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Die grosse Apple-Show: Sensationell intim

Foto: JUSTIN SULLIVAN/ AFP

Apple Watch Die Zeit läuft!

Erstmals seit dem Tod von Steve Jobs hat Apple wieder ein bemerkenswertes Produktfeuerwerk präsentiert. Seine Erben haben endlich nachgelegt.
Von Andrea Rungg

Hamburg - Da war er, der vielleicht berühmteste Satzfetzen der Techindustrie. Nach fast einer Stunde sagte Apple -Chef Tim Cook: "One more thing", eine Sache noch. Es ist lange her, dass diese Worte zuletzt beim iPhone-Hersteller fielen. Es war im Juni 2011, vier Monate vor dem Tod des Apple-Übervaters Steve Jobs. Manch einer glaubte schon, dass man von Apple nie mehr "one more thing" hören würde, dass es nun abwärts geht. Tim Cook und sein Team haben jedoch anderes im Sinn. Und so ging es am Dienstagabend auch um die eine Sache.

Wenn Tim Cook nebenbei auf den Aktienkurs geschielt hätte, dann hätte er besser vor dem Satz schon aufgehört. Aber dazu später mehr.

Apple präsentierte - wie bereits zuvor durchgestochen - die von Anhängern herbeigesehnte Uhr. Apple Watch heißt sie, nicht wie vielfach vermutet iWatch. Ja, sie sieht nett aus. Sie kommt eckig daher, hat genauso wie Luxusuhren ein stabiles Saphirglas, ist in zwei verschiedenen Größen (Apple hat auch an schmalere Handgelenke gedacht) und in drei verschiedenen Materialien erhältlich. Die Uhr hat verschiedene Armbänder zur Auswahl und ist vor allem eines: ein Minicomputer. Kostenpunkt: in der günstigsten Variante 349 Dollar (umgerechnet 270 Euro), über den Preis des teuersten Modells schwieg Apple. Möglich, dass der Konzern das Publikum nicht allzu sehr schockieren wollte.

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Apple: Marc Newsons Design-Handschrift

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Nach Angaben von Apple messen Sensoren in der Uhr Gesundheits- beziehungsweise Fitnessdaten; Mann oder Frau sollen mit ihr Nachrichten empfangen oder versenden können, auch Bezahlen soll möglich sein. Was die Uhr ansonsten noch alles leisten soll, dass hängt nicht nur von Apple ab, sondern auch von externen Entwicklern. Die Software wird und soll den Unterschied zur Konkurrenz ausmachen. In Anlehnung an einen Wahlkampfspruch kann man auch sagen: "it's the software, stupid". Damit würde sich Apple treu bleiben und das spricht nach den Erfahrungen aus der Vergangenheit mit der Zeit für das Unternehmen.

Die Konkurrenz legte vor

Das Unternehmen ist auch in dem Segment Computeruhr kein Pionier. Die Konkurrenz hat bereits einige so genannte Smartwatches vorgestellt, aber das muss kein Hinderungsgrund sein, warum Apple nicht erneut den Markt von hinten aufrollen kann. Schließlich hat der Konzern das auch mit dem iPod, dem iPhone und dem iPad gemacht. MP3 Player, Smartphones und Tablets sind nämlich keine Erfindung von Apple.

Apples Vorteil gegenüber der Konkurrenz war häufig das Zusammenspiel zwischen Software, Hardware und Mensch. Für den Benutzer sollte die Interaktion mit dem Computer Mac, dem iPod, dem iPhone und dem iPad so intuitiv wie möglich sein. Der Mac hatte die Maus, der iPod das Click Wheel und iPhone und iPad lassen sich über einfache Berührungen mit dem Finger bedienen. Die Apple Watch soll hauptsächlich über eine digitale Krone rechts am Gehäuse gesteuert werden. Darüber hinaus verstehe die Uhr Sprachbefehle und reagiere auf Bildschirmberührungen. Apple muss hoffen, dass dem Nutzer dies nicht schon wieder zwei Auswahlmöglichkeiten zu viel sind. Wie intuitiv die Uhr wirklich ist, dass werden die ersten Tests zeigen. Die wird es aber frühestens im ersten Quartal 2015 geben, wenn Apple die Uhr erstmals verkaufen will.

