Amazon drängt in den Gesundheitsmarkt Wie Amazon mit KI Ärzte und Patienten ködern will

Arzt mit Stethoskop: Amazon bietet Ärzten künstlich intelligente Unterstützung

Arzt mit Stethoskop: Amazon bietet Ärzten künstlich intelligente Unterstützung

Foto: Patrick Pleul/ picture alliance / Patrick Pleul/Zentralbild/dpa

Amazon macht sich auf, nach dem Onlinehandel nun auch den Markt für elektronische Gesundheitsdienste aufzurollen. Zu diesem Zweck hat Amazon eine Software entwickelt,  die Ärzten und Krankenhäusern dabei helfen soll, die Behandlungen von Patienten zu optimieren und gleichzeitig dabei Kosten zu sparen.

Die Idee: Eine von Amazon entwickelte Software soll digitalisierte Patientenakten nach relevanten Informationen durchpflügen, die Ärzten bei der Behandlung helfen sollen, berichtet das "Wall Street Journal" . Damit sei Amazon in der Lage "vollkommen automatisiert" Details zu den Patienten "mit unglaublicher Präzision" zu identifizieren, zitiert die Zeitung , den für Künstliche Intelligenz (KI) verantwortlichen Manager Matt Wood bei der Amazon-Cloud-Sparte Amazon Web Services. Eine Technologie, die Amazon offenbar auch schon in anderen Branchen und Industrien etwa für Reisebüros oder das Lieferkettenmanagement anbietet.

Die mittels so genannten "Deep Learnings" trainierte Software, die für Ärzte Daten wie Krankheiten, Verschreibungen und Behandlungen in einer Art Übersicht organisiert, wurde in einem Krebsforschungszentrum in Seattle getestet.  Und sie soll dort künftig auch verwendet werden, um Patenten zu identifizieren, die sich aufgrund ihres Krankheitsverlaufes für bestimmte Medikamententest eignen könnten.

Es ist nicht der erste Vorstoß Amazons in diesem Sektor: Erst kürzlich hatte Amazon zusammen mit Warren Buffets Berkshire Hathaway and JPMorgan Chase die Gründung eines Unternehmens  bekannt gegeben, das sich zunächst um Gesundheitslösungen für Firmen kümmern soll. Längerfristig aber alle Amerikaner  als Nutzer im Visier hat.

Zudem hatte Amazon kürzlich - angeblich für eine Milliarde Dollar - die Online-Apotheke PillPack gekauft, seine Zusammenarbeit mit Krankenhäusern beim Verkauf von Medizin-Zubehör verstärkt  und auch personell - unter anderem beim Alexa-Team - Gesundheits- und Wellness-Experten angeworben. Zu den Neuzugängen zählte unter anderem die frühere "Health Informatics"-Verantwortliche der US-Gesundheitsbehörde FDA.

Amazon als Apotheke?

Zudem experimentiert der Konzern  offenbar mit einer in elektronischen Krankenakten verbundenen App. So sollen Ärzte Patienten per Link Produktempfehlungen zukommen lassen können, die diese dann über den Online-Riesen bestellen könnten.

Mit seinem Vorstoß hat sich nicht nur Amazon einen lukratives Geschäftsfeld ausgesucht: Laut dem Marktforscher Grand View Research liegt alleine das Marktvolumen für elektronische Patientendaten bei mehr als sieben Milliarden  Dollar jährlich.

Und auch andere Konzerne und Unternehmen haben den EHealth-Bereich ins Visier genommen - allerdings mit unterschiedlichem Erfolg.

Wer alles mitmischt

So hatte IBMs KI-Programm Watson - einer der Pioniere in dem Sektor - im Gesundheitsbereich zuletzt mit Rückschlägen zu kämpfen.  Weil Krebstherapien, die Watson den Ärzten nach Analyse von Patientendaten vorgeschlagen hatten, von diesen teilweise als wenig zielführend bewertet wurden, meldeten mehrere Partner Zweifel an oder stiegen direkt aus dem Projekt aus.

Auch Apple ist unter anderem mit seinem "Health kit" schon länger in dem Bereich aktiv. Laut "WSJ"  gab es Gespräche zwischen Apple und dem Kriegsveteranenministerium der Vereinigten Staaten bezüglich einer Software, die es Veteranen ermöglichen soll, ihre Krankenakten auf iPhones zu übertragen.

Auch in Deutschland bringen sich Unternehmen im elektronischen Gesundheitsmarkt in Stellung. So ging zum Beispiel im September die Gesundheitsdaten-App Vivy  in Deutschland an den Start, die bis zu 13,5 Millionen Versicherte von Kassen wie Allianz, Barmenia, DAK-Gesundheit, IKK classic, IKK Nord, IKK Südwest sowie die Versicherten mehrerer Betriebskrankenkassen und ab Februar auch die Kunden der Gothaer nutzen können. 

Bis spätestens 2021 soll jeder Zugang zur digitalen Krankenakte haben

Auf Basis der dort gespeicherten Informationen soll die App etwa an Impftermine und Vorsorgeuntersuchungen erinnern können, vor Wechselwirkungen von Medikamenten warnen  sowie digital Überweisungen, U-Hefte und Mutterpässe speichern. Auch Gesundheitsdaten wie Befunde, Laborwerte und Röntgenbilder können hochgeladen werden und mit behandelnden Ärzten geteilt werden. Ebenso können Fitnesstracker oder Geräte, die den Schlaf messen, an die App gekoppelt werden können. Andere Kassen wie die AOK oder die Techniker Krankenkasse haben ebenfalls Pilot- oder Testprojekte am Start.

Bis spätestens 2021 sollen nach dem Willen von Gesundheitsminister Jens Spahn sämtliche Versicherten gesetzlich garantierten Zugang zu ihrer digitalen Krankenakte haben und diese bei einem Wechsel der Krankenkasse auch mitnehmen können. Zudem sollen Bundesbürger auch ohne Gesundheitskarte per Smartphone oder Tablet auf ihre Patientenakten zugreifen können.

Neben elektronischen Patientenakten haben viele Anbieter auch andere Segmente der elektronischen Gesundheitsmarktes im Visier. Von Telemedizin über Arztbewertungs- oder Buchungsplattformen wie Doctolib, Doctena oder Jameda sehen viele auch in der Online-Beratung oder Online-Medikamenten-Bestellung die Möglichkeit, gute Geschäfte zu machen.

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