Donnerstag, 22. August 2019

Smart Glasses Amazon arbeitet am Comeback der schlauen Brillen

Noch in diesem Jahr könnte Amazon-Chef Jeff Bezos die neue Smart-Glass vorstellen

Seit Vorstellung der Google Glass im Jahr 2012 gab es kleine Erfolge und große Rückschläge im Bereich der Smart Glasses. Amazon möchte nun alte Fehler beheben und mit einer eigenen Version den Markt gewinnen.

Seit Jahren bewegt der am Kopf getragene Miniaturcomputer die Gemüter in der Tech-Branche. Die Vorstellung: Eine Brille, die sich auf den ersten Blick von gewöhnlichen Brillen nicht unterscheidet. Setzt man sie auf, soll die Umwelt einen neuen Anstrich bekommen. Diskrete Informationen schweben plötzlich in der Luft, kennzeichnen Produkte, geben mechanische Anleitungen oder speichern und verarbeiten Daten. Die Wirklichkeit: Bislang ist es nur eine Vorstellung.

Seit der Veröffentlichung der Google Glass im Jahr 2012 ist es ein Auf und Ab. Mal gab es eine Neuauflage, dann wurde die Produktion eingestellt. Unternehmen freuten sich über die möglichen Funktionen, wurden dann aber doch enttäuscht.

Die Akzeptanz in der Gesellschaft: vage. Im vergangen Juli gab Google dann aber bekannt: Es soll weitergehen. Amazon Börsen-Chart zeigen zieht jetzt nach und will einem Medienbericht der FT zufolge künftig mit seinem Sprachdienst Alexa ausgestattete Brillen anbieten.

Gekoppelt werden soll die Brille drahtlos an das Smartphone des Nutzers - ähnlich wie bei der neuesten Version der Apple Watch in Verbindung mit dem iPhone. Die Stimme von Alexa soll der Träger mittels sogenannter Bone Conduction vernehmen können. Heißt: Der Schall wird direkt an den Schädelknochen abgegeben. Kopfhörer sind so überflüssig und jegliche Geräusche für Außenstehende trotzdem fast unhörbar. Diese Art der Technik kennt man bereits von der Google Glass.

In puncto Optik geht Amazon nach den Details von vertrauten Personen einen Schritt, der für die Vermarktung wichtig sein könnte: Das Aussehen soll sich demnach nicht von normalen Sehhilfen unterscheiden, der Tragekomfort soll zudem bequem und unauffällig sein.

In den Jahren zuvor war die Google Glass stets das Gegenteil. Betrachter erkannten sofort die Andersartigkeit der Brille und sorgten sich schnell um die eigene Privatsphäre. Träger der Google Glass wurden mitunter als "Glassholes" beschimpft.

Zudem kämpfte die erste Version sogar nach einer Modifizierung mit kurzen Batterielaufzeiten und wurde im Betrieb zu warm. Im Januar 2015 scheiterte Google mit der Testphase der "Explorer Edition" und stellte sie in Folge dessen ein.

Der Datenbrillen-Vorstoß von Amazon scheint auch deswegen erstaunlich.

Amazon sieht das Potenzial der Smart-Glass

Andererseits zeigt es die Bereitschaft, Risiken einzugehen. Der Markt für Smart-Devices ist größer denn je. Alphabet stellte vergangenen Mittwoch mit ihrer "Smart-Home"-Abteilung "Nest" ein ganzes Sicherheitssystem für das Eigenheim vor, das Züge von Künstlicher Intelligenz aufweist. Amazons Abteilung "Lab 126" arbeitet an ähnlichen Entwicklungen.

Die Idee der Smart-Glass war nie verworfen, sondern nur auf Eis gelegt oder überdacht. Mehrere Dutzend Unternehmen profitieren bereits von Googles "Enterprise Edition", die nach der Pleite 2015 entwickelt wurde. Darunter auch Schwergewichte wie Volkswagen, DHL, Boeing oder General Electric. Lagerarbeiter testen die Brille, um das Herauspicken der richtigen Bauteile zu erleichtern.

Amazon will mit der Datenbrille allerdings auch nicht direkt an Google anknüpfen. Die Kontroversen in der Öffentlichkeit über die Beeinträchtigung der Privatsphäre machen nach den vertraulichen Informationen einen Verzicht auf Kamera und integrierten Bildschirm notwendig. Das könnte ebenfalls die Batterielaufzeit verlängern, die bei der Google Glass für ebenfalls viel Kritik sorgte.

Hauptfunktionen soll also die Verbindung zu dem Sprachdienst Alexa sein. Der logistische Ausbau dieser Funktion ist für Amazon extrem wichtig. Die Nähe zur Kundschaft, die Fähigkeit ihre Wünsche zu hören und darauf zu reagieren, wurden in jüngster Zeit immer mehr zu einem Schlüssel für den Erfolg des Unternehmens. Im Jahr 2017 verkaufte es bereit über 10 Millionen der Geräte. Die Brille kann so gesehen als weiterer Treibstoff für den Erfolg von Alexa gesehen werden.

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