Viele werden die Uhr genauso wie Modelle der Wettbewerber noch für zu klobig halten. Aber auch das hat Apple in der Vergangenheit gezeigt: mit jedem Produktzyklus werden die Geräte dünner und leichter. Man muss nur abwarten, was aber auch gleichsam bedeuten würde, dass die Uhr erst in der zweiten Generation größere Massen anspricht.

Neben zu klobig könnte ein weiteres Schlagwort gegen die erste Apple-Watch-Generation sprechen. Batterielaufzeit. Apple schwieg dazu. Am Ende wird es genauso wie beim iPhone und iPad auf die Belastung durch verschiedene Apps ankommen, aber dass Apple bislang gar nichts zur Batterielaufzeit gesagt hat, das macht skeptisch.

Der Preis, Klobigkeit und Batterielaufzeit, das könnte den Aktienkurs während der Präsentation wieder nach unten bewegt haben - nachdem er zwischenzeitig um 4 Prozent gestiegen war.

Uhr und iPhone werden zum Portemonnaie

Denn bis zu Uhrenpräsentation hatte vor allem eines beeindruckt: Wie Nutzer künftig mit ihrem Handy bezahlen können. Apple hat dafür in die neu vorgestellten und größeren iPhone 6 und iPhone 6 Plus so genannte NFC-Technologie verbaut, über die im Abstand von wenigen Zentimetern Daten übertragen werden können.

Einkaufen à la Apple geht dann so: Das Handy aus der Tasche ziehen, an das Kassenterminal halten und über die NFC-Funkverbindung ist der Einkauf erledigt. Apple Pay nennt der Konzern die Funktion. Die bereits bei Apples Online Store iTunes hinterlegten Kreditkartendaten sollen mit einem Klick für den Nutzer zur Verfügung stehen, so dass er damit gleichsam den Einkauf abwickeln kann. Andere Kredit- oder Bankkarten dürfen Anwender ebenfalls hinzufügen.

Die Kartendaten würden nicht auf dem Handy oder auf Apple-Servern abgelegt. Stattdessen erhalte das iPhone eine spezielle Nummer, die verschlüsselt auf dem Handy gespeichert werde. Apple sehe und speichere nicht, was der Nutzer kauft, und Händler oder Restaurants würden den Namen des Käufers nicht mehr erhalten. Mehr Sicherheit solle das bringen. Datenschützer und Hacker werden diese Behauptung künftig zweifelsohne überprüfen. Immerhin haben sich bereits zahlreiche bekannte US-Kreditkarteninstitute, Banken und US-Einzelhändler wie Macy's, Bloomingdale's oder Whole Foods Market auf Apple Pay eingelassen. In insgesamt 220.000 Händlerniederlassungen sei es möglich, mit der Uhr und den neuen iPhone-Modellen zu bezahlen.

"Es geht ums Portemonnaie. Wir wollen es ersetzen", sagte Cook kühn. Das wäre tatsächlich revolutionär. Die neue Uhr soll die Revolution anheizen, denn auch sie ist quasi ein Portemonnaie. Apple Pay wird es zunächst nur in den USA geben. Über die Einführung in anderen Ländern hat Apple nichts gesagt. Für das Wohl und Wehe der Funktion dürfte das Kreditkarten liebende Land USA aber sicherlich ein Gradmesser sein.

"Am Ende dieses Tages werden sie mir zustimmen, dass das für Apple ein ganz wichtiger Tag ist", sagte Konzern-Chef Tim Cook bereits zu Beginn der Präsentation. Richtig, Mr. Cook. Die Zeit läuft.

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