity- oder Quoten-Diskussions-Podien reüssieren soll, aber dann doch schamhaft darüber hinweglächelt.

Nicht so Gifford. Blond und blauäugig, bedient sie das Klischee, hübsch zu sein wie eine Barbiepuppe, und konterkariert es gleichzeitig mit einer Robustheit, die ihresgleichen sucht. Bei Männern macht sie sich gelegentlich aus dem simplen Grund unbeliebt, dass sie sie schon mal um einen halben Kopf überragt und raumgreifender sein kann. Vielleicht liegt genau darin das Geheimnis, dass sie als Konkurrentin gefürchtet und in ihrem Erfolg ernst genommen wird.

Bei Microsoft wird es nicht gern gesehen, wenn die Mitglieder der Führungsetage Aufsichtsratsposten antreten - und damit die Versuchung erst gar nicht groß aufkommt, ist es obendrein untersagt, dafür Vergütung anzunehmen. Trotzdem sitzt Gifford im Aufsichtsrat der TUI. Außerdem im Vorstand der Atlantik-Brücke, neben Jürgen Fitschen etwa, dem Co-Chef der Deutschen Bank  oder Deutsche-Post-Topmann Lawrence Rosen oder Wolfgang Ischinger, Cheflobbyist der Allianz  und Kopf der Münchner Sicherheitskonferenz. Das mächtige Netzwerk tarnt sich als Club zur Pflege der Freundschaft mit den USA, wozu zufällig passt, dass Gifford mit einem Amerikaner verheiratet ist, mit dem sie einen achtjährigen Sohn hat.

Wenn die Kanzlerin die wichtigsten Business-Frauen des Landes lädt, sitzt Gifford mit am Tisch, hegt aber ansonsten enge Verbindung zu SPD-Außenminister Frank-Walter Steinmeier. Nun wechselt sie vom Software-Konzern Microsoft zum Hardware-Riesen Hewlett-Packard . Der wird seit gut zwei Jahren von der ausgebufften Meg Whitman geführt, die einst Ebay  groß machte. In der Branche heißt es zur Begründung, Gifford habe nach all den Jahren mal etwas Neues machen wollen. Gifford selbst ist nicht zu sprechen.

Die Vermutung liegt nahe, dass es ein Mann war, der das Microsoft-Urgestein abgeworben hat, ihr früherer Microsoft-Kollege Heiko Meyer, der inzwischen zum Deutschland-Chef von HP aufgestiegen ist. Gifford wird in der HP-Geschäftsführung die einzige Frau sein auf der Chefetage - insofern nichts Neues im deutschen Wirtschaftsland. Nach Informationen des "Manager Magazin" ist sie zuständig für den Software-Vertrieb für Deutschland, Österreich und die Schweiz.

